Tradition der Ostermärsche
Einst waren es Massenkundgebungen mit Signalcharakter, jetzt nehmen nur noch ein paar Hundert daran teil. Doch für die Friedens-Aktivisten bleibt Ostern immer noch ein Datum, um auf politische Missstände aufmerksam zu machen. So wie zuletzt am Ostersamstag in Bremen, als sie gegen Einsätze mit Kampfdrohnen demonstrierten.
Video: Ostermarsch in Bremen
Einstellungen, Infos und Kommentare
Im wahrsten Sinne ein alter Hase sind die bekannten Osterbräuche, die seit Jahrhunderten begangen werden. Noch nicht einmal 50 Jahre alt ist ein ganz neuer Oster-Aspekt, nämlich der politische. Seit den frühen sechziger Jahren wird Ostern zum Anlass genommen, gegen politische und militärische Bedrohungen auf die Straße zu gehen. Von Anfang an trugen die Demos den Titel "Ostermarsch".
Die ersten Märsche knüpften an die britische "Campaign for Nuclear Disarmament", die "Kampagne für atomare Abrüstung" an. In Großbritannien war Ostern schon seit vielen Jahren ein traditionelles Datum für politische Kundgebungen.
1960 gab es erstmals auch an mehreren Orten in Deutschland Friedensdemonstrationen, die häufig mehrtägigen Friedens-Camps glichen. Schon nach einigen Jahren nahmen die Demonstrationen das Ausmaß von Massenkundgebungen an. Der gesellschaftliche Wandel, der sich am Vorabend der 1968er-Bewegung andeutete, verhalf den Ostermärschen zu ihrem großen Erfolg.
Von 1960 bis 1968, so der Sozialwissenschaftler Prof. Karl A. Otto, stieg die Zahl der Ostermarsch-Teilnehmer von 1.000 auf 300.000. Genauso rasant entwickelte sich in dieser Zeit die Zahl der Unterschriften unter den Demo-Aufrufen: von anfangs 230 auf 15.000. Von Beginn an waren es vor allem Künstler, Geistliche, Intellektuelle und Vertreter von linken Parteien und Gewerkschaften, die sich mit den Ostermarschieren und deren Zielen solidarisierten.
Organisiert waren die Ostermärsche stets auf regionaler Ebene - das Stichwort hieß "Basisdemokratie". Für die sechziger Jahre war das völliges Neuland. Doch die schiere Größe der Ostermärsche sorgte für eine breite Wahrnehmung und intensive mediale Auseinandersetzung mit den Demonstrationen.
"Durch selbstorganisierte Öffentlichkeitskampagnen, Demonstrationen des gewaltfreien Widerstandes und zivilen Ungehorsams der Ostermarsch-Bewegung", schreibt Prof. Karl A. Otto, "wurden in der Bundesrepublik Formen der unmittelbaren Interessenwahrnehmung praktiziert und dauerhaft durchgesetzt, die bis dahin als suspekt gegolten hatten und repressiv abgewehrt worden waren." Durch die Ostermarsch-Tradition seien die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung erweitert worden, glaubt der Sozialwissenschaftler. Ohne die Osterbewegungen seien spätere Formen der direkten Beteiligung, etwa Bürgerinitiativen, kaum denkbar gewesen.
Wenn heute wieder zu Ostern marschiert wird, ist das zwar den meisten Medien immer noch eine Nachricht wert. Die große Zeit der Bewegung ist aber schon lange vorbei. Insbesondere die deutschen Notstandsgesetze, der Einmarsch der UDSSR in die Tschechoslowakei (beides 1968) und ein Jahr später die neue sozialliberale Regierung in der Bundesrepublik ließen die Ostermarsch-Tradition nach und nach verschwinden. Anfang der siebziger Jahre kam die Bewegung in ihrer Ur-Form praktisch zum Erliegen.
Der Nato-Doppelbeschluss 1979 ließ die Ostermärsche wieder aufleben – das Wettrüsten in Ost und West sorgte für eine zweite Blüte. Ostern 1984 waren wieder etwa 700.000 Menschen dabei. Mit dem Ende des Kalten Krieges ebbte das Interesse wiederum ab. Nur bei aktuellen Anlässen wie dem ersten Golf-Krieg wurde Ostern wieder zum Datum für größere Kundgebungen. Ihre alte Größe haben die Ostermärsche aber nie wieder erreicht. In den letzten Jahren waren es meist nur noch ein paar tausend Teilnehmer, die Ostern auf die Straße gingen.
Anti-Atomkraft-Gegner auf dem Bremer Marktplatz
Erst im Jahr 2011, nach dem schweren Atomunglück von Fukushima, stieg nach jahrelangem Besucherschwund die Zahl der "Ostermarschierer" erstmals wieder an. Am Ostermontag marschierten nach Veranstalterangaben 120.000 Menschen an zwölf Atom-Standorten auf. 20.000 sollen es allein im niedersächsichen Grohnde gewesen sein. Als Anlass bot sich außerdem der anstehende 25. Jahrestag des Supergaus von Tschernobyl an.
Im Jahr 2013 standen beim traditionellen Ostermarsch in Bremen die Aufrüstungspläne der Bundesregierung im Fokus. Bremer Friedensaktivisten finden das besonders kritisch, weil sie Angst haben, dass zukünftig Kriegsdrohnen in der Region produziert werden. Auch die bestehende Rüstungsindustrie kritisieren sie.
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