Lektion 14: Liebe und danach (I)
Dat is mehr as teihn Johr her, aber dat kunn ok hunnert Johr trüggliggen un warrt in noch maal hunnert Johr graad so wesen. Jümmer denn, wenn de Minsch dat Heimweh hett, dat so ganz anners is as sünst - dat Heimweh na sick sülben -, un wenn he sick so alleen föhlt, denn bemött he em. Wokeen? Em, den keeneen kennt, un de een doch nah is.
Daar ünnern in Italien weer dat, in de Campagna. Sankt Peter sien Kark mit de hoge Kuppel lücht daar as golden in de Abendsünn över't Land. De plünnerige Ool mit dat hungerige Gesicht leep vör mi her. In een vun de engen Straten steeg he de paar Trappen na den Wienkeller stief un as verklaamt hendaal. He seet mi denn in de halfdüüstere Eck schreeg gegenöver an den Disch un kreeg ok sien Quatro Litro - een Veertel Wien - vun den rootgelen Frascati. He sehg mi nich un höör ok nich up den Larm rundüm in de Cantina. Daar wöer Karten speelt un sungen, streden un handslaan - Suldaten un Wienbuern weern daar an'n Gangen. Nee, em gung dat allens nix an. He söch, de Ogen liekut up den Wien, in de tweie Manteltasch, kreeg een Kanten vun dat witte Broot rut un legg dat blangen dat Wienglas. Un denn tööv he, ahn Ungeduld. He tööv as een, de veel Tiet un nich veel to höpen hett. Do keem de Deern mit de Oliven an usen Disch. Se stööt den Olen an, un wat se snack, dat höör sick an as sungen: „He, Angelino!“ un lach mi to un fraag mit de Ogen. Nee, ick much keen Oliven. Angelino? He keek nich up, as he den afgrabbelten un tosamenknüllten Geldschien över'n Disch lang un de Deern nu de öligen Dinger, meist so groot as Plummen, mit de hölten Gabel ut de Bütt kreeg, een na'n annern. Ick wull se tellen - so'n teihn, twölf Stück möögt dat wesen hebben, de daar in de Tüüt fullen un drübbeln. Dat poppeer verfarv sick glieks un blänker ganz fett.
Nu fung de Ool an to eten. Ick sehg noch sien Hannen. De Linke steek he in de Tasch. Bevern finger de rechte, bröök dat Broot un schööf sachten een Stück in'n Mund. Fast preß he de Lippen tosamen. Lang kau he un nehm denn, vörsichtig, ganz vörsichtig - un keek doch nich hen - een Oliv ut de Tüüt. He kau weer lang, langsam, stüttig. Nich eenmaal dreih de Ool den Kopp, nich eenmaal leet he sien Ogen vun den Wien. Noch harr he nich drunken.
Un weer, ahn Hast, as ahn egen Willen, schööf sien Hand sick över'n Disch, föhl sick hen na dat Broot - as blind un doch so seker - un bröch een Happen an den Mund. Un as he denn kau un sien Ogen nich vun den Wien leet, söchen un sammeln de Finger een paar Krömel, de up'n Schoot fullen weern. Denn keem weer een Oliv an de Reeg un denn weer een Stück Broot. Un mit jeden Mundvull, ümschichtig Broot un Oliven, wöer dat harde, magere Gesicht fründlicher, sien Ogen, as vullsagen vun den Wien, heller un weker. Ick kann em daar hüüt noch sitten sehn mit de tage, leddern Huut un de griesen Baartstoppeln över de knökern Backen, de mahlen un mahlen as een Möhl in Gotts Hand.
Lang harr ick den Quatro Vino ut un weer bi't erste Glas vun dat tweete Veertel - un jümmer noch keek ick to. Ick harr de Oliven tellen wullt, dat weer nu vergeten. Ick eet mit, un wat weer dat een Mahltiet! Du giffst em naher een Zigarett, doch ick. As he weer maal tolang - sien Hand bever nu nich mehr so - do wöer he mi wies. He verfeer sick, schoot rein in'n Dutt. Wiß sehg he mi to'n ersten Maal. Rasch keek ick weg, aber do fung he ok all an to praten. „Italien!“ doch ick. Denn lehn he sick wiet över'n Disch un heel mi de upweekte Tüüt hen - mit de lesde Oliv. Nee, nee, de wull ick em nich wegnehmen. He verstünn dat nich. He kunn jo nich weten, dat ick de Dinger nich much. Un woans schull ick em vertellen, dat ick se em nich nehmen wull. Nich eenmaal harr ick een Minschen so mit Andacht eten sehn. De lesde Oliv, graad de höör em to! Nu güng he erst recht tokehr. Mit Handslagen un Ogenverdreihen reep he so sünnerlich as süng he een olt, olt Leed. Un as ick jümmer noch afwehren dee, böör he de knökern Schullern dör den dünnen Mantel. „Olive!“ reep he vertwiefelt. „Olive!“ reep he stolt. „Italien!“ doch ick. Nu keek he sick üm, as wull he all in'n Keller as Tügen anropen: Kiek, he nimmt se nich, he mutt se doch nehmen! Ick wuß, ick weer bi em to Gast. Olive! Dat woord sä allens. Dat keem as een Beed: „Mehr is dat nich!“ Dat klung scharp as een Order: „Mehr kann ick nich, mehr kann keeneen geven!“
Graad in den Ogenblick keem daar en Drift Suldaten rin, de mi kennen un glieks mit een Hallo un Schullerkloppen üm mi rüm weern. Mit een Oog sehg ick noch, dat de Ool drunk un denn das Glas daalsett un mit de Hand över'n Mund wisch. As de annern sick denn een Disch wieder lang hensetten un ick mi na den Olen ümdreih, weer he weg. In dat leddige Glas blänker dat Geldstück för den Wien, blangen mien Ellenbagen aber leeg de Tüüt, de Tüüt mit de lesde Oliv. Rasch leep ick na de Döör. De Schummern in de enge Straat harr em versluckt. Do güng ick torügg an den Disch un eet de Oliv. Un ick versöch se so to eten, as de Ool mi dat vörmaakt harr. Dat is nu lang her, aber ick bün noch männigmaal bi em to Gast.
Text mit freundlicher Genehmigung des Verlages entnommen aus: „Weg un Ümweg“ von Hinrich Kruse, Verlag Schuster, Leer (1979) (Der Text wurde von mir den bisherigen Schreibweisen des Kurses in großen Teilen angeglichen. G.K.)
14: Vokabeln und Übungen
Lektion 14: Liebe und danach (I)
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Lektion 14: Liebe und danach (I)
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