Plattdeutschkurs
Gebote, Verbote, Befehle – sie sind in de Erziehung unerlässlich und die Lehrerin Marlene Dullin stellt einige aus dem Schulalltagsleben vor. Und was sagt dazu das Schulkind: Bang bün ick nich, aber lopen kann ick fix.
Zum Anhören: Plattsnackers - Lektion 11: Erziehung, [4:05]
Lehrerin Marlene Dullin stellt einige Gebote, Verbote, Befehle aus dem Schulalltag vor.
Kellermann: Marlene, du büst Schoolmestersche in Bremen.
Marlene Dullin: Jo, Schoolmestersche bün ick all siet Johren.
Schülerin: Was ist sie?
Sprecher: Schoolmestersche
School - Schule
Mester - Meister, also Schulmeister.
Schülerin: Aber das sagte sie nicht.
Sprecher: Nein, Marlene Dullin ist eine Frau und sie benennt die weibliche Berufsform mit "sche" am Ende.
Schülerin: Schoolmestersche.
Sprecher: Jüst so: Doktersche, Kööksche, Nahbersche, Börgermestersche.
Schülerin: Und - Schoolmestersche.
Kellermann: Un, maakt di dat jümmer Spaaß?
Dullin: Jo, mehrstiets maakt mi dat Spaaß. Gifft aber ok Tieden, wo dat nich ganz so lustig is.
Kellermann: Marlene, wenn du nu morrns in de Klass rinkümmst, wat seggst denn?
Dullin: Moin.
Kellermann: Ach ja, moin. Recht so. Un denn?
Dullin: Gaht sitten! Packt juun Böker up'n Disch! Nehmt de Heften in de Hannen! Anna, bliev sitten un lees mal de Upgaven vör! Markus, maak mal de Tafel rein! De Sünn blennt. Kirsten, treck mal de Gardinen vör! Frauke, haal du dat Klassenbook! Ralf, fraag mal in de Nahberklass, wat se Kried för us hebbt!
Schülerin: Das klingt heftig nach Lehrerin.
Sprecher: Und sie führt uns damit die Befehlsform vor:
gaht sitten – packt ut – nehmt
Schülerin: Das sagt sie zu allen?
Sprecher: Ja, in der Mehrzahl. Wendet sie sich an einzelne Schüler, sagt sie:
bliev sitten
lees vör
maak to
treck vör
haal
fraag
Schülerin: Wiederholung.
Kellermann: Un de Kinner doot jümmer dat, wat du vun ehr verlangst un wat du ehr seggst?
Dullin: Nee, dat kann man so nich seggen. Af un an löppt dat ok anners. Denn segg ick: "Wat is dat för'n Larm. Jens, sett di daal! Lena un Esther, passt up un snackt nich so veel! Miriam, nehm dat Kaugummi ut'n Mund, aber kleev dat nich ünner den Disch! Un du, Christian, sett di richtig hen un sitt still! Heike, pack dien Botterbrod weg! Sett dienen Walkman af, Christine un stopp em in dien Tasch!" Un denn segg ick: "Florian, kiek in dien Book un Heiner kickt in sien! Klaar?"
Schülerin: Da wird die Mestersche aber wütend.
Sprecher: Füünsch sagt man dazu im Plattdeutschen.
Schülerin: Nur den letzten Satz habe ich so schnell nicht verstanden.
Sprecher: Florian, kiek in dien Book un Heiner kickt in sien. Jeder soll die Nase in das eigene Buch stecken.
Schülerin: Dien und sien - die besitzanzeigenden Fürwörter.
Sprecher: Mien, dien, sien, ehr, us, ju, jemehr.
Schülerin: Wiederholung.
Kellermann: Jo, un wenn du denn sowat seggt hest, denn is dat still un de Kinner lustert to un willt nu vun di wat lehren?
Dullin: Nee, de sünd männigmaal wat obsternaatsch. An'n leefsten fraagt se: "Köönt se us dat noch maal verkloren?" Un mit so een Fraag willt se den Ünnerricht uphollen.
Kellermann: Un, geiht dat? Verklaarst du denn noch maal of seggst du denn: "Ji mööt dat nu begrepen hebben?"
Dullin: Jo, dat is ok verscheden. Mehrstiets markt wi Schoolmesters dat denn jo. Böser is dat, wenn se mit'n anner dat Strieden anfangt.
Kellermann: Un, wat seggt se denn?
Dullin: Ick lang di eenen! Klei mi an de Fööt! Ji kriegt noch dat Jack vull! Tööv, anners kümmt mienen grooten Broder! Du kannst mi maal!
Kellermann: Oh, dat höört sick aber nich so schöön an.
Dullin: Nee. Un denn geiht dat jo noch wieder: "Wenn du mi de Tung wiest, hau ick di een'n an't Muul! Wenn du noch maal mienen Bliesticken nimmst, kannst wat vun mi beleven!" Oder: "Vunnahmiddag bring ick mien Mackers mit!", "För jem bün ick nich bang!"
Schülerin: Was war das alles? Se, us, di, mi, ji, jem.
Sprecher: Das sind die Kurzformen, wenn man die Namen nicht wiederholen will: die Fürwörter.
Schülerin: Mich und dich.
Sprecher: Mi un di.Und hier haben wir wieder die schöne Sache, dass sie sich im Plattdeutschen nicht von mir und dir unterscheiden.
Schülerin: Dann kann ich ja diesen Spruch gar nicht übersetzen.
Sprecher: Welchen Spruch?
Schülerin: Mir und mich verwechsele ich nicht, das kommt bei mich nicht vor. Tantchen hast'n Band bei dich, der Hund, der will nicht mit mit mich.
11: Vokabeln und Übungen
Lektion 11: Erziehung
Vokabeln
Die Fürwörter / Pronomen
Übungen
Redewendungen
Männlich und weiblich
Die Befehlsform / Imperativ
Der Plattdeutschkurs
Willkamen bi de Plattsnackers
Lektion 1: Kneipe
Lektion 2: Bauern
Lektion 3: Im Laden (I)
Lektion 4: Im Laden (II)
Lektion 5: Im Laden (III)
Lektion 6: Urlaub
Lektion 7: Ehe
Lektion 8: Umwelt (I)
Lektion 9: Umwelt (II)
Lektion 10: Kinder
Lektion 11: Erziehung
Lektion 12: Geschichte (I)
Lektion 13: Geschichte (II)
Lektion 14: Liebe und danach (I)
Lektion 15: Liebe und danach (II)
Lektion 16: Plattdeutsche Besonderheiten (I)
Lektion 17: Plattdeutsche Besonderheiten (II)
Lektion 18: Fisch, Milch und Ende (I)
Lektion 19: Fisch, Milch und Ende (II)
Alle Audio-Lektionen
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