Strahlung
Irgendwo in Deutschland wird ein Mobilfunkmast aufgebaut. Kurz danach klagen die ersten Menschen über Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Es folgen Symptome wie Herzrasen, Bluthochdruck und Ohrensausen. Für die Anwohner ist die Ursache der Beschwerden klar: Alles fing mit dem Mobilfunkmast an. Oder?
Handystrahlung kann man nicht sehen, riechen oder schmecken. Eine mögliche Gefahr, die uns ständig umgibt, von der wir aber nichts mitbekommen. "Das ist es, was den Menschen Angst macht", sagt Peter Neitzke, Leiter des Forschungsinstituts Ecolog. "Strahlung ist unseren sinnlichen Wahrnehmungen entzogen."
Hinzu kommt, dass die Bürger in der Regel keinen Einfluss darauf haben, wo Sendemasten aufgestellt werden. Wird im Dorf der Bau eines Sendemasts geplant, fühlen sich die Anwohner diesem ohnmächtig ausgeliefert. Dass die Strahlung des eigenen Handys meist deutlich größer ist als die der Antenne, spielt keine Rolle. Denn auf das eigene Telefonierverhalten haben die Menschen Einfluss, auf den Sendemast, der 24 Stunden am Stück strahlt, nicht. Aus dem gleichen Grund haben viele Menschen Flugangst, fühlen sich aber am Steuer ihres Autos sicher. Dabei ist Autofahren weitaus gefährlicher als Fliegen.
Die Angst vor der Strahlung könnte erklären, warum so viele Menschen rund um Mobilfunkantennen krank werden. Mitunter äußern die ersten Anwohner schon Beschwerden, noch bevor die Antennen überhaupt eingeschaltet sind. "Wir hatten solche Fälle, in denen die Leute nicht wussten, dass die Anlagen noch gar nicht in Betrieb waren und trotzdem über gesundheitliche Beeinträchtigungen klagten, die sie auf die Strahlung zurückführten", sagt Neitzke. Der Forscher geht zwar davon aus, dass die Mobilfunkstrahlung Menschen tatsächlich krank machen kann. Aber ein Teil der Beschwerden, über die Anwohner immer wieder klagen, habe "mit Sicherheit psychische Ursachen", sagt Neitzke. Aber auch diese Auswirkungen müssten ernst genommen werden.
Die Medizin kennt die Wirkung von Placebos. Das sind Medikamente, die zwar keinen Wirkstoff enthalten, aber allein deshalb helfen, weil die Menschen daran glauben. Umgekehrt vermuten Wissenschaftler auch einen negativen Placebo-Effekt, auch Nocebo-Effekt genannt. Das heißt: Die Strahlung muss gar keine schädliche Wirkung auf den Körper haben, es könnte schon reichen, dass die Menschen an diese Wirkung glauben.
Neun Prozent der Deutschen fühlen sich laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz durch den Mobilfunk gesundheitlich beeinträchtigt. Als besonders empfindlich gegenüber elektromagnetischen Feldern bezeichnen sich die Elektrosensiblen. Je nach Befragung sind das zwei bis sechs Prozent der Bevölkerung, die nach eigenen Angaben besonders unter der Strahlung leiden. Ob es eine derartige Elektrosensibilität wirklich gibt, haben Studien bisher nicht eindeutig geklärt. Der Mensch hat jedenfalls kein Organ, um Strahlung wahrzunehmen. Experimente haben gezeigt, dass auch Menschen, die sich als elektrosensibel bezeichnen, nicht bestimmen können, ob eine Antenne ein- oder ausgeschaltet ist. Über mögliche Langzeitfolgen der Strahlung sagen diese Untersuchungen allerdings nichts aus.
Das Thema Mobilfunkstrahlung ist ideologisch aufgeladen wie sonst nur die Diskussion um die Atomkraft oder die Gentechnik. Mobilfunkgegner vermuten eine Verschwörung aus Regierung, Industrie, Forschung und Medien. Das habe auch mit der schlechten Kommunikation der Mobilfunkbetreiber zu tun, sagt Neitzke. "Der Aufbau des Netzes geschah rasend schnell und gerade zu Beginn haben die Betreiber zu wenig über die neue Technik und ihre konkreten Aufbaupläne informiert.“ Auch von Seiten der staatlichen Behörden sei viel zu lange nur abgewiegelt und zu wenig über tatsächliche und vermeintliche Risiken informiert worden. Dabei seien viele Gerüchte und Halbwahrheiten entstanden. "Es ist schwer, diese wieder aus der Welt zu bekommen."
Ist die Angst einmal da, ist Beruhigung kaum mehr möglich. Denn wer beschwichtigt und relativiert, gilt in den Augen vieler Kritiker als Verharmloser und steckt im Zweifel mit Regierung und Industrie unter einer Decke. "Die sind doch alle gekauft", hört man oft von Kritikern des Mobilfunks.
Bei dem Gedanken, dass auf dem Dach gegenüber eine Antenne aufgebaut werden könnte, wird den meisten Deutschen mulmig. Und am Ende ist kaum noch zu klären, ob die Schlafstörungen nun aus der Strahlung resultieren oder nur aus der Angst davor. "Auch wenn die Leute nur vom Anblick der Antenne krank werden, ist etwas schief gelaufen", sagt Peter Neitzke.
Strahlung
Wie gefährlich sind Mobilfunkwellen wirklich? Und was ist eigentlich Strahlung genau? In unserem Dossier bieten wir Ihnen ausführliche Hintergrundinformationen rund um das Thema "Handystrahlung".
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