Beerdigt ohne Sargzwang
Jedes Jahr werden mehrere tausend Särge auf die Reise geschickt. Viele Migranten wollen selbst nach Jahrzehnten in Deutschland lieber in Heimaterde begraben werden. Ein Radio-Bremen-Team begleitet eine Beisetzung in der Türkei und besucht ein muslimisches Gräberfeld in Bremen. Denn trotz Sargpflicht wollen immer mehr in Deutschland beerdigt werden.
Video: Heimaterde: Bestattung ohne Sarg
Einstellungen, Infos und Kommentare
Auf einer Messe in Bremen präsentiert sich Burhanettin Uysal aus Duisburg. Er erklärt die muslimischen Bestattungsrituale. An seinem Stand führt er vor, wie er einen Sarg zum Transport bereit macht, wenn es zurückgeht in die Heimaterde. Tausende Kilometer, bis in die Türkei.
Ein halbes Jahr vergeht, bis sich eine Familie bereit erklärt, das deutsche Fernsehen dabei zu haben. Ihr Vater, der 74-jährige İlyas Bayram, ist in der Nacht verstorben und muss nun so schnell wie möglich beerdigt werden. Das Fernseh-Team begleitet den Wettlauf gegen Öffnungszeiten von Ämtern, gegen deutsche und türkische Behörden und gegen die Abflugpläne der Airlines.
Der Bestatter will İlyas Bayram so schnell wie möglich in sein Heimatdorf bringen. So will es der Glaube. So wollte es der Verstorbene. Nach dem Totengebet vor der Moschee im Ruhrgebiet geht es auf die 3.000 Kilometer lange Reise nach Gümüştuğ. 38 Stunden später liegt İlyas Bayram in ein weißes Leinentuch gehüllt in seiner Heimaterde in den Bergen über dem Schwarzen Meer.
In Bremen können sich Muslime auch nach ihren Ritualen bestatten lassen. Ein türkischer Bestatter bringt die Verstorbenen zum Osterholzer Friedhof. Auch hier soll der Leichnam nach der rituellen Waschung und dem Totengebet so schnell wie möglich in die Erde gebettet werden. Mittlerweile gibt es solche Gräberfelder in vielen deutschen Städten. Hier dürfen die Muslime auch ohne Sarg, nur in einem Grabtuch, bestattet werden.
Das macht es einfacher, sich für Deutschland als letzte Ruhestätte zu entscheiden. So ist es auch für die Angehörigen leichter der Toten zu gedenken. Ein Besuch am Grab in der Türkei ist so oft nicht möglich.
Totengedenken: Statt am Grab in der Türkei betet ein Sohn in der Bilal-i-Habesi-Moschee in Bremen für seine Mutter.
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