Interview zum Film "Heimaterde"
İlyas Bayram war in den 60ern als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Sein letzter Wunsch: In der Heimat beerdigt werden. Orhan Çalışır und Dirk Meißner erzählen die Geschichte in der Radio-Bremen-Produktion "Heimaterde". Was sie dabei erlebt haben, schildert Meißner im Online-Interview.
An der Grabstelle schaufeln die Männer teilweise mit den bloßen Händen die Erde.
Wir haben viele Monate lang Kontakt gehalten zu mehreren türkischen Bestattern. Wir haben auch zum Beispiel in Bremer Moscheen vorgesprochen und haben dort das Film-Projekt vorgestellt. Wir haben uns an muslimische Verbände gewandt mit der Bitte um Vermittlung.
Unser Problem dabei war ja, dass wir selbst nur schwer Kontakt zu Angehörigen aufnehmen konnten. Die meisten Todesfälle ereignen sich ja leider plötzlich. Entscheidend war also, dass wir Vertrauen geschaffen haben. Vertrauen, dass dieser Film fürs deutsche Fernsehen muslimische Bestattungsrituale zeigt, ohne die Gefühle der Gläubigen zu verletzen. Wir hoffen sehr, dass uns das gelungen ist.
Der vielleicht entscheidene Unterschied, der mich auch tief bewegt hat, ist diese Unmittelbarkeit: Die Angehörigen helfen zum Beispiel bei der rituellen Waschung, sie tragen den Sarg, sie greifen mit bloßen Händen in die Erde, um den Leichnam zu bestatten. All das ist sehr handfeste "Trauerarbeit". Anders als ich es aus meinem eher christlich geprägten Umfeld kenne.
In Deutschland kümmert sich ein breites Netzwerk von Bestattern darum, dass muslimische Landsleute in ihrer Heimat begraben werden können. Auf diese Weise werden jedes Jahr mehrere tausend Leichname in die Türkei transportiert.
DİTİB
Der Dachverband "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion" ist der größte muslimische Verband in Deutschland.
In dem von uns begleiteten Fall hat der größte muslimische Verband (DİTİB) die Bestattung in Heimaterde komplett organisiert. Der Verband unterhält ein internationales Bestattungsunternehmen. Für Mitglieder wie die Familie Bayram übernimmt DİTİB alles, von den Behördengängen bis zu den Flugtickets.
Was mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, ist die Gastfreundschaft der Familie Bayram. Einer Familie, die nun wirklich genug mit sich selbst zu tun hatte, die ihr Familienoberhaupt in der Türkei begraben hat und die trotzdem noch genug Kraft hatte, sich um dieses deutsche Kamera-Team zu kümmern. Man hat uns nie das Gefühl gegeben, dass wir unerwünscht sind. Es gab eine große Offenheit und Bereitschaft, die muslimischen Glaubensrituale zu zeigen und zu erklären.
TV-Dokumentation "Heimaterde"
Zum Auftakt der ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" zeigt das Erste den Film "Heimaterde" am 17. November 2012, 15:30-16 Uhr.
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