19. Oktober 1933
Die Bremer Kaufmannschaft stand der NS-Herrschaft zunächst skeptisch gegenüber. Erst als die Wirtschaft durch NS-Maßnahmen angekurbelt wurde, erklärte sie in einem offiziellen Treuegelöbnis dem NS-Regime ihre Gefolgschaft
Neue Börse 1933: Hier gelobte die bremische Kaufmannschaft ihr NS-Gefolgschaft.
Da viele Bremer Firmen vom Außenhandel lebten, standen große Teile der Bremer Kaufmannschaft der NS-Herrschaft zunächst skeptisch gegenüber. Andererseits versprachen die Rüstungspläne der Nazis den Schiffbau- und Fahrzeugfirmen neue Aufträge und viele Handelshäuser setzten ihre Hoffnung auf ein Deutsches Reich, das wieder Kolonien besitzen werde. Schon im März 1933 erklärte der Vizepräsident der Bremer Handelskammer, Wilhelm Biedermann, öffentlich:
"Als Volk ohne Raum ist Deutschland angesichts des jetzigen Zusammenbruchs des Welthandels mehr als je darauf angewiesen auch außerhalb der eigentlichen Heimat Boden zu haben, auf dem Volksgenossen, für die in der Heimat keine Arbeit mehr vorhanden ist, sich ein eigenes sicheres Dasein gründen können." Als die Arbeitslosigkeit dann sehr bald sank, verbuchten Bremer Firmen wieder Gewinne. Die Vorbehalte gegen die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik schwanden. Die Menschenrechtsverletzungen der Hitler-Diktatur wurden ignoriert. Als im Juli 1933 der Nationalsozialist Karl Bollmeier zum neuen Präses der Bremer Handelskammer gewählt wurde stand im Jahresbericht der Kammer: "In wirtschaftlichen Dingen war es für den hanseatischen Kaufmann schwieriger, sich zum nationalsozialistischen Staat zu finden. Der Überseekaufmann erkannte nicht früh genug, dass in Deutschland ohne starkes Bauerntum und ohne gesunde Binnenwirtschaft auch kein gesunder Außenhandel betrieben werden kann."
Als Hitlerdeutschland am 14. Oktober 1933 aus dem Völkerbund austrat und die Genfer Abrüstungsverhandlungen verließ begrüßten die Bremer Kaufleute dies als Protest gegen das Diktat des Versailler Friedensvertrages und gegen die hohen Reparationszahlungen. Sie schickten Hitler folgendes Telegramm: "Die in der Börse versammelte Kaufmannschaft gelobt der Reichsregierung bei ihren Maßnahmen zur Wahrung der deutschen Rechte und der deutschen Ehre unverbrüchliche Treue und Gefolgschaft."
Treuegelöbnis der Bremer Kaufmannschaft, [2:14]
Rede Markerts im Norddeutschen Rundfunk , [1:22]
Auszug: Rede NS-Bürgermeister Richard Markert im Zeitfunk 3. April 1933
"Bremen war groß in den Zeiten der Hanse und in den Zeiten des Bismarckschen Reiches. Bremen hat heroisch gekämpft um seine Existenz in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und später. Wenn Not am Mann war, so hat Bremen noch nie versagt. Dann hat es seine hanseatische Stärke und Tüchtigkeit gezeigt.
Bremer es ist wiederum Not am Mann!
Ich appelliere an Ihren alten Hanseatengeist, ich appelliere an ihre Vergangenheit und Tradition. Ich bin überzeugt und habe den festen Glauben, dass die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, so schwer sie auch sein mag, gelöst werden wird.
Solidität, nüchternes Denken und Kühnheit unseres Handelns sollen wieder unsere Richtlinien sein. Dann wird es uns gelingen, ein neues, lebenskräftiges Bremen aufzubauen. Dann können wir wieder stolz sein Bürger dieser alten, ehrwürdigen und schönen Stadt zu sein und unsere Herzen erheben in dem Gedanken in einem ehrhaften, wehrhaften Deutschen Reiche einen lebenswichtigen Bestandteil zu bilden.
Derjenige, der uns den Weg dazu frei gemacht hat ist unser Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, der Ehrenbürger Bremens, ihm gilt deshalb unser Sieg Heil."
Bremen unterm Hakenkreuz
![Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen] Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/bremen-dreissigerjahre102_v-mediateaser.jpg)
Das Jahr 1933
Am 30. Januar 2013 jährt sich die Machtergreifung der Nationalsozialisten zum 80. Mal. Rückblicke, Zeitzeugen und Archivmaterial sollen dokumentieren, wie es den Nationalsozialisten gelingen konnte, an die Macht zu kommen.
Weitere Ereignisse
14. Dezember 1934: Hitler in Bremen und Bremerhaven
Alfred Faust aus "Schutzhaft" entlassen
19. Oktober 1933: Treuegelöbnis der Bremer Kaufmannschaft
5. Mai 1933: Röver wird Reichsstatthalter
1. Mai 1933: Bremen im Zeichen des Hakenkreuzes
18. April 1933: Gewerkschaftshaus besetzt
14. April 1933: Verhinderung staatsfeindlicher Betätigung in Kleingärten
31. März 1933: Konzentrationslager Mißler eingerichtet
22. März 1933: Hitler wird Ehrenbürger
6. März 1933: "Machtergreifung" der NSDAP in Bremen
30. Januar 1933: Reaktionen in Bremen
30. Januar 1933: Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
Recherche
Für die Aufarbeitung geschichtlicher Themen können wir auf das reichhaltige Radio-Bremen-Archiv zurückgreifen. Tatkräftig unterstützt werden wir vom Arbeitskreis der Bremer Archive und vom Staatsarchiv Bremen.
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