31. März 1933
Bereits kurz nach Hitlers Machtergreifung waren Sozialdemokraten und Kommunisten zu politischen Feinden erklärt worden. Sie wurden verfolgt, eingesperrt, drangsaliert, gefoltert und auch getötet. In Bremen wurden sie zuerst im KZ-Mißler inhaftiert. Später kamen sie entweder auf die Insel Langlütjen II in Isolationshaft oder waren auf einem alten Schleppkahn "Ochtumsand" an der Ochtummündung untergebracht.
Weil die Plätze in Bremens Polizeigefängnissen nicht mehr ausreichten, wurden die dem neuen NS-Regime unliebsamen Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten in die ehemaligen Auswandererhallen in der Walsroder Straße in Bremen-Findorff einquartiert.
Innenhof des KZ-Mißler
SA-und SS-Männer ergänzten dort die Polizeibewachung. In den Bremer Nachrichten war sechs Tage zuvor die Unterbringung von Kommunisten in einem "Konzentrationslager" angekündigt worden. Im "KZ-Mißler" wurden die Gefangenen dann unter den Augen und vor der Ohren der umliegenden Bevölkerung von den Wachmannschaften drangsaliert und misshandelt. Eine Anwohnerin erinnert sich: "Wenn ich oben war und mein Fenster aufmachte dann wurde gerufen 'Fenster zu – sonst schießen wir' …."
Wegen der Nähe des Konzentrationslagers zu den Wohnhäusern, wurden die etwa einhundertfünzig Gefangenen im September 1933 auf den Weserkahn Ochtumsand, vor der Ochtummündung, und auf die alte Festungsinsel Langlütjensand, gegenüber von Bremerhaven, verlegt. Das KZ-Mißler wurde aufgelöst.
Nach Ende der Hitlerdiktatur 1945 standen 15 der Wachleute vor Gericht – Höchststrafe zweieinhalb Jahre. Es gab mildernde Umstände: Die Männer seien jung gewesen, arbeitslos und "politisch verhetzt".
Konzentrationslager Mißler eingerichtet, [2:20]
Lager Ochtumsand
Seit Ende März 1933 hatten die Bremer Nationalsozialisten etwa einhundertfünfzig politische Gegner im KZ-Mißler im Bremer Findorffviertel inhaftiert. Vor allem wegen der Proteste von Anwohnern, die Zeugen von Quälerei und Misshandlungen der Häftlinge geworden waren, musste dieses Lager aufgelöst werden. Man brauchte abgelegenere Orte. Die Nordwestdeutsche-Zeitung meldete:
"Außerhalb Bremens ist in einer früheren Militärbefestigung ein Lager eingerichtet worden. Hier sind diejenigen Personen untergebracht worden, die wegen ihrer politischen Tätigkeit und ihrer Einstellung gegen den nationalen Staat als besonders gefährlich anzusehen sind".
Rund 50 Häftlinge wurden in dem alten Inselfort Langlütjensand gegenüber von Bremerhaven interniert, obwohl es in schlechtem baulichen Zustand war. Bei Flut lief gelegentlich Seewasser in die Häftlings- und Aufseher-Quartiere. Bereits am 25. Januar 1934 wurde das Lager unter anderem deshalb wieder aufgelöst.
Wie bereits im KZ-Mißler waren auch im ehemaligen Marinefort Langlütjensand SA-Männer als Hilfspolizisten eingesetzt worden. Vor allem diese misshandelten die Gefangenen zum Teil schwer.
Bremen unterm Hakenkreuz
![Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen] Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/bremen-dreissigerjahre102_v-mediateaser.jpg)
Das Jahr 1933
Am 30. Januar 2013 jährt sich die Machtergreifung der Nationalsozialisten zum 80. Mal. Rückblicke, Zeitzeugen und Archivmaterial sollen dokumentieren, wie es den Nationalsozialisten gelingen konnte, an die Macht zu kommen.
Weitere Ereignisse
14. Dezember 1934: Hitler in Bremen und Bremerhaven
Alfred Faust aus "Schutzhaft" entlassen
19. Oktober 1933: Treuegelöbnis der Bremer Kaufmannschaft
5. Mai 1933: Röver wird Reichsstatthalter
1. Mai 1933: Bremen im Zeichen des Hakenkreuzes
18. April 1933: Gewerkschaftshaus besetzt
14. April 1933: Verhinderung staatsfeindlicher Betätigung in Kleingärten
31. März 1933: Konzentrationslager Mißler eingerichtet
22. März 1933: Hitler wird Ehrenbürger
6. März 1933: "Machtergreifung" der NSDAP in Bremen
30. Januar 1933: Reaktionen in Bremen
30. Januar 1933: Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
Recherche
Für die Aufarbeitung geschichtlicher Themen können wir auf das reichhaltige Radio-Bremen-Archiv zurückgreifen. Tatkräftig unterstützt werden wir vom Arbeitskreis der Bremer Archive und vom Staatsarchiv Bremen.
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