22. September 1935
Geschmückte Domfront mit nationalsozialistischen Schmuck-Elementen und dem Spruch: "Friede, Arbeit, Brot".
Bereits am 1. Mai 1933 hatte sich der Bremer Dompastor und spätere Landesbischof Heinz Weidemann, von der nationalsozialistischen Protestanten-Organisation "Deutsche Christen", den nationalsozialistischen Machthabern als Bündnispartner angedient. Vor dem Bremer Dom ließ er unter einer Hakenkreuzfahne einen Altar der Arbeit errichten, geschmückt von dem Spruch "Friede-Arbeit-Brot". Morgens um 8 Uhr an diesem ersten Maifeiertag unter nationalsozialistischer Regie hielt Weidemann im Dom den Festgottesdienst – während für die nationalsozialistische Hitlerjugend und den Bund Deutscher Mädel Gottesdienste mit Hakenkreuzfahnen in der Stephanikirche veranstaltet wurden.
In den folgenden Monaten arbeiteten die deutschen Christen und ihr Bremer Führer Weidemann an der Gleichschaltung der Bremer Kirchengemeinden, Zentralisierung der Bremer Evangelischen Kirche und ihre Organisation nach dem Führerprinzip.
Auf dem ersten Reichskirchentag für Niederdeutschland am 22. September 1935 in Bremen wurden dann die antisemitischen Ziele der Deutschen Christen deutlich – die sich unter Berufung auf den Deutschen Reformator Martin Luther von den jüdischen Wurzeln des Christentums lossagen wollten. Bremens Kirchenpräsident und Bürgermeister Otto-Heider sagte in seiner Eröffnungsrede, es sei nötig‚ dem Volk einen neuen Glauben zu geben. Und Domprediger Weidemann erklärte: Echtes und ursprüngliches Christentum ist der radikalste Gegner des Judentums und protestantisches Christentum ist der Protest gegen den Versuch, das Christentum wieder jüdisch zu machen.“
Unter anderem eine neue ‚deutsche’ Bibel’ und neue ‚deutsche’ Gesangbücher waren bei den ‚Deutschen Christen’ in Arbeit. Domprediger Weidemann schickte dem Reichsführer der SS, Heinrich Himmler eine Neufassung des Johannisevangeliums mit den Worten:
Schon aus den ersten Sätzen werden sie ersehen, dass wir als Christen aus deutschem Blut und deutscher Rasse den Anti-Juden Christus zeichnen. Himmler war begeistert.
Bremens Kirchenpräsident und Bürgermeister Haider hatte zuvor versucht , die Bremer Evangelische Kirche dem nationalsozialistischen Kirchenminister Hans Kerl als Musterkirche anzudienen und den Bremer Pastoren eine Treueeid auf Adolf Hitler abzuverlangen. Doch Kerl akzeptierte keine Sonderrolle Bremens bei der Gleichschaltung der Kirchen und blieb dem Kirchentag für Niederdeutschland fern.
Bremen unterm Hakenkreuz
![Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen] Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/bremen-dreissigerjahre102_v-mediateaser.jpg)
Das Jahr 1933
Am 30. Januar 2013 jährt sich die Machtergreifung der Nationalsozialisten zum 80. Mal. Rückblicke, Zeitzeugen und Archivmaterial sollen dokumentieren, wie es den Nationalsozialisten gelingen konnte, an die Macht zu kommen.
Weitere Ereignisse
14. Dezember 1934: Hitler in Bremen und Bremerhaven
Alfred Faust aus "Schutzhaft" entlassen
19. Oktober 1933: Treuegelöbnis der Bremer Kaufmannschaft
5. Mai 1933: Röver wird Reichsstatthalter
1. Mai 1933: Bremen im Zeichen des Hakenkreuzes
18. April 1933: Gewerkschaftshaus besetzt
14. April 1933: Verhinderung staatsfeindlicher Betätigung in Kleingärten
31. März 1933: Konzentrationslager Mißler eingerichtet
22. März 1933: Hitler wird Ehrenbürger
6. März 1933: "Machtergreifung" der NSDAP in Bremen
30. Januar 1933: Reaktionen in Bremen
30. Januar 1933: Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
Recherche
Für die Aufarbeitung geschichtlicher Themen können wir auf das reichhaltige Radio-Bremen-Archiv zurückgreifen. Tatkräftig unterstützt werden wir vom Arbeitskreis der Bremer Archive und vom Staatsarchiv Bremen.
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