5. Mai 1933
Bereits am 29. Mai 1932 war NSDAP-Gauleiter Carl Röver Ministerpräsident in der alten Landtagsregion Weser-Ems. Am 5. Mai 1933 wurde er Reichsstatthalter von Bremen und Oldenburg.
Bereits am Tag der Machtübernahme durch Reichskanzler Adolf Hitler am 30. Januar 1933 beschloss die von ihm geführte Reichsregierung, in allen deutschen Ländern Reichsstatthalter einzusetzen um sie zentral zu steuern:
"Der Reichsstatthalter hat die Aufgabe, für die Beobachtung der vom Reichskanzler aufgestellten Richtlinien der Politik zu sorgen."
Für Bremen und das Oldenburger Land setzte Hitler dann Anfang Mai 1933 den 44-jährigen Ministerpräsidenten des Landes Oldenburg und Leiter des NS-Gaus
Weser-Ems, Carl Röver, als Reichsstatthalter ein. Röver behielt seinen Amts-Sitz als Reichsstatthalter demonstrativ in Oldenburg. Dennoch sah die Bremer Handelskammer in Röver: "… die Gewähr für eine glückliche Entwicklung von Handel und Schiffahrt an der Unterweser".
Bremens NS-Bürgermeister Richard Markert bekam schnell Krach mit Röver und schrieb an Adolf Hitler: "Wir bitten Sie, Bremen vor dem Unterdrückungswillen Oldenburgs zu schützen." Röver reagierte mit den Worten: "Markert ist ein Schwein – der muss weg." Und er sagte Markert ins Gesicht:
"Wenn ich Ihre Visage sehe, möchte ich mit dem nackten Arsch darüber fahren."
Links: Bürgermeister Richard Markert empfängt Gauleiter Weser-Ems Carl Röver in Bremen
1937 setzte Röver den Oldenburger Nationalsozialisten Böhmker als Bremens Bürgermeister ein. Als während der Reichs-Pogromnacht im Jahr 1938 die Wilhelmshavener Synagoge angezündet wurde, war Röver dabei. Politische Gegner bezeichneten ihn als "SA-Proleten". Nach Rövers Tod am 15. Mai 1942 wurde der Sarg mit seinem Leichnam nach Berlin gebracht, wo die nationalsozialistische Führung in der Reichskanzlei in Gegenwart Adolf Hitlers einen Staatsakt veranstalte, der reichsweit im Rundfunk übertragen wurde.
Rede Markerts im Norddeutschen Rundfunk , [1:22]
Aus dem Radio-Bremen-Archiv:
Carl Röver: ein streitbarer und cholerischer Nationalsozialist, [0:57]
Ministerpräsident Röver wird Reichsstatthalter, [2:13]
Amtseinführung Carl Röver: Rede von Richard Markert, [3:57]
Amtsantritt: Dankesrede von Carl Röver (Auszug), [3:31]
Staatsakt in der Reichskanzlei zum Tode von Carl Röver, [2:22]
Auszug aus dem Staatsakt für den am 15. Mai 1942 verstorbenen Carl Röver in Hitlers Berliner Reichskanzlei, beginnend mit der Trauerrede von NS-Reichsminister Alfred Rosenberg:
"Am 29. Mai 1932 konnte Röver dem Führer einen besonderen Erfolg seiner Bewegung melden, da an diesem Tage zum ersten Mal die nationalsozialistische Bewegung in einem Lande die absolute Mehrheit im Wahlkampf errungen hatte (link zur Seite Oldenburg !). Die Folge war, dass Carl Röver am 16.Juni 32 Ministerpräsident in Oldenburg wurde. Damit hatte ein unermüdlicher Kämpfer des Führers ihm eine neue, eine wichtige Position erobert und den praktischen Beweis erbracht, dass mithilfe der unerhörten Energie einer Minderheit durch die Geradlinigkeit einer Haltung, auch die Mehrheit eines ganzen Volkes zu einer neuen Idee herangeführt werden kann. Nach der Machtübernahme ernennt der Führer am 5. Mai 1933 Parteigenosse Röver zum Reichsstatthalter in Oldenburg und Bremen. Dann wird Röver ernannt zum SA- und später zum SA-Obergruppenführer.
Er gehört zur Geschichte der großen nationalsozialistischen Revolution. Wie die wuchtigen Bauernburgen seines Oldenburger Landes stand er als Mensch fest auf dem fruchtbaren Boden seiner Heimat – durchtränkt von ihren Kräften und doch hinausblickend über ihre Gaue ins weite große Reich der Deutschen.
Lieber Freund, Carl Röver, wenn in Deinem Lande Männer, Frauen und Kinder wieder im Sturmgebraus das Lied Deiner Heimat in voller Freiheit singen können, dann ist dies Dein Werk gewesen. Und wenn der Führer heute auf ein freies und stolzes Großdeutschland blicken kann, dann hast Du als einer seiner treuesten Gauleiter das Deinige getan, eines der vielen Länder in dieses Großdeutschland zu führen."
Reporterstimme über Musik: "Nach der Gedenkrede von Reichsminister Rosenberg erhebt sich der Führer und legt am Sarge seines toten Gefolgsmanns als letztem Gruß und Dank einen großen Lorbeerkranz mit weißen Lilien nieder."
Bremen unterm Hakenkreuz
![Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen] Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/bremen-dreissigerjahre102_v-mediateaser.jpg)
Das Jahr 1933
Am 30. Januar 2013 jährt sich die Machtergreifung der Nationalsozialisten zum 80. Mal. Rückblicke, Zeitzeugen und Archivmaterial sollen dokumentieren, wie es den Nationalsozialisten gelingen konnte, an die Macht zu kommen.
Weitere Ereignisse
14. Dezember 1934: Hitler in Bremen und Bremerhaven
Alfred Faust aus "Schutzhaft" entlassen
19. Oktober 1933: Treuegelöbnis der Bremer Kaufmannschaft
5. Mai 1933: Röver wird Reichsstatthalter
1. Mai 1933: Bremen im Zeichen des Hakenkreuzes
18. April 1933: Gewerkschaftshaus besetzt
14. April 1933: Verhinderung staatsfeindlicher Betätigung in Kleingärten
31. März 1933: Konzentrationslager Mißler eingerichtet
22. März 1933: Hitler wird Ehrenbürger
6. März 1933: "Machtergreifung" der NSDAP in Bremen
30. Januar 1933: Reaktionen in Bremen
30. Januar 1933: Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
Recherche
Für die Aufarbeitung geschichtlicher Themen können wir auf das reichhaltige Radio-Bremen-Archiv zurückgreifen. Tatkräftig unterstützt werden wir vom Arbeitskreis der Bremer Archive und vom Staatsarchiv Bremen.
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