1. Mai 1933
Vor 80 Jahren wurde deutschlandweit der "Tag der nationalen Arbeit" begangen. Auch in Bremen wurden die Massen mobilisiert. Sie zogen durch die geschmückten Straßen oder versammelten sich im Weserstadion zu einer Großkundgebung. Oppositionellen und Widerständlern sollte damit der durchschlagende Erfolg der Nationalsozialisten vor Augen geführt werden.
Geschmückte Domfront mit nationalsozialistischen Schmuck-Elementen und dem Spruch: "Friede, Arbeit, Brot".
Menschenmenge vor dem Bremer Dom
Die Obernstraße war gefüllt von Demonstrations-Teilnehmern und gesäumt von Schaulustigen.
Die Nationalsozialisten hatten die Massen mobilisiert: Gewerkschaften, Verbände, Behörden.
Die Prozession zog durch Arbeiterviertel in Walle in Innenstadt.
Mai-Prozession durch Bremen: Blick von der Kaiserbrücke (heute Bürgermeister-Smidt-Brücke) Richtung Brill, im Hintergrund das Gebäude der Sparkasse am Brill.
Auch im Weserstadion kam es zu einer Kundgebung.
Dort wurde eine Rede von Adolf Hitler zum 1. Mai live im Radio übertragen.
Menschenansammlung vor dem geschmückten Dom
Tag der nationalen Arbeit
Die Nationalsozialisten hatten durch das Gesetz vom 10. April 1933 den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag ("Tag der nationalen Arbeit") bestimmt. Das NS-Regime wollte damit die bereits geschwächte Arbeiterbewegung endgültig zerschlagen. Für freie, unabhängige, der Demokratie verpflichtete Gewerkschaften war im NS-Staat kein Platz.
Der KZ-Häftling Heinrich Buchholz wunderte sich: An diesem ersten nationalsozialistischen Maifeiertag in Bremen sah er neben tausenden von Arbeitern und Angestellten auch SA-Trupps und Herren mit Zylinderhut in der Maidemonstration mitmarschieren. Die Hansastraße und der Steffensweg im Arbeiterviertel Walle waren ebenso wie der Bremer Dom und das Rathaus mit Hakenkreuzfahnen geschmückt. Längst saßen prominente Bremer Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten im Findorffer KZ-Mißler und wurden dort von SS-Hilfspolizisten misshandelt. Unter ihnen befand sich, trotz seiner Immunität, der Bremer SPD-Reichstagsabgeordnete Alfred Faust. Obwohl einige ihrer Funktionäre inhaftiert waren, hatte der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) noch reichsweit zur Teilnahme an der Maidemonstration der nationalsozialistischen Organisationen aufgerufen.
Zwölf KZ-Häftlinge aus den Findorffer Mißlerhallen, darunter Alfred Faust und Heinrich Buchholz, wurden als stumme Zuschauer zur Maidemonstration gekarrt, um ihren Mitgefangenen danach vom Erfolg der nationalsozialistischen Machtübernahme zu berichten. Abends hielt der nationalsozialistische Bremer Innensentor Laue einen Vortrag im KZ Mißler – zur "Umerziehung" der Häftlinge, wie es hieß. Während im Weser-Stadion Tausende NS-Anhänger einer martialischen Rundfunkrede Adolf Hitlers lauschten. "Der Mai ist gekommen" rief Hitler und verkündete vor johlenden Braunhemden:
"Ich habe die Macht übernommen um die deutschen Menschen wieder zueinanderzuführen und wenn sie nicht wollen sie zueinander zu zwingen."
Bereits eine Woche zuvor hatte Hitler mit SA und SS verabredet, sofort am Tag nach der gemeinsamen Maifeier die Häuser und Büros aller Gewerkschaften zu stürmen, die Kassen zu beschlagnahmen und den ADGB in die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront einzugliedern. Hitler in seiner Mairede:
"Das Deutsche Volk ist zu sich gekommen, es wird Menschen, die nicht für Deutschland sind nicht mehr dulden."
Und NS-Arbeitsfront-Führer Robert Ley spottete an diesem Tag:
"Wenn die Gewerkschaftsführer sich etwas mehr mit dem gewaltigen Werk Adolf Hitlers befasst hätten, dann wüssten sie, dass das was heute geschehen ist nur eine logische Folge in der Entwicklung der Revolution unserer Idee zu sein hat."
1. Mai 1933: NS-Maifeier in Bremen, [2:53]
Der 1. Mai 1933 in Bremen, [8:35]
Ausschnitt aus der Chronik "Bremen im Jahre 1933"
"Der Mai ist gekommen. So hieß es im deutschen Liede und durch viele Jahrhunderte war dieser Tag nicht nur der symbolische Tag des Einzugs des Frühlings in den Landen – es war auch der Tag der Freude, der festlichen Stimmung und Gesinnung. Und dann kam eine Zeit die diesen Tag für sich beanspruchte und den Tag des werdenden Lebens und der hoffnungsvollen Freude verwandelte in einen Tag der Proklamation der Fehde, des Streites und des inneren Kampfes. Eine Lehre die sich über unser Volk verbreitet hatte. Sie versuchte, den Tag der erwachenden Natur, des sichtbaren Frühlingseinzugs zu verwandeln in einen Tag des Hasses, des Neides, des Zankes, des Bruderkampfes und Brudermordes.
Jahrzehnte sind über die deutschen Lande gegangen und dieser Tag schien immer mehr zu werden ein Monument seiner Zerrissenheit. Und dann kam nun wieder eine Zeit der Besinnung, nachdem das tiefste Leid unser Volk erschlagen hat, eine Zeit des In-Sich-Kehrens und damit eine Zeit des neuen Zusammenfindens der deutschen Menschen.
Und heute da können wir mit dem alten Liede wohl wieder singen: Der Mai ist gekommen – unseres Volkes Erwachen ist nun gekommen (Heilrufe).
Das Symbol des Klassenkampfes, des ewigen Streites und Haders, es wird sich nunmehr verwandeln wieder zum Symbol der Erhebung, zum Symbol der großen Einigung unseres Volkes. Und deshalb haben wir diesen Tag der erwachenden Natur gewählt für alle kommenden Zeiten als Tag der Wiedergewinnung der Kraft und der Stärke unseres Volkes .
Der Tag soll damit zugleich der Tag der schaffenden Arbeit sein. Jener schaffenden Arbeit, die keine engen Grenzen kennt: Nicht gebunden ist an die Werkstatt, an die Fabrik, an das Kontor, das Konstruktionsbüro oder das Amt. Eine Arbeit die wir überall dort anerkennen wollen, wo sie in gutem Sinne für Sein und Leben unseres Volkes geleistet wird."
22. März 1934: Alfred Faust aus "Schutzhaft" entlassen
SPD-Reichstagsabgeordneter war im KZ Mißler inhaftiert
Der 1. Mai 1933 im KZ Mißler – und die Tage danach
Erinnerungen der Lager-Insassen Albert Flachmann und Johann Reiners
NS-Kirchentag für Niederdeutschland in Bremen
Bremens Domprediger Weidemann organisiert Großveranstaltung
Bremen im Mai 1933, [47:45]
Feature aus dem Jahr 1983.
Bremen unterm Hakenkreuz
![Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen] Hakenkreuzflaggen am Bremer Hauptbahnhof [Quelle: Radio Bremen]](/kultur/bremen-dreissigerjahre102_v-mediateaser.jpg)
Das Jahr 1933
Am 30. Januar 2013 jährt sich die Machtergreifung der Nationalsozialisten zum 80. Mal. Rückblicke, Zeitzeugen und Archivmaterial sollen dokumentieren, wie es den Nationalsozialisten gelingen konnte, an die Macht zu kommen.
Weitere Ereignisse
14. Dezember 1934: Hitler in Bremen und Bremerhaven
Alfred Faust aus "Schutzhaft" entlassen
19. Oktober 1933: Treuegelöbnis der Bremer Kaufmannschaft
5. Mai 1933: Röver wird Reichsstatthalter
1. Mai 1933: Bremen im Zeichen des Hakenkreuzes
18. April 1933: Gewerkschaftshaus besetzt
14. April 1933: Verhinderung staatsfeindlicher Betätigung in Kleingärten
31. März 1933: Konzentrationslager Mißler eingerichtet
22. März 1933: Hitler wird Ehrenbürger
6. März 1933: "Machtergreifung" der NSDAP in Bremen
30. Januar 1933: Reaktionen in Bremen
30. Januar 1933: Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
Recherche
Für die Aufarbeitung geschichtlicher Themen können wir auf das reichhaltige Radio-Bremen-Archiv zurückgreifen. Tatkräftig unterstützt werden wir vom Arbeitskreis der Bremer Archive und vom Staatsarchiv Bremen.
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