Irlandroman
Fergus fährt heimlich mit seinem Onkel Tally über die Grenze Nordirlands um Torf zu stechen. Damit verdienen sich die beiden nebenher ein bisschen Geld. Und ausgerechnet hier, beim unerlaubten Torfstechen, findet Fergus eine Leiche. Obwohl Onkel Tally nicht gerade begeistert ist, holt er die Polizei.
Shiobhan Dowd "Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort", Carlsen Verlag im Juli 2009, ab 14 Jahren
Doch schon bald stellt der herbeigerufene Gerichtmediziner fest, dass es sich bei der gefundenen Person um eine Moorleiche handeln muss. Eine Leiche, die eventuell schon seit tausend Jahren hier im Torf liegt. Das Schicksal des Moormädchens lässt Fergus nicht mehr los.
Es ist 1981 - eine Zeit, in der es viele Unruhen und Terroranschläge gibt. Sein älterer Bruder Joe sitzt im Gefängnis. Die Proteste der Iren erreichen zu dieser Zeit einen traurigen Höhepunkt. Die Inhaftierten treten in einen Hungerstreik – auch Joe und sein bester Freund Len. Sie wollen politische Anerkennung und Mitsprache im Parlament. Len stirbt nach 40 Tagen ohne Nahrung. Fergus versucht mit allen Mitteln seinen Bruder davon zu überzeugen, sich nicht weiter am Streik zu beteiligen. Aber nichts hilft. Joe ist fest entschlossen weiter zu hungern, solange bis die Regierung einlenkt. Notfalls bis zum Tod.
Um den Kopf frei zu bekommen, fängt Fergus an zu laufen. Schon morgens joggt er los, als wenn er für einen Marathon trainieren würde. Das bleibt nicht lange verborgen. Michael, ein Mitschüler verspricht Joe zu helfen, wenn Fergus für ihn ein paar Botendienste übernehmen würde. In der Hoffnung den Hungertod seines Bruders verhindern zu können, lässt sich Fergus überreden. Er läuft über die Grenze, holt aus einem Versteck ein verschlossenes Päckchen. Als er eines Morgens stürzt, muss er sich an der Grenze ein wenig ausruhen. So kommt er mit dem Grenzposten ins Gespräch und merkt, dass der eigentlich ein netter Kerl ist. So wie er selber. Nur, dass er eben auf der falschen Seite steht.
In der Zwischenzeit kümmert sich eine Archäologin um das Rätsel der Moorleiche. Ihre Tochter Cora ist auch immer mit dabei und vom ersten Moment an sucht Fergus ihre Nähe. Er überredet seine Mutter, die seit drei Jahren leer stehenden Gästezimmer für die beiden herzurichten. So ist er nicht nur Cora nah, sondern er erfährt auch immer das neueste über die Moorleiche. Und tatsächlich lag das Mädchen schon sehr lange im Moor. Mit einer Schlinge um den Hals.
Cora und Fergus jedenfalls kommen sich immer näher. Heimlich natürlich. Muss ja nicht gleich jeder wissen, das sich Cora nachts zu Fergus ins Zimmer schleicht.
Fergus muss feststellen, dass Michael ihm doch nicht helfen kann. Joe sitzt immer noch im Gefängnis. Er hat Fergus gebeten nicht mehr zu kommen. Denn – es geht ihm schlecht – sehr schlecht sogar. Fergus beschließt mit den Botendiensten aufzuhören. Vor allem nachdem in Londonderry eine Bombe hochgegangen ist und drei Passanten getötet wurden. Doch Michael erpresst ihn. Fergus entscheidet zum letzten Mal den Botendienst zu übernehmen.
Er träumt immer häufiger auch tagsüber von den letzten Tagen des Moormädchens. Sie heißt jetzt bei allen nur noch Mel. Er sieht das Land mit ihren Augen. Sieht das Grün der Wiesen und spürt das es für Mel Zeit wird Abschied zu nehmen vom Leben. Als die Archäologen eine entscheidende Entdeckung machen, wird Fergus langsam klar, warum Mel im Moor ihr Ende gefunden hat.
Anhören: Ein Sommer in Irland, [6:16]
"Anfang und Ende allen Kummer ist dieser Ort" ist ein super spannender Jugendroman. Man bekommt einen Einblick in das Nordirland der 80-er Jahre, mit seinem Hass und der ständigen Gewalt. Aber man muss die politischen Zusammenhänge nicht unbedingt kennen, um das Buch verstehen zu können. Eine Liebesgeschichte, etwas Historisches, eine Zeitreise! Ja und nein! Es ist irgendwie von allem etwas. Das Buch ist für alle ab 14 Jahren ein spannendes Abenteuer auf dem Weg Erwachsen zu werden.
Shevaun Down hat hier einen großartigen Jugendroman geschrieben. Sie selber verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit in Irland. Sie ging in London auf eine Katholische Schule und lebte bis zu ihrem Tod vor zwei Jahren in Oxford.
Info: Kinder
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