Herbst 2010
Pünktlich zum Beginn der Herbstferien gibt es die neue Kinder- und Jugendbuchliste für euch. Es geht diesmal um Freiheit und ein Buch über Gebärdensprache, um Zicken, die Modelwelt und um ein Schulexperiment, das außer Kontrolle gerät. Natürlich darf ein spannender Kinderkrimi nicht fehlen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Stöbern.
Jorge Bucay "Wie der Elefant die Freiheit fand", Fischer Verlag im August 2010, ab drei Jahren
In einem Zirkus begegnet ein Junge seinem Lieblingstier: Der Elefant ist so stark, dass er bestimmt Bäume ausreißen kann. Aber warum ist der große graue Riese dann angekettet und läuft nicht einfach davon? Dieser Gedanke lässt den Jungen nicht mehr los. In seinen Träumen flüstert er dem Elefanten ins Ohr, dass ein Leben in Freiheit möglich ist. Wie ein Erinnerungsalbum kommt das ungewöhnliche Bilderbuch daher, das parabelhaft von Selbstvertrauen und Mut erzählt.
Agnès de Lestrade "Die große Wörterfabrik", mixtvision Verlag im Juni 2010, ab drei Jahren
Weniger ist eben oft mehr: Im Land der Wörterfabrik sind Worte kostbar und teuer und es wird nicht viel gesprochen. Deshalb gerät auch der kleine Paul in Not. Er ist in Marie verliebt und braucht dringend Wörter, um ihr Herz zu erobern. Die aber kann er sich nicht leisten. Wie er sich zu helfen weiß, das erzählt die anrührende Geschichte, illustriert in warmen, kräftigen Farben.
Peter Schössow "Mein erstes Auto war rot", Hanser Verlag im August 2010, ab drei Jahren
Ein selbstgebautes Tretauto ist schon etwas Tolles. Vor allem, wenn man zum ersten Mal ohne Erwachsene losfahren darf, in Begleitung des kleinen Bruders. Freilaufende Schweine, gefährliche Schluchten und wütende Wespen – auf ihrer Fahrt stellen sich dem Brüderpaar einige Hindernisse in den Weg, die sie mit Bravour meistern. Zwei ganz Kleine auf ganz großer Tour, in Schössowscher meisterlicher Manier ins Bild gesetzt!
Einfach mal den ganzen Tag kopfüber an der Decke hängen oder nur alle zehn Tage Müssen müssen. Was uns Menschen unmöglich ist, gelingt Gecko, Anglerfisch und Faultier mühelos. Prominente Leser, wie Robert Stadelhofer oder Oliver Rohrbeck, der Justus Jonas der drei ???, machen ihre Hörer mit geheimnisvollen und erstaunlichen Bewohnern des Tierreiches bekannt. Über eine Stunde lang gluckst, zirpt, röhrt und surrt es aus der Welt der Tiere.
Wladimier Kaminer "Das Leben ist kein Joghurt", Hansisches Druck- und Verlagshaus im März 2010, ab fünf Jahren
Die Schöpfungsgeschichte mal ganz anders: Dem Aschegott ist langweilig, also beschließt er Kunst zu machen. Und so entsteht Adam, der gerne zeichnet und Gedichte schreibt. Und weil er das auf Dauer nicht alleine tun möchte, erschafft der gar nicht mehr lustlose Aschegott gleich auch noch Eva. Fortan ist der begeisterte Adam nicht mehr von ihr weg zu bekommen. Überbordend kunterbunte Bilder geben der altbekannten Geschichte vom Paradies einen neuen Anstrich und den etwas anderen Zungenschlag.
Lilli Thal "Joran Nordwind", Gerstenberg Verlag im Juni 2010, ab elf Jahren
Jauk, Jugo, Jorn und Joran sind junge Schmetterlinge und schon seit ihrer Raupenzeit dickste Freunde. Jetzt freuen sich die Vier auf den Rendezvous-Tag, an dem sich junge Schmetterlingsmänner eine gut duftende Schmetterlingsdame suchen. Joran allerdings hat Pech. Noch bevor das Fest beginnt, wird der tollkühne Bläuling entführt und als Sklave ins Steinerne Reich verschleppt. Glück im Unglück: Der intelligente kleine Held findet Verbündete für einen Aufstand. Eine prickelnde Abenteuergeschichte aus dem Mikrokosmos der Insekten, die fesselnd von Freundschaft, Tapferkeit, Träumen und Widerstand erzählt.
Susann Hesselbarth "Hand in Hand die Welt begreifen", Klett Kinderbuch Verlag im September 2010, ab sieben Jahren
Gebärdensprache ist nur was für Menschen mit Hörbehinderung? Von wegen! Diese ausdrucksstarke Kommunikationsform steckt voller Vitalität und das Erlernen macht allen Spaß. Besonders wenn es zur Meisterschaft eines Dialektes reicht. Rund 1700 Alltagsbegriffe gilt es zu entdecken – beim Nachschlagen und Nachahmen. Das comichaft illustrierte Werk erklärt anschaulich die verschiedenen Abläufe und bringt Hände und Mimik in Bewegung. Ein ungewöhnliches Buch für aufgeweckte und aufgeschlossene Zeitgenossen.
Ein Bildwörterbuch der Gebärdensprache, Originalausgabe nach einer Idee von Sigrun Nygaard Moriggi; Gebärdenauswahl: Andreas Costrau; Illustrationen von Susann Hesselbarth; Gebärdenzeichnungen von Ulrike Jentzsch;
Sabine Ludwig "Aufruhr im Schlaraffenland", Oetinger Verlag im August 2010, ab zehn Jahren
Jedes Kind träumt vom Schlaraffenland: von Bonbons an Büschen, einem Bach, in dem Würstchen treiben und Süßigkeiten und herzhaften Snacks soweit das gierige Auge reicht. Kann das gut gehen? Unverhofft stolpern Philipp und sein Vater in den Sommerferien in den Prototyp des "Club Schlaraffenland". Seltsam ist nur, dass sie mit einer Familie aus Berlin die einzigen Gäste sind. Philipp merkt schnell, dass da irgendetwas nicht stimmt. Und schon nimmt das mysteriöse Geschehen seinen Lauf. Trocken und witzig, voller ironischer Untertöne, liest die Autorin ihren Kinderroman und serviert ein Krimimenü mit einem unerwarteten Dessert zum Schluss.
Beate Teresa Hanika "Erzähl mir von der Liebe", Fischer Fjb im Juli 2010, ab 14 Jahren
Es ist nicht alles Gold was glänzt: und schon gar nicht die Karrieren in der Modelwelt, die im Fernsehen zum Traumjob stilisiert werden. Das bekommen die drei Models Leni, Hanna und Kennedy am eigenen Leib zu spüren. Lenis Alltag fühlt sich zwischen Castingterminen und Partys leer und trist an, bis sie auf einer Veranstaltung dem männlichen Model Levi begegnet. Die Autorin, die selbst als Model gearbeitet hat, rechnet ehrlich und schonungslos mit ihrer eigenen Biographie ab. In knappen Sätzen und Rückblenden wird der Leser hinter die Kulissen einer vermeintlichen Traumwelt geführt.
Jana Scheerer "Mein innerer Elvis", Schöffling Verlag im August 2010, ab zwölf Jahren
Glitzernd und pink kommt das Buch daher und schön schrill geht es darin zu. Antje ist 16 und ihr größter Wunsch ist es Elvis zu treffen. Der Familienurlaub in den USA scheint die richtige Gelegenheit zu sein. Wäre da nicht Antjes Mutter, eine überengagierte Familientherapeutin, ein donutsüchtiger Vater, Urschwabe aus Überzeugung, und ihre eigenwillige jüngere Schwester, die ihre 3D-Brille nicht mehr von der Nase nehmen will. Wie es dennoch zu einem Happy-End mit Hindernissen kommt, erzählt dieser skurrile Familienroman temporeich und brüllend komisch.
Sara Zarr "Zicke", Aufbau Verlag im August 2010, ab zwölf Jahren
Die dreizehnjährige Deanna wird beim Knutschen mit Tommy von ihrem Vater erwischt. Dieser reagiert völlig über und spricht nicht mehr mit ihr. Und nicht nur das: Ihr Freund verleumdet sie als Schulschlampe. Deannas Leben gerät völlig aus den Fugen, aber sie lässt sich nicht unterkriegen und nimmt ihr Schicksal in die Hand. Sensibel erzählt der Jugendroman von den Nöten und Sehnsüchten einer jungen Heranwachsenden.
Janne Teller "Nichts was im Leben wichtig ist", Silberfisch Verlag im September 2010, ab zwölf Jahren
Gibt es im Leben etwas, wofür es sich lohnt, aufzustehen? Zu kämpfen? Zu arbeiten? Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens wagt die 7a ein Experiment, das nach und nach außer Kontrolle gerät und die Schüler moralische Grenzen sprengen lässt. Junge Menschen geraten an den Abgrund der Unmenschlichkeit. Die eindringliche Lesung erschüttert nachhaltig und stimmt nachdenklich.
Mehr zum gleichnamigen Buch...
Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs
Info: Kinder
![Kind mit Kopfhörer [Quelle: Radio Bremen] Kind mit Kopfhörer [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/kinderzeit/infobild124_v-mediateaser.jpg)
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