Wie im Märchen
Irgendwie erinnert die Geschichte dieses Bilderbuches, an die Sache mit der Prinzessin, die einen Frosch küsst, der sich dann in einen tollen Prinzen verwandelt. Trotzdem ist diese Geschichte irgendwie anders.
Susann Opel-Götz "Prinzessin Anna oder Wie man einen Helden findet", Oetinger Verlag im August 2009, ab vier Jahren
Da ist zu allererst einmal der König, der sich eines Mittwochsmorgens entscheidet, in Rente zu gehen. Und zwar nicht irgendwo hin und nicht mit seiner Frau Königin – weit gefehlt. Nein! Dieser König ist anders.
Dieser König zieht an diesem besagten Mittwochmorgen einfach seine Königsgewänder nicht mehr an, sondern seine königliche Freizeitbekleidung samt Sonnenhut. Dann erinnert er sich daran, dass ihm seine Köchin vor gar nicht langer Zeit einen Heiratsantrag gemacht hat - den nimmt er mal kurz an und beim Verlassen des Schlosses ruft er seiner Tochter Anna noch zu, sie sei nun alt genug, mit dem halben Königreich alleine klar zu kommen.
Auf ihre Frage, wer denn die andere Hälfte des Königreiches verwalten soll, hört sie gerade noch, wie ihr Vater ihr zwischen Tür und Angel über seine Schulter zuruft, diese Hälfte bekäme der Held, der sie retten und heiraten wird. Das ist jetzt aber entschieden zu viel für unsere kleine Prinzessin Anna.
Sie will schießlich ein ganzes Königreich und keine halben Sachen. Und wenn sich ihr Vater dann auch noch einbildet, sie heiratet einen Helden, dann hat er sich aber gewaltig geiirt.
In dieser Nacht hat Anna böse Träume. Und so beschließt sie sich mit Hilfe ihrer Zofe auf die Suche nach einem Helden zu begeben. Nachdem der erste Versuch mit ungefähr 30 Matrazen und einem Glas Erbsenpüree fehl schlägt, versucht sich Anna noch mit dem Basten von niedlichen Zwergen, die ihre Zofe auch irgendwie erwähnt hatte. Aber - natürlich klappt das alles nicht.
Ihre Zofe die, was Märchen betrifft, ein wenig aus der Übung ist, glaubt sich schwach daran zu erinnern, dass es da ein Märchen gibt, in dem eine Prinzessin einen Frosch küsst, der sich umgehend in einem wunderbaren Prinzen verwandelt und sie lange und glücklich leben. Ihr kennt die Geschichte bestimmt. Ann beschließt, dem Helden, der sich bis jetzt nicht gezeigt hat, eine allerletzte Chance zu geben. Wenn es dann nicht klappt, gibt sie auf.
Und was denkt ihr, macht unsere kleine Prinzessin? Im Laufschritt eilt sie zum königlichen Schlossteich, fischt mit spitzen Fingern einen Frosch aus dem Wasser und will ihn küssen. Der Frosch allerdings hat absolut keine Lust, von einem Menschenkind geküsst zu werden. Anna erklärt ihm, dass es ungeheuer wichtig für sie ist, dass sie einen Frosch küsst, und - sie sagt: "Bitte!"
Das hat es bei ihr noch nie gegeben. Daraufhin erlaubt ihr der Frosch sie zu küssen. Aber obwohl sie ihn nicht nur einmal oder zweimal, sondern gleich dreimal küsst passiert absolut überhaupt gar nichts.
Wutschnauben rennt Annal zurück ins Schloss, stapft schimpfend die 364 Stufen des Schlossturmes hoch und wirft durch das Fernrohr einen Blick über das Königreich. Und da entdeckt sie Jakob. Jakob den Puppenspieler.
Was bildet sich dieser Puppenspieler eigentlich ein? Wieso macht er sich nicht unverzüglich auf den Weg zu ihr, um sie zu retten! Mit hoch rotem Kopf rast Anna die 364 Stufen des Schlossturmes wieder herunter und rennt quer durchs Königreich. Dann steht sie vor ihm – holt tief Luft und beginnt, ihn anzubrüllen. Und obwohl ihre erste Begegnung nicht so furchtbar romantisch ist, verliebt Anna sich in Jakob. Und Jakob verliebt sich in Anna. Und das ist dann das Ende der Geschichte.
Info: Kinder
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