Kindertalk
Anfang Juni 2009 wurde in ganz Europa gewählt. Ein neues Parlament für die nächsten fünf Jahre. Welche Länder wählen durften, wie alt man sein musste um eine Berechtigung zum Wählen zu bekommen und für welche Themen das Europaparlament zuständig ist, darüber sprachen Laura, Florian und Yannik mit Hans Jessen im Kindertalk.
Am 7. Juni 2009 war Europawahl in Deutschland. In anderen Ländern - insgesamt nahmen 27 Nationen an der Wahl teil - wurde zum Teil bereits früher abgestimmt.
Doch nicht alle Länder Europas nehmen an der Wahl teil, sondern nur die, die Mitglied der Europäischen Union sind. Die Europäische Union ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Staaten Europas. Allerdings muss man auch gewisse Voraussetzungen erfüllen, damit man sich um eine Mitgliedschaft bewerben kann. Eine wichtige Voraussetzung ist die Verpflichtung eine ordentliche Demokratie als Staatsform zu haben. Über den Beitritt der Türkei wird zum Beispiel seit längerem diskutiert. Dazu muss man wissen, dass ein großer Teil der Türkei zu Asien gehört und nur der kleinere zu Europa.
Im Europäischen Parlament, indem die Vertreter der einzelnen Staaten zusammenkommen, wird hauptsächlich Englisch und Französisch gesprochen. Für all diejenigen, die diese beiden Sprachen nicht so gut beherrschen gibt es Dolmetscher, also Übersetzer.
Deutschland entsendet derzeit 99 Abgeordnete. Die Mitglieder des Europaparlamentes wählen keine Regierung, so wie die Abgeordneten im Bundestag. Sie bestimmen aber Dinge, die für Europa wichtig sind. Und am ersten Juniwochenende hatten alle Bürger, die zur Europäischen Union gehören und an diesem Tag mindestens 18 Jahre alt waren, die Möglichkeit, die Vertreter des Europäischen Parlaments zu wählen.
Anhören: 27 Nationen werden eine Einheit, [6:25]
Das Europäische Parlament hat seinen ersten Sitz in Straßburg. Die Mitglieder des Parlamentes sitzen aber aber auch in Brüssel zusammen. Dort sitzen viele verschiedene Organisationen, die mit dem Europaparlament eng verbunden sind. Einmal im Monat treffen sich aber alle Parlamentarier in Straßburg.
Straßburg wurde gewählt, da es ziemlich genau auf der Grenze zweier sehr wichtiger Staaten der Europäischen Union liegt, nämlich Frankreich und Deutschland. Sie gehören auch zu den Gründern der EU. Aus ersten Wirtschaftsverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich entstand diese Gemeinschaft. Für jeden von uns macht sich die EU bemerkbar, wenn wir in eines unserer Nachbarländer reisen. Früher musste man, um in ein anderes Land zu reisen durch eine so genannte Grenzkontrolle. Diese Kontrollen fallen seit einigen Jahren weg und man kann ungehindert nach Österreich oder Italien einreisen. Außerdem gibt es seit 2002 in den Staaten die zur EU gehören eine einheitliche Währung: den Euro. So muss man nicht mehr mühsam Geld auf der Bank hin und her tauschen und ständig umrechnen. In diesem Sommer wurden auch die Gebühren, die beim Telefonieren im Urlaub anfallen, zwischen den einzelnen Ländern günstiger. Der Umweltschutz ist auch ein wichtiges Thema des Europäischen Parlaments.
Auch im Land Bremen gibt es positive Veränderungen, die mit Hilfe der EU umgesetzt wurden. So hat die Europäische Union zum Beispiel beim Umbau des Zoos am Meer in Bremerhaven oder aber auch beim Ausbau der "Schlachte" an der Weser Geld dazu gegeben.
Jede Partei, die Mitglied des Europaparlaments werden möchte, muss die so genannte Fünf-Prozent-Hürde nehmen, das heißt, sie muss mindestens fünf Prozent aller Wählerstimmen erhalten haben. Jeder kann zunächst einmal eine Partei gründen um für das Amt in Straßburg zu kandidieren. Bei der diesjährigen Wahl wurden 32 Parteien zugelassen, fünf wurden nach einer sorgfältigen Prüfung abgelehnt.
Anhören: Wer geht da eigentlich hin?, [11:42]
Umfrage von Dunia
Es ist sehr wichtig wählen zu gehen, denn jede Stimme hat die Möglichkeit etwas zu ändern. Wie stark die verschiedenen Parteien im Europäischen Parlament sind, dass hängt davon ab, wie viele einzelne Stimmen jede dieser Parteien bekommt. Diese Form der Stimmenverteilung nennt man übrigens auch Verhältniswahlrecht. In Deutschland herrscht Wahlrecht, das heißt, dass jeder der die Deutsche Staatsbürgerschaft hat und das 18 Lebensjahr erreicht hat, wählen gehen darf. Niemand muss wählen gehen und jeder hat das Recht geheim abzustimmen. Anhand des so genannten Wählerverzeichnisses, also der Liste aller Personen die am Wahltag wählen dürfen, wird an jeden einzelnen eine Benachrichtigung geschickt. Falls man am Wahltag nicht zu Hause ist, kann man vorher per Briefwahl seine Stimme abgeben.
Die Wahlbeteiligung liegt oftmals unter 50 Prozent, das heißt das noch nicht einmal die Hälfte aller, die wählen dürfen, auch tatsächlich wählen gehen. Vielen ist nicht bewusst, dass wichtige Entscheidung innerhalb des Europäischen Parlaments beschlossen werden, die jedem von uns nutzen können.
Anhören: Warum es so wichtig ist zur Wahl zu gehen, [9:41]
Seit 1979 gibt es die Europawahl. In diesem Jahr findet sie zum siebten Mal statt. Der Einfluss des Parlaments ist in den letzten 30 Jahren ständig gewachsen. In der momentanen Wirtschaftskrise geht es den Menschen vor allen Dingen um die Sicherheit von Arbeitsplätzen und um die Zukunft unserer Wirtschaft. Natürlich geht es aber auch vielen um den Schutz unserer Erde.
Die Mitglieder des Europaparlaments sind sehr viel freier in ihrer Meinungsfindung, als zum Beispiel die Abgeordneten des Bundestages. Sie müssen keiner von ihnen gewählten Regierung folgen, das heißt, sie müssen nicht im Sinne ihrer Partei abstimmen, sondern sie können sich so entscheiden wie es ihrer eigenen persönlichen Überzeugung und Einsicht entspricht.
Zwei der Parlamentarier, unter anderem auch Helga Trüpel, kommen übrigens aus Bremen. Um ihren Job für Europa machen zu können, müssen sie natürlich sehr viel reisen.
Anhören: Ein Recht, das man gebrauchen sollte, [10:06]
Anhören: Aufgaben des Europaparlaments, [3:06]
Zum letzten Kindertalk: 60 Jahre Bundesrepublik
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