Kindertalk
Das Wort Finanzkrise hat man in den letzten Wochen und Monaten überall gehört. Doch was heißt das eigentlich, wen betrifft es und welche Auswirkungen hat es auf euer Taschengeld. Diese und weitere Fragen von Laura, Yannik und Florian beantwortete Hans Jessen mit verständlichen Beispielen.
Früher bezahlte man mit echten Goldstücken
Geldschwierigkeiten, so könnte man das Wort Finanzkrise auch nennen. Und die gibt es momentan auf der ganzen Welt.
Früher hatte man kein Geld sondern man machte Tauschgeschäfte. Der Tischler tauschte zum Beispiel ein selbst gefertigtes Möbelstück beim Bauern gegen ein Schwein. Da das sehr umständlich war, einigten sich die Menschen darauf, das Geld als Tauschmittel einzuführen. Das funktioniert aber nur, wenn alle darauf vertrauen können, dass dieses Geld überall eingetauscht wird.
Die jetzige Krise hat in Amerika begonnen. In den 1990 Jahren haben viele US-Banken Geld verliehen und darauf vertraut, dass sie dieses zurückbekommen. Als Pfand erhielten sie zum Beispiel das Haus, dass von diesem Geld gebaut wurde. Wenn die Zahlungen dann ausblieben, haben die Banken diesen Kredit - so heißt das geliehene Geld in der Fachsprache - an andere Banken weiterverkauft. Da dieses System nur funktioniert, wenn man Geld verdient, hat die kaufende Bank von den Menschen, die das Geld ursprünglich geliehen haben noch mehr Geld zurückverlangt, obwohl das "Pfand", wie in unserem Beispiel, das Haus - gar keinen höheren Wert bekommen hat.
Anhören: Über die Entstehung des Geldes und den Beginn der Krise, [9:08]
Amerika in den 1920 Jahren. Viele Menschen verloren damals ihr ganzes Vermögen.
Bei den meisten Banken oder Sparkassen in Deutschland ist das Geld sicher. Da es aber auch hier Banken gibt, die bei amerikanischen Banken Schulden aufgekauft haben, die gar nicht soviel Wert waren, wie sie hierfür eigentlich bezahlt haben, sind auch deutsche Banken in Schwierigkeiten gekommen.
1929 gab es übrigens schon einmal eine ähnliche Krise. Auch sie ging von Amerika aus. Die amerikanischen Firmen machten immer mehr Gewinne und somit bekam jeder, der einen Anteil an einer solchen Firma gekauft hatte immer mehr Geld. Als die Umsätze zurückgingen haben die Menschen versucht ihre Anteile an den Firmen wieder zu verkaufen, auch wenn sie dabei auf einmal weniger Geld bekommen haben, als sie ursprünglich dafür bezahlt hatten. Da der Wert immer schneller weniger wurde, haben die Menschen die Anteile mit immer größeren Verlusten verkauft. So entstand die so genannte Weltwirtschaftskrise.
Damit aus dieser Krise - wie vor 80 Jahren - nicht wieder ein Krieg entsteht, helfen die Regierungen der Länder den verschuldeten Banken und Firmen mit Geld aus den finanziellen Schwierigkeiten.
Anhören: Gewinner und Verlierer, [11:07]
Anhören: Was bedeutet die Krise für Bremen?, [6:20]
Die Finanzkrise bewirkt leider auch, dass es eine hohe Arbeitslosigkeit gibt. Deutschland ist ein Sozialstaat, das heißt, das der Staat dafür sorgt, das den Menschen die hierzulande in Not geraten sind, geholfen wird. Und, die Regierung garantiert ebenfalls, das unsere Sparbücher sicher sind. In Island zum Beispiel gab es eine Bank, die viele Menschen mit hohen Zins-Versprechungen geworben hat und die letztes Jahr pleite gegangen ist. Auch Deutsche hatten dort ihr Geld angelegt und die Deutsche Regierung hat ihnen über den finanziellen Verlust hinweg geholfen.
Anhören: Hilfe vom Staat, [5:21]
Was können wir und überhaupt die ganze Welt aus dieser Finanzkrise lernen? Geld ist immer nur soviel Wert, wie etwas anderes nützliches dem gegenübersteht. Das kann ein Brot sein, das kann ein Haus sein, dass kann ein Tisch sein. Nur dann hat dieses Stück Papier mit einer Zahl darauf einen echten Wert. Und wir können daraus lernen, das es wichtig ist sich nicht zu übernehmen. Das heißt, dass ich mir nur soviel Geld leihen kann, wie ich auch tatsächlich zurückzahlen kann.
Die Banken haben daraus gelernt, dass sie wieder sorgfältiger mit dem Geld umgehen müssen. Das man nicht jedem Geld geben kann und darauf vertrauen kann, dass er es auch zurückzahlt. Viele Menschen machen das ja nicht aus Boshaftigkeit sondern einfach weil sie es nicht können. Und die Regierungen der Länder schauen auch wieder ein bisschen genauer hin, damit wir alle wieder das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen bekommen.
Anhören: Hat die Krise auch etwas Gutes?, [5:53]
Zum letzten Kindertalk: Amerika hat einen neuen Präsidenten
Sendung vom 25. Januar 2009
Info: Kinder
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