3. Januar 2013, 14:15 Uhr
Interview mit Bremer Arzt
Wieder macht ein Organspendeskandal Schlagzeilen: In der Uni-Klinik Leipzig sollen Ärzte die Wartezeiten ihrer Patienten manipuliert haben. Potentielle Spender sind verunsichert. Und Experten warnen: Die jüngsten Skandale könnten erst die Spitze des Eisbergs sein. Manipulationen durch die Transplantationsärzte am Klinikum Mitte schließt Direktor Uwe Kuhlmann aber aus.
Uwe Kuhlmann: "Der Skandal liegt in der Verteilung der Organe"
Radio Bremen: In diesen Tagen fragen die Krankenkassen bei ihren Versicherten nach, ob sie denn als Organspender bereitstehen. Doch viele sind verunsichert wegen der jüngsten Skandale etwa in Leipzig oder Göttingen. Merken Sie etwas von dieser Verunsicherung?
Uwe Kuhlmann: Im Augenblick nicht. Im Jahr 2011 haben wir 34 Menschen Nieren transplantieren können, 2012 waren es 32. Das sind statistische Schwankungen. Da kann man keinen Trend sehen, dass die Zahl hier zurück gegangen ist.
Radio Bremen: Was sagen Sie denn den Menschen, die nun zögern, einen Organspendeausweis auszufüllen?
Viele potentielle Spender sind angesichts der Skandale verunsichert
Uwe Kuhlmann: Dass man das differenzieren muss. Die Organspende selbst ist ja überall regulär gelaufen. Es gab keine Fälle, wo das Einverständnis der Angehörigen fehlte oder es fehlerhafte Diagnosen gab. Sondern der Skandal liegt ja in der Verteilung der Organe, die insbesondere bei den Lebertransplantationszentren aufgetreten sind.
Die Reihenfolge, die Priorität der Patienten ist manipuliert worden. Der Skandal ist also kein Organspendeskandal, sondern eher ein Verteilungsskandal. Und er hat nicht die Zentren getroffen, die Nieren, Lungen oder Herzen transplantieren.
Radio Bremen: Im aktuellen Fall sollen beispielsweise Häkchen für Dialyse extra falsch gesetzt worden sein, damit ein Patient auf der Warteliste weiter nach oben rutscht. Hätte man sich auch in Bremen eine Niere erschleichen können mit einem falschen Dialysebericht?
Uwe Kuhlmann: Bei uns ist das wesentlich komplizierter. Unsere Patienten sind dialysepflichtig und müssen dreimal in der Woche zur Dialyse. Bei den Leberpatienten ist die Niere ein Begleitproblem.
Transplantationszentren
In Deutschland gibt es insgesamt 47 Transplantationszentren. Das Klinikum Bremen-Mitte hat sich auf das Verpflanzen von Nieren spezialisiert. Andere Organe werden hier nicht transplantiert.
Sie müssen solange dialysiert werden, wie sie eine schwere Leberinsuffizienz haben und dann wird nur die Leber aber nicht die Niere transplantiert. Die Dialyse ist dort ein Bestandteil der Schwere der Krankheit.
Radio Bremen: Aber Sie müssen auch Dialyseberichte abgeben?
Uwe Kuhlmann: Es muss immer bekundet werden, wann die erste Dialyse war. Und in der Regel – und das unterscheidet Nieren- von Lebertransplantationen – wird bei der Niere eine Transplantationszeit von fünf bis sechs Jahren angenommen. Bei der Leber ist das anders. Die müssen akut bei einem Versagen dialysiert werden. Die Schwere wird also über die Dialyse bestimmt.
Radio Bremen: Legen Sie für Ihre Ärzte die Hand ins Feuer?
Uwe Kuhlmann: Ja auf jeden Fall, also da stecke ich meinen Kopf ganz tief in die Schlinge. Weil ich glaube, dass wir bei der Nierentransplantation ein ganz anderes Verteilungsverfahren als bei der Leber haben. Das ist medizinisch begründet.
Bei der Niere haben wir ein künstliches Organ – sprich die Dialyse. Das heißt wir haben Zeit. Die Patienten sterben nicht, weil sie ein Nierenversagen haben. Und so können wir sie über Jahre, manchmal Jahrzehnte am Leben halten.
Bei der Leber funktioniert das nicht. Es gibt keine künstliche Leber für den Dauereinsatz. So dass die Lebertransplantierten innerhalb weniger Wochen bis Monate transplantiert werden müssen, weil sie sonst sterben.
Transplantationszentren in Deutschland
Radio Bremen: Also ist der Druck bei Ihren Transplantationsärzten nicht so groß.
Uwe Kuhlmann: Nein, und deshalb ist das Verteilungsmuster bei der Niere ganz anders. Bei der Leber gibt es ein Skalierungsverfahren nach Dringlichkeit – bei uns gibt es das nicht.
Bei der Niere gibt es eigentlich nur die Verfügbarkeit des Organs in der Region, die Gewebeübereinstimmung beziehungsweise die Wartezeit.
Eine Ausnahme sind kleine Kinder. Die bekommen Sonderpunkte, so dass sie möglichst schnell transplantiert werden, weil sie sich mit zwölf, dreizehn Jahren sonst nicht entwickeln können, wenn sie keinen Niere bekommen. Oder Patienten, die man nicht über die Dialyse behandeln kann.
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