21. Oktober 2011, 12:39 Uhr
Sojus-Rakete ist gestartet
Mit einem Tag Verspätung sind am Freitagmittag (MESZ) die beiden ersten Satelliten für das europäische Navigationssystem "Galileo" ins All gestartet. Es war eine doppelte Premiere: Erstmals ist dazu eine russische Sojus-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abgehoben.
Ein "Galileo"-Satellit der Bremer OHB System AG.
Am Donnerstag war der Start kurzfristig wegen technischer Probleme abgebrochen worden. Techniker hatten stundenlang fieberhaft daran gearbeitet, den Fehler zu beseitigen. Erst am Donnerstagabend entschied der Raketenbetreiber Arianespace, den Start 24 Stunden nach dem ursprünglichen Termin noch einmal zu versuchen. Sobald die Satelliten im All sind, übernimmt das Galileo-Kontrollzentrum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen die Steuerung der Satelliten.
Erste Galileo-Satelliten sind im All, [1:16]
Galileo soll als kommerzielle Alternative zum amerikanischen Navigationssystem "GPS" aufgebaut werden und ab 2014 funktionsfähig sein. Bremer Raumfahrtunternehmen sind am Aufbau des Galileo-Netzes beteiligt. So hat der Satellitenhersteller "OHB" den Auftrag für 14 von insgesamt 30 Galileo-Satelliten bekommen. Das bringt OHB mehr als eine halbe Milliarde Euro ein. Diese Satelliten werden aber erst ab Ende kommenden Jahres ausgeliefert.
Die ersten vier Galileo-Satelliten stammen aus der Produktion der EADS-Tochter "Astrium", deren Zentrale ebenfalls in Bremen sitzt. Montiert wurden die Satelliten aber in Italien. Astrium hatte ursprünglich gehofft, die Galileo-Satelliten auch ins All bringen zu können. Dafür hätte die Ariane-Rakete, deren Oberstufe in Bremen gebaut wird, zur Verfügung gestanden. Die ersten Satelliten werden aber mit einer russischen Sojus ins All geschossen, weil dies günstiger ist. Astrium will die Ariane-Rakete jetzt anpassen und Kosten senken, um später doch noch zum Zug zu kommen. Dann würden Aufträge auch an das Bremer Werk gehen.
Ähnlich wie das schon vorhandene US-amerikanische System "GPS" (Global Positioning System) dient Galileo der Ortung und Navigation. Galileo soll viel präziser arbeiten und weltweit metergenaue Positionsbestimmungen möglich machen. Schon vor dem Start haben allerdings jahrelange Verzögerungen im Zeitplan und massive Kostensteigerungen für Kritik gesorgt. Statt der anfangs geplanten 3,4 Milliarden Euro sollen es nun rund fünf Milliarden sein. Und der Betrieb war eigentlich schon für 2008 geplant. Deutschland ist der größte Finanzier des EU-Projekts. Nach den bisherigen Plänen sollen die nächsten beiden Galileo-Satelliten Mitte kommenden Jahres starten.
Die Startverzögerung der ersten Satelliten beeinträchtige diesen Zeitplan bisher nicht, hieß es. Sojus gilt trotz einer Pannenserie seit Ende vergangenen Jahres als sehr zuverlässig und fliegt zudem kostengünstiger: Mit der Sojus als Ergänzung zur Ariane will Europa der aufkommenden Billigkonkurrenz beim Satellitentransport aus den Schwellenländern und dem Privatsektor trotzen.
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