17. Januar 2013, 15:46 Uhr
Kaiserschnitte in Bremen
Jedes dritte Kind im Land Bremen kommt derzeit per Kaiserschnitt zur Welt. Das ist Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse (parteilos) zuviel. Er möchte mehr "natürliche" Geburten. Der Senat hat deswegen eine entsprechende Initiative gestartet. Valerie Stabel vom Hebammen-Landesverband-Bremen bewertet das positiv.
Valerie Stabel vom Hebammen-Landesverband Bremen will Schwangeren die Angst vor der "natürlichen" Geburt nehmen.
Radio Bremen: Bremens Gesundheitssenator Schulte-Sasse will die Kaiserschnitt-Quote im Land Bremen senken. Die Initiative hat den etwas sperrigen Namen "Bremer Bündnis zur Unterstützung der natürlichen Geburt". Finden Sie das gut?
Valerie Stabel: Wir begrüßen das sehr! Wir überlegen schon lange gemeinsam mit dem Bremer Gynäkologen-Verband, wie man die Kaiserschnittrate senken kann.
Radio Bremen: Halten Sie "Wunsch-Kaiserschnitte", etwa um den Geburtstag eines Kindes schon lange vorher festzulegen, für verwerflich?
Valerie Stabel: Es gibt sicherlich Frauen, die eine so genannte Wunschgeburt möchten und dabei auch auf ihr Selbstbestimmungsrecht pochen. Aber Wunschgeburten sind in Bremen eigentlich nicht das Thema. Viele Kaiserschnitte ergeben sich unter der Geburt, weil es Probleme gibt. Viele Kaiserschnitte werden aber auch im Vorfeld schon aus medizinischer Sicht empfohlen.
Radio Bremen: Warum wollen manche Frauen eigentlich nicht "normal" entbinden?
Valerie Stabel: Viele Schwangere haben Angst vor der Geburt. Sie wissen nicht recht, was auf sie zukommt. Sie haben von anderen Frauen teilweise unschöne Geschichten gehört. Es gibt natürlich auch Frauen, die einen Kaiserschnitt hip finden. Aber meine Erfahrung ist, dass die meisten Frauen aus Unsicherheit einen Kaiserschnitt wollen. Hier ist der Ansatz für eine bessere Beratung. Man muss den Frauen einfach die Verunsicherung nehmen, auch dadurch das Hebammen und Gynäkologen als Einheit auftreten und das gleiche vermitteln und beraten.
Radio Bremen: Es gibt eine Studie der Fachhochschule Osnabrück, die belegt, dass in hebammengeführten Kreißsälen weniger medizinische Eingriffe und Medikamente notwendig sind. Gleichzeit ist die Quote der Spontangeburten dort höher als auf anderen Entbindungsstationen. Woran könnte das liegen?
Valerie Stabel: Vielleicht liegt es daran, dass Schwangere in Geburtshäusern etwas persönlicher betreut werden als in Kliniken. In den Krankenhäusern gibt es Schichtdienst, Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, der sich auch auf die werdenden Mütter übertragen kann. Eine persönliche 1:1 Betreuung ist ganz wichtig. Eine Schwangere-eine Hebamme, das ist der Optimalfall. Ein großes Problem in der Geburtshilfe ist einfach die Arbeitsverdichtung. Wir als Landeshebammenverband fordern mehr Personal, welches auch eine bessere Betreuung möglich macht.
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