Raumfahrtstandort an der Weser
Bremen spielt in der Internationalen Luft- und Raumfahrt schon seit 50 Jahren eine wichtige Rolle. So werden beispielsweise im Fallturm am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Zarm) Experimente zur Schwerelosigkeit durchgeführt. Außerdem gibt es von dort aus nicht nur direkten Funkkontakt zur Internationalen Raumstation ISS. Auch wissenschaftliche Experimente werden von dort gesteuert.
Video: Weltraum mit weniger Spielraum
Einstellungen, Infos und Kommentare
International bekannt ist das industrielle Zentrum für bemannte Raumfahrt und Weltraumrobotik, Astrium. Es ist Nachfolger des ersten Bremer Raumfahrtunternehmens Erno (Entwicklungsring Nord). Seit 1961 entstanden hier neben dem ATV-Modell und der Ariane-Rakete auch das fliegende Labor "Spacelab" und das Forschungsmodul "Columbus" für die ISS. Bei Astrium sind rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Firma stellt zudem Treibstofftanks für den Weltraumeinsatz her. Nächstes Projekt ist eine unbemannte Mondladefähre, die Mitte des Jahrzehntes einsatzbereit sein soll.
Ein weiteres Bremer Raumfahrtunternehmen ist das Familienunternehmen OHB Technology. Seit 30 Jahren baut die Firma vor allem Satelliten. Mit dem Auftrag für das Europäische Navigationssystem Galileo schnappte OHB sogar der mächtigen EADS-Tochter Astrium einen fetten Auftrag weg.
Im Bremer Astrium-Werk werden zwei wichtige Komponenten für die Versorgung der internationalen Raumstation ISS gebaut: Zum einen die Ariane-Rakete und zum anderen den ATV-Raumfahrttransporter (Automated Transfer Vehicle). Der unbemannte Raumtransporter liefert den Nachschub von der Erde ins Weltall – unter anderem mit wissenschaftlichen Material, Ersatzteilen, Treibstoff, Luft, Wasser und Lebensmitteln. Beim automatischen Andocken bringt der Transporter zudem die ISS wieder auf die richtige Bahn. Etwa drei Monate bleibt er angekoppelt und wird von der ISS-Besatzung entladen. Danach geht er als Müll-Transporter mit Abfall und Gebrauchtwasser wieder zurück in Richtung Erde. Beim Eintritt in die Atmosphäre verglüht das ATV, denn es ist nur für einen einmaligen Flug konstruiert.
Astrium weiterhin an ISS beteiligt, [3:08]
Gespräch mit Radio-Bremen-Reporter Folkert Lenz
Technische Daten des ATV
- Länge: 10 Meter
- Durchmesser: 4,5 Meter
- Gewicht: 20 Tonnen
- Ladekapazität: 7 Tonnen Fracht
- Flugzeit zur ISS: 8 Tage
- Geschwindigkeit beim Andocken: 28.000 km/h (relativ zum Erdboden)
Zwei dieser Raumfahrtfrachter starteten schon erfolgreich vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana zur ISS. Weitere drei hat die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) bis 2015 im Bremer Werk beauftragt. Zudem suchen die Wissenschaftler auch nach einer Möglichkeit, einen rückkehrfähigen bzw. wiederverwendbaren Transporter zu bauen.
Der Erfolg des ATV-Projektes ist für die ESA besonders wichtig, denn Europa würde sich damit unabhängiger von den beiden ISS-Partnern, USA und Russland, machen. Seit der letzten Landung des US-Shuttles "Atlantis" ermöglichen derzeit nur noch die Russen einen sicheren bemannten Raumflug. Frühestens 2016 wird die russische Sojus-Kapsel wieder Konkurrenz aus den Staaten bekommen.
Sie ist in etwa so groß wie ein Fußballfeld, wiegt 400 Tonnen und kreist in rund 400 Kilometern um die Erde. Innerhalb von 13 Jahren bauten Wissenschaftler aus 14 Staaten die ISS Stück für Stück im All auf. Rund 40 Flüge mit Materialien waren dafür nötig. Neben zehn europäischen Ländern sind auch die USA, Kanada, Japan und Russland an der Internationalen Raumstation beteiligt. Zur Stammbesatzung gehören sechs Astronauten, die jeweils ein halbes Jahr im Orbit verbringen. Anfang 2008 dockte das von den Europäern finanzierte Forschungslabor Columbus an der ISS an. 841 Experimente hat es dort nach Angaben des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums bisher gegeben, 57 davon unter deutscher Federführung.
Derzeit prüfen die Bremer Astrium-Ingenieure, ob die ISS länger im All bleiben kann als geplant. Im Auftrag der Europäischen Raumfahrtagentur ESA soll die Raumstation insgesamt acht weitere Jahre um die Erde kreisen: bis zum Jahr 2028. Sollten sich die ISS-Betreiber-Staaten auf den längeren Flug einlassen, winken Astrium Millionen-Einnahmen. Bislang hat das Bremer Raumfahrtunternehmen 2,6 Milliarden Euro mit dem Betrieb und den Flügen zur Raumstation verdient.
Astrium betreibt Raumstation bis 2020
Vertragsunterzeichnung in Bremen
Bremer Wege ins All
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