Der Fall Barschel
Erst ein riesiger Politik-Skandal, dann der rätselhafte Tod des darin verstrickten Spitzenpolitikers: Die "Barschel-Affäre" hielt 1987 die Republik in Atem. Am 10. Oktober 1987 – vor 25 Jahren – wurde der frühere Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Uwe Barschel (CDU), tot in einer Badewanne gefunden. Viele Spuren des Skandals führen nach Bremen.
Der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel (CDU), bei einer Pressekonferenz.
Reiner Pfeiffer
Seine Rolle in Kiel: Er ist der Hauptbelastungs-Zeuge des Magazins "Der Spiegel". Pfeiffer war damals Referent in der Staatskanzlei in Kiel. Angeblich war er aber vor allem im Auftrag von Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) zuständig für den Wahlkampf und die "schmutzigen Tricks", über die der Spiegel vor 25 Jahren zum ersten Mal berichtet. Pfeiffer soll Steuererklärungen von Barschels Konkurrenten Björn Engholm (SPD) überprüft und Anzeige gegen ihn erstattet haben. Detektive wurden auf Engholm angesetzt und Gerüchte gestreut, dass der SPD-Spitzenkandidat Aids habe und für straffreien Sex mit Kindern eintrete.
Seine Rolle in Bremen: Pfeiffer war Mitte der 1970er Jahre Pressesprecher der CDU Bremen und arbeitete bei dem Anzeigenblatt "Weser Report". Auch in Bremen hat es anonyme Anzeigen gegen hochrangige Politiker gegeben, Falschmeldungen und Verleumdungen wurden lanciert. Der Kommentar des CDU-Partei-Chefs Bernd Neumanns zu seinem ehemaligen Sprecher damals: "Unseriös.".
Heute: Pfeiffer ist inzwischen 73 Jahre alte und lebt im Bremer Umland. Für 2013 hat er ein Buch zum Fall Barschel angekündigt.
Harry Piel
Programmtipp
Das Nordwestradio beschäftigt sich am Freitagnachmittag in einer Live-Sendung aus dem Bremer Presse-Club mit dem Fall. Gesprächspartner sind
Seine Rolle: Der Privat-Detektiv aus Stubben bei Bremerhaven, arbeitete auch in Bremen als Werkschützer bei Eduscho. Er wurde von Pfeiffer auf Engholm angesetzt und heuerte zur Verstärkung zwei weitere Privat-Detektive aus Bremerhaven an. Den einen schleuste er unter anderem als Praktikanten einer Bremer Zeitung ins Kieler Landeshaus ein. Ein anderer gab sich bei der SPD in Kiel als Mitarbeiter von Radio Bremen aus.
Ein Bremer Polizist hatte Pfeiffer den Tipp gegeben, sich an Piel zu wenden. Anfang 1987 trafen sich die beiden das erste Mal in Bremen.
Alle drei Detektive mussten schließlich vor dem Untersuchungs-Ausschuss aussagen – und sich ab 1992 vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, im Untersuchungs-Ausschuss die Unwahrheit gesagt zu haben.
Piel hat seine nebenbei betriebene Detektei wegen der Barschel-Affäre eingestellt. Die Bezahlung für die Beschattung Engholms in Höhe von 11.000 Mark will Piel nie erhalten haben.
H. Sapiens
Seine Rolle in Kiel: Die Steueranzeigen gegen Engholm wurden von einem H. Sapiens unterzeichnet.
Seine Rolle in Bremen: Anzeigen wegen Geldverschwendung gegen hochrangige Politiker wurden mit dem gleichen Namen unterzeichnet.
Robert Roloff
Das Phantom. Zu ihm soll Barschel in Genf zuletzt Kontakt gehabt haben. Angeblich weil "R.R." entlastendes Material für Barschel hatte.
Seine Rolle in Bremen: Robert Roloff ist der Alias-Name für den Journalisten Bernd Plogmann. Er hatte zusammen mit Reiner Pfeiffer für den Weser Report in Bremen gearbeitet und bis kurz vor der Affäre noch Kontakt zu Pfeiffer und Barschel. 1987 hat die Staatsanwaltschaft seine Zweit-Wohnung in Hannover durchsucht – Anhaltspunkte, dass es eine Verwicklung in die Barschel-Pfeiffer-Affäre gab es nicht.
1987 ging es in Kiel nicht mehr um die Baschel-Affäre, sondern um die "Schubladen-Affäre". Dabei kam heraus, dass Björn Engholm (SPD) schon viel früher von Pfeiffers Machenschaften wusste. Und: dass Pfeiffer auch Geld von der SPD in Schleswig-Holstein bekommen hatte.
Der Weg zur SPD führte dabei oft über Bremen. So bat Pfeiffer unter anderem den Bremer SPD-Senator Claus Grobecker, eine Verbindung zur SPD Schleswig-Holstein herzustellen. Mehrere Telefon-Gespräche führte Pfeiffer damals auch mit einem Mitarbeiter der Pressestelle im Bremer Rathaus, Hermann Pape (SPD). Pape konnte im Untersuchungs-Ausschuss mit seinen Vermerken aber nachweisen, dass Pfeiffer ihn nicht um Kontakte zu SPD-Politikern gebeten hatte.
"DNA-Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft"
Interview mit der Barschel-Witwe
Eine Chronologie
Der Fall Barschel
Barschel-Pfeiffer-Affäre: ein ungeklärter Fall, [5:28]
Gespräch mit "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust
12. September 1987: Barschel-Pfeiffer-Affäre, [2:52]
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