Das alte Bremen in Bildern
Bremen von der Kaiserzeit bis zum Wirtschaftswunder – das ist in einem neuen Buch zu sehen, das vom Landesfilmarchiv herausgegeben worden ist. 165 Fotos zeigen die Entwicklung und die Veränderungen der Stadt. Landesfilmarchivar Diethelm Knauf musste teilweise detektivisches Talent an den Tag legen, um herauszufinden, welche Orte auf den alten Bildern zu sehen sind. Nicht wenige der Plätze sind nämlich heute nicht wiederzuerkennen.
Die Bremer Fußballmannschaft "Lloyd" gibt es heute nicht mehr – die Straße, in der die Kicker stehen schon. Mehr dazu in der nächsten Bildergalerie.
Diethelm Knauf steht vor dem Bildergedächnis der Stadt. Der Teerhof mit der Weserburg 1898 ist auf dem ersten Bild in seinem Karteikasten zu sehen. Mit den alten Fotos hat sich auch so manches schöne Wort gerettet: "Weserpartie an der Schlachte", steht über einem anderen Bild.
Bildergalerie:
Bremen damals und heute
Manchmal ist es nicht so leicht zu erkennen, wo die alten Bilder aufgenommen worden sind. Da wird der Historiker zum Detektiv.
"Dabei ist man ein bisschen auf Intuition angewiesen", erzählt er. "Man sieht sich die Gebäude an, versucht, sich zu erinnern, ob man sie – oder Teile von ihnen – schon einmal gesehen hat und wo das war". Und dann beginnt die tatsächliche Suche: Er fährt an die Orte, an denen er die Details auf dem Bild gesehen zu haben glaubte – und wird manches Mal fündig.
Ein Bild zum Beispiel, das weiß er jetzt, entstand in der Bremer Innenstadt, in der Bredenstraße. Ein winziges Detail brachte ihn auf die richtige Spur. Diethelm Knauf erinnerte sich an einen Tor-Bogen, von dem eine winzige Ecke auf dem Bild zu sehen ist. Er fand ihn wieder – wie durch ein Wunder steht der Bogen heute noch. (Die Bilder sehen sie in der folgenden Galerie).
Bildergalerie:
Das Geheimnis der Bredenstraße
"Das Bild in der Bredenstraße wurde während des Ersten Weltkrieges aufgenommen", ist Knauf überzeugt. "Man sieht im Vordergrund einen Soldaten in einer Landwehr-Uniform stehen", erklärt er. Ein gutes Auge muss man haben als Landesfilmarchivar. Und eine umfassende Kenntnis verschiedenster Kleiderstile schadet offenbar auch nicht.
Das Bild stammt von Fritz Germer aus dem Steintor. Seine Fotoalben sind jüngst im Archiv abgegeben worden, ein ganzes Leben und deutsche Geschichte spiegeln sich in diesen Fotos. Onkel Fritz kam 1914 als junger Mann zum Garde-Korps nach Berlin – die haben den Kaiser und seine Familie beschützt.
Für Onkel Fritz eine Auszeichnung sagt einer, der ihn noch gekannt hat. Nach dem ersten Weltkrieg kam Onkel Fritz nach Bremen zurück und half hier 1919, die Bremer Räterepublik niederzuschlagen. Ein Bild zeigt ihn mit der Stadtwehr Ecke Sankt-Jürgen-Straße. Auch damals gab es dort schon einen Kiosk. Fritz war Mitglied der Stadtwehr. Die Aufgabe dieser Wehr war es, für Ruhe und Ordnung zu sorgen und revolutionäres, subversives Verhalten zu unterbinden.
Video:
"Bremen im Bild" bei buten un binnen, [3:56]
Diethelm Knauf hat bei seiner Suche auch Bilder von Fußballvereinen entdeckt, die heute keiner mehr kennt. Der "FC Lloyd" war vielleicht die Betriebsmannschaft der Motorenfirma Dynamo Lloyd, vermutet Knauf.
Er hat mehrfach gegen Werder Bremen gespielt, wenn auch nicht besonders erfolgreich. Ihr Vereinslokal war im Ostertor – auf einem Bild posiert die ganze Mannschaft vor dem Reichsadler, das war 1927. Die Analen berichten von einem Unentschieden und sage und schreibe einem Sieg vom FC Lloyd gegen Werder Bremen. Danach gibt es keine Aufzeichnungen mehr. Was passiert ist, weiß man nicht.
Viele der Bilder, die in dem neuen Buch des Landesfilmarchivs zu sehen sind, zeigen, wie Bremen einmal ausgesehen hat. Es ist oft kaum zu glauben, steht man heute an der gleichen Stelle. Die Bilder erzählen auch Geschichten von Bremens ehemals schönsten Ecken, die heute nicht mehr zu finden sind.
Bildergalerie:
Das Buch zum Thema:
Bremen im Bild
Fotoarchiv des Zentrums für Medien (Herausgeber)
Fotografien erzählen Geschichte(n)
240 Seiten, 165 Abbildungen
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