"Hanseat" Bothel
Der Campingplatz "Hanseat" in Bothel, im Landkreis Rotenburg, ist für fast 40 Menschen mehr als ein Erholungsort. Es ist ihr Zuhause. Manche haben seit Jahrzehnten dort ihr Mobil-Heim als Wohnsitz angemeldet. Doch nun hat der Eigentümer, die Bremer "NF Bank", ihnen die Pachtverträge gekündigt. Bis Silvester sollen sie ihre Häuser verlassen und den Abriss ihres Besitzes teuer bezahlen.
Video: Bitte Räumen!
Einstellungen, Infos und Kommentare
Knapp 27 Quadratmeter klein ist das Zuhause von Jutta Bloch und ihrem Lebensgefährten, Horst Haase. "Am Anfang haben wir das wirklich nur als Sommer-Domizil genutzt, aber seit etlichen Jahren ist es unser gemeldeter Wohnsitz", erzählt sie.
Das Mobil-Heim ist seit zehn Jahren der feste Wohnsitz von Horst Haase. Es sollte der letzte Wohnsitz für den Rentner bleiben, bis im Sommer das Kündigungsschreiben des Eigentümers – der Bremer "NF Bank" – kam. Bis zum 31.12. verlangt die die Räumung des Platzes. Das Mobil-Heim soll verschwinden: Für Jutta Bloch und Horst Haase bedeutet das: Der Abriss ihres Eigentums.
3.000 bis 4.000 Euro soll das kosten. "Dafür habe ich kein Geld", gesteht Horst Haase. Er müsste es trotzdem irgendwie organisieren – wie alle anderen Mieter auch. Aber bislang hat es keiner gemacht, denn wer hier wohnt, hat nicht viel Geld, sagen die beiden Mobil-Heim-Bewohner. So günstig wie hier kann man nirgendwo im Landkreis wohnen: Rund 2.500 Euro im Jahr kostet der Stellplatz inklusive Strom und Gas. Deswegen wollen sie bleiben.
Ihr Anwalt, Lutz Hammermeister, ist sicher: Die Kündigung der Pachtverträge missachtet hier den sozialen Schutz des Wohnraum-Mietrechts: "Wenn man davon ausgeht, dass jemand seinen Lebensmittelpunkt irgendwo gewählt, dort seinen Wohnsitz und seine gesamte Existenz begründet hat, dann muss die Bank ein begründetes Interesse haben, um die Kündigung auszusprechen", so Hammermeister.
Mit Gerald Klementz, einem Sprecher der NF Bank, sind wir hier verabredet. Auf dem Weg zu unserem Interview wird er abgefangen von den gekündigten Pächtern: "Wir haben unser ganzes Vermögen da reingesteckt, weil wir dachten, wir dürften hier wohnen bleiben. Wir sind extra von Schleswig-Holstein aus hier her gezogen", klagt eine Mieterin.
Doch der Bank-Vertreter bleibt hart: "Ich wüsste nicht, wofür ich Sie entschädigen sollte – für ihre private, persönliche Lebensplanung sind Sie nunmal selbst verantwortlich", entgegnet er unter dem Protest der Anwohner. Wie es weiter gehen soll, kann er ihnen nicht sagen. "Aber ich kann verstehen, dass Sie da große Sorgen haben", räumt er ein. Die Bank ist formal im Recht: Die Mobil-Heime verstoßen gegen den Bebauungsplan.
Jahrelang hat das niemand so genau genommen. Offenbar erst jetzt, da der Campingplatz immer weniger Geld einbringt, stört es die Bank. Und sie schiebt den Schwarzen Peter der Gemeinde zu. Die könne ja den Bebauungsplan ändern.
"Ich habe von der Bürgermeisterin gehört, dass das nicht möglich wäre", sagt Bankvertreter Gerald Klementz und fügt nicht ohne Sarkasmus hinzu: "Ein alter Mann mit weißen Haaren, der hier früher mal Bürgermeister war, hat gesagt, das hätten die vor Jahrzehnten mal entschieden, dass das hier Campingplatz bleibt. Und das scheint in Bothel so üblich zu sein, dass solche Entscheidungen dann für die nächsten 100 Jahre gelten", sagt Bankvertreter Gerald Klementz
"Ich habe natürlich Verständnis dafür, dass eine Gemeinde sich bei der Planung ihrer eigenen Grundstücke nicht fremdbestimmen lässt", entgegnet Anwalt Lutz Hammerstein, "aber helfen tut sie den Leuten hier vor Ort damit natürlich nicht". Und so warten alle auf den 31. Dezember und einen langen Gerichtsstreit. Sollte die Bank die Leitungen für Strom und Wasser abdrehen, will die Samtgemeinde helfen.
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