Erdbebengefahr
Leichte Erdbeben gibt es auch in Norddeutschland immer wieder. 2004 kamen in Hamburg Häuser leicht ins Wanken. Auslöser war ein Erdbeben der Stärke 4,5 bei Neuenkirchen im Kreis Soltau-Fallingbostel. Der Norden gehört aber nicht zu den Problemzonen Europas. Doch eine Garantie, dass es so bleibt, gibt es nicht, sagt der Potsdamer Seismologe Rainer Kind im Interview mit Radio Bremen.
2009 starben beim Erdbeben in L´Aqulia in den italienischen Abruzzen mehr als 300 Menschen. Genauer Zeitpunkt und Ort von Beben sind laut Wissenschaftler nicht vorauszusagen.
Radio Bremen: Erdstoß oder Erdbeben? Ist das eigentlich ein Unterschied?
Rainer Kind: Nein, es gibt keinen Unterschied. Der Fachausdruck ist Erdbeben. Bei kleineren Erdbeben sagt man durchaus auch mal Stoß. Der Ausdruck wird aber kaum noch benutzt. Ist ist dabei auch egal, ob die Ursache natürlich oder menschengemacht ist. Man spricht von Erdbeben.
Radio Bremen: Auch im Norden Deutschlands wackelt ab und zu die Erde. Wir groß ist die Gefahr von Erdbeben in unserer Region?
Geoforschungszentrum Potsdam
Rainer Kind arbeitet beim nationalen Forschungszentrum für Geowissenschaften in Deutschland. Es beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter. Dort werden unter anderem Tsunami-Frühwarnsysteme.
Rainer Kind: Sie ist relativ gering. Pro Jahrzehnt gibt es ein bis zwei Beben, die eine Stärke von bis zu 4,5 erreichen können. Die gab es in Soltau, Hamburg und Rostock. Die Ursache für die Erdbeben im Norden ist nicht ganz klar. Es gibt auch menschengemachte Beben, zum Beispiel im Zusammenhang mit Erdölforderung. Es kann aber auch natürliche Beben geben. Grund kann Salztektonik sein, also Salzstöcke, die in Bewegung geraten.
Dazu kommt, dass Skandinavien sich hebt, seitdem die Gletscher verschwinden. Auch dadurch gibt es Spannungen und die können am Rand, also auch in Norddeutschland, ein Erdbeben auslösen.
Radio Bremen: Können wir davon ausgehen, dass es in Zukunft so bleibt?
Rainer Kind: Erdbeben sind unvorhersagbar. L' Aquila in Italien ist ein Beispiel dafür. Die Gefahr in Norddeutschland ist aber gering, weil es in der Vergangenheit nur wenige Beben gab. Deswegen ist es auch wahrscheinlich, dass es so bleibt. Eine Garantie gibt es aber nicht.
Radio Bremen: Das Erdbeben zwischen Verden und Langwedel hatte eine Stärke von 2,8. Es soll Risse in Häusern gegeben haben. Wie gefährlich ist ein Beben dieser Stärke?
Rainer Kind: Im allgemeinen gibt es keine Gefahr für Menschen. Es hängt aber maßgeblich von der Tiefe des Bebens ab. Das Beben bei Verden war ziemlich tief. Da kann es durchaus zu Rissen kommen. Eigentlich passiert aber wenig.
Radio Bremen: Welche Region in Deutschland ist besonders gefährdet?
Rainer Kind: Die Gebiete entlang des Rheines, im Raum Köln bis nach Belgien hinein. Das sind die am stärksten gefährdeten Regionen in Deutschland. Dazu kommen Bergbauregionen.
Radio Bremen: Ab welcher Stärke wird es für Menschen gefährlich, wenn die Erde bebt?
Rainer Kind: In Deutschland haben die stärksten Beben die Sechs auf der Richterskala erreicht. Da kann es zerstörte Häuser und auch Verletzte geben. Man kann es aber nicht allgemein sagen, denn es hängt nicht nur von der Stärke des Bebens ab, sondern auch, wie die Häuser gebaut sind. Ein Beben in Ostanatolien richtet bei Lehmhäusern stärkere Schäden an als in Deutschland.
Radio Bremen: Mit Blick auf die Erdbebengefahr: Wohin sollte man nicht reisen?
Rainer Kind: Das Urlaubsgebiet Mittelmeer ist eine Erdbebenregion. Ich fahre trotzdem in den Urlaub dorthin. Man sollte aber wissen, dass es Erdbeben geben kann.
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