Erdgasförderung
Beim Fracking wird Erdgas gefördert, das tief unter der Erde fest gebunden ist. Dazu wird das Gestein aufgebrochen – mit viel Wasser und mit einem Cocktail aus teilweise hochgiftiger Chemie. Kritiker befürchten eine Belastung des Grundwassers. Zudem müssen Unmengen an Abwasser aufwändig entsorgt oder gereinigt werden. Dennoch: Gas in Deutschland wird knapp und Energie-Importe könnten schon bald noch teurer werden.
Durch das Fracking kann eine Belastung des Grundwasser und auch von Oberflächengewässer nicht ausgeschlossen werden. Außerdem müssen erhebliche Abwassermengen nach dem Fracking-Vorgang entsorgt oder gereinigt werden.
Eine sachliche Diskussion zum Thema Fracking sei in Deutschland schwierig, meint Martin Bachmann, Vorstandsmitglied von Wintershall. Dabei gäbe es gute Argumente dieses Förderverfahren. Denn bei der BASF-Tochter wittert man erhebliches Geschäfts-Potenzial. Wintershall möchte unter anderem zwischen Bremen und Osnabrück, in Barnstorf-Düste, Erdgas mit Fracking fördern. Unklar ist allerdings, wie viel Gas wirtschaftlich und umweltverträglich überhaupt zu gewinnen ist. Das Risiko sei jedenfalls handhabbar, meinen die Unternehmensvertreter. Im Jahr 2012 hat Wintershall seinen Gewinn um fast 13 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gesteigert. Ganz anders sehen das die Mitglieder von Bürgerinitiativen im Norden. Sie befürchten, dass die beim Fracking verwendeten Chemikalien das Grundwasser vergiften.
Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Sand tief ins Erdreich gepresst. Das Gestein wird gebrochen, um das darin eingeschlossene Erdgas zu gewinnen. Dazu werden dem Wasser-Sand-Gemisch Chemikalien zugefügt. Die werden unter anderem benötigt, um die erzeugten Risse im Gestein zu stabilisieren und das Ansiedeln von Bakterien zu verhindern. Diese Gele, Schäume und Säuren haben es in sich: Sie gelten in Teilen als toxisch, krebserregend und erbgutverändernd. Trotz des relativ kleinen Anteils dieser chemischen Zusätze kommen bei Millionen Litern Frac-Flüssigkeit schnell große absolute Mengen zusammen. Um welche Chemikalien es sich im Einzelnen handelt, hängt von den individuellen Gegebenheiten einer Lagerstätte ab. Die Umweltbehörde in den USA, wo das Fracking derzeit eine rasante Entwicklung erfährt, hat bislang etwa 600 unterschiedliche Chemikalien veröffentlicht.
Video: Was ist Fracking? (26 Sekunden)
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Kritiker befürchten dadurch eine Belastung des Grundwassers. Eine Gefahr, die auch das Umweltbundesamt nicht ausschließen möchte: Demnach können bereits beim Bohren und dem Ausbau der Bohrungen sogenannte Kontaminationspfade entstehen. Auf diesen Wegen könnte das mit Chemikalien vermischte Frack-Wasser und das hochmineralisierte und möglicherweise radioaktive Lagerstättenwasser in das Grundwasser gelangen.
Im Kreis Verden kam es bereits 2011 unweit einer Gasförderstelle zu Zwischenfällen, die die Anwohner aufschreckten. Im Grundwasser wurde plötzlich an einer Leitungskreuzung eine beängstigende Benzol-Konzentration festgestellt. Ein Mikrogramm pro Liter ist der Grenzwert, hier waren es 5.000 Mikrogramm. Kurze Zeit später wurde eine weitere Kontamination des Grundwassers festgestellt und die Anwohner begannen sich zu organisieren.
Aktuelle Untersuchungen einer US-amerikanischen Forscherorganisation legen nahe, dass dort sogar das Oberflächenwasser in Seen und Flüssen belastet wird – durch Regen, der auf die Bohrstellen fällt und abfließt.
In Deutschland müssen solche Bohrstellen komplett versiegelt sein. Das gesamte Wasser am Bohrplatz muss aufgefangen und fachgerecht entsorgt werden. Dazu gehört auch der sogenannte Flow-Back – die Flüssigkeit, die zusammen mit dem Erdgas wieder austritt. Es ist ein Gemisch aus der verwendeten toxischen Frac-Flüssigkeit und dem Lagerstättenwasser, das über Jahrmillionen keinen Kontakt mit der Atmosphäre hatte. Ein Rest der Frac-Flüssigkeit verbleibt zudem in über 1.000 Metern Tiefe im Gestein.
Es müssen also riesige Mengen an belastetem Abwasser entweder gelagert oder von Industriekläranlagen gereinigt werden. Pro Frackingvorgang werden im Schnitt etwa 2.000 Kubikmeter Wasser benötigt. Bei einem großen Feld und wiederholten Fracking-Vorgängen können Wassermengen von über 170.000 Kubikmetern erforderlich sein. Zum Vergleich: Ein Schwimmbecken mit 25 Metern Länge, 10 Meter Breite und vier Metern Tiefe hat ein Volumen von gerade mal 1.000 Kubikmetern.
Fracking ist auch ein norddeutsches Thema. Hier lässt sich offenbar besonders viel Erdgas freisetzen, das tief im Gestein gebunden ist. Ballungen gibt es im Landkreis Rotenburg, wo ein sehr großes Erdgasfeld in 4.000 bis 5.000 Meter Tiefe liegt. Weitere Gasförderstätten gibt es in Völkersen im Landkreis Verden, in Walsrode sowie bei Cloppenburg und Vechta. In diesen Gebieten wird schon seit den 60er-Jahren "gefrackt". Zu einer Umweltbelastung kam es hier laut Umweltbundesamt bisher nicht. Dennoch: Wenn es um gefährliche Stoffe unter der Erde geht, werden vor allem viele Norddeutsche hellhörig. Jahrzehntelang währte der Streit um ein atomares Endlager in Gorleben und auch Nachrichten über verrottende Fässer mit radioaktivem Müll in der Asse haben das Vertrauen der Bevölkerung im Norden erschüttert.
Bleibt die Frage, warum Fracking als Methode zur Gasgewinnung überhaupt in Betracht gezogen wird. Fest steht so viel: Die Gasvorkommen in Deutschland gehen zur Neige. Allein im vergangenen Jahr ging die Produktion aus deutschen Erdgasquellen um fast zehn Prozent auf elf Milliarden Kubikmeter zurück. In Deutschland gibt es laut Umweltbundesamt ein Potenzial von 1,3 Billionen Kubikmetern Erdgas in unkonventionellen Schichten. Damit könnte der komplette Gasbedarf über einen Zeitraum von 13 Jahren gedeckt werden. Deutschland könnte also durch das Fracking seine Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren.
Die USA etwa sind dank Fracking beim Erdgas inzwischen komplett selbstversorgend. Die Weltmacht könnte dadurch ihr Interesse an der Sicherung der Ölroute durch die Straße von Hormus verlieren. Durch das Nadelöhr befördern Tanker bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls . Ein Ausbleiben dieser Lieferungen würde die Energiepreise in Europa explodieren lassen. Eine Selbstversorgung mit Erdgas könnte das ausbleibende Öl ersetzen.
Eine bundesweite Regelung für den Umgang mit der umstrittenen Fördertechnik gibt es noch nicht. Entsprechende Anträge liegen auf Eis. Ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht für alle geplanten Maßnahmen strenge Umweltverträglichkeitsprüfungen vor. In Wasserschutzgebieten soll das Fracking grundsätzlich verboten werden.
Vielen rot-grün regierten Ländern reicht das nicht aus. Auch aus Niedersachsen, das durch Steuereinnahmen und Förderabgaben der Betreiber sogar finanziell profitieren würde, kommen Einwände. Für eine umfassende Beurteilung der Risiken und der technischen Beherrschbarkeit von Fracking fehlten noch grundlegende Informationen, heißt es in einer Stellungnahme des niedersächsischen Umweltministeriums vom Februar 2013. "Solange Risiken und Auswirkungen auf den tiefen Untergrund, auf Grundwasser, Böden sowie Umwelt und Natur nicht kalkuliert werden können, ist ein Einstieg in die Förderung von unkonventionellem Erdgas nicht akzeptabel", meint Umweltminister Stefan Wenzel von den Grünen.
Video: Altmaiers Fracking - Auf die Definition kommt es an
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