Mütter
Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen ist nicht leicht
Zwei Drittel aller Kinder in Deutschland wachsen bei ihren Eltern auf. Aber noch immer sind es überwiegend die Frauen, die sich um die Kinder kümmern. Trotz Einführung des Elterngeldes im Jahr 2009 hat sich die Arbeitsteilung bei Paaren mit Kindern kaum geändert: Gerade mal 28 Prozent der Mütter von Kindern zwischen ein und drei Jahren sind erwerbstätig – drei Viertel von ihnen in Teilzeit. Die meisten Frauen realisieren oft nach der Geburt des ersten Kindes, dass ihr eigentlicher Lebensentwurf zwischen Karriere, Beruf und Familie auf Dauer nicht durchzuhalten ist. Was bedeutet es heutzutage Mutter zu sein? Und welche Rolle spielen dabei die Väter?
Mehr zum Thema hören Sie in der Sendung "Glauben und Wissen" am 13. Juni um 11.05 Uhr und am 14. Juni um 19.05 Uhr im Nordwestradio.
Bascha Mika, zehn Jahre Chefredakteurin der taz, löste mit ihrem aktuellen Buch "Die Feigheit der Frauen" Diskussionen aus. Sie kritisiert, dass sich gut ausgebildete Frauen häufig nach der Geburt des ersten Kindes aus dem Berufsleben zurückziehen, obwohl dieses ursprünglich zu ihrem Lebensentwurf gehörte. Sowohl durch eigenes Verhalten als auch durch Politik und Gesellschaft würden dadurch alte Rollenklischees aufrechterhalten. Bascha Mika ruft Frauen zu mehr Mut und Konfliktbereitschaft auf, um nicht nur eine Paar-Beziehung auf Augenhöhe, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.
Buchtipps:
- Mika, Bascha: Die Feigheit der Frauen, C. Bertelsmann Verlag, 256 Seiten, 14,99 Euro
- Wündrich, Bettina: Einsame Spitze? Warum berufstätige Frauen glücklicher sind, Rowohlt Verlag, 16,95 Euro (erscheint im Juli 2011)
Tobias Nagorny im Gespräch mit Bascha Mika , [15:31]
Der Politikwissenschaftler Patrick Ehnis
Der Anteil der Väter, die in Elternzeit gehen und Elterngeld beziehen, ist noch immer gering: Nur 20 Prozent machen diesen Anspruch geltend und meistens nehmen sie sich diese Auszeit für die Kinder nur zwei Monate lang. Um Männer in die Kindererziehung mit einzubeziehen und die Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern zu ermöglichen, müssten sich Arbeits- und Unternehmensstrukturen ändern, die Kinderbetreuung ausgebaut und das Elterngeld über einen längeren Zeitraum gezahlt werden. Das sagt Patrick Ehnis, Politikwissenschaftler an der Universität Bremen. Neben diesen strukturellen Nachteilen werde es Männern zudem nicht leicht gemacht, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Denn ähnlich wie Frauen in Führungspositionen müssten sie häufig besondere Leistungen erbringen, um in dieser Rolle anerkannt zu werden.
Buchtipp:
Ehnis, Patrick: Väter und Erziehungszeiten: Politische, kulturellen und subjektive Bedingungen für mehr Engagement in der Familie, Helmer Verlag, 320 Seiten, 29,90 Euro
Tobias Nagorny im Gespräch mit Patrick Ehnis , [12:07]
Einige Frauen haben studiert und einen langen beruflichen Qualifizierungsweg hinter sich, bevor sie ihr erstes Kind bekommen. Doch dann stehen sie oftmals vor einer Entscheidung: Kinder oder Karriere? In dem Feature "Mutter mit Diplom" erzählen zwei Frauen aus ihrem Leben als Mutter. Während die eine von ihnen als Hochschulprofessorin tätig ist und nach der Geburt ihres Kindes weiterhin Vollzeit arbeitet, hat sich die andere Mutter für das Gegenteil entschieden: Die studierte Grundschullehrerin ist seit sechs Jahren nicht mehr in ihrem Beruf tätig, da sie sich voll und ganz ihren drei Kindern widmet.
Mutter mit Diplom (ein Feature von Anna Tollkötter), [21:35]
Mutter mit Diplom (Manuskript) [PDF, 61 Kb]
Doch was erleben Frauen, deren Leben nicht in den gewohnten Bahnen verläuft? Melanie und Lilly waren bereits vor der Geburt ihrer Kinder drogenabhängig. Obwohl sie wussten, dass es ihren Kindern schadet, spritzten sie sich während der Schwangerschaft Heroin oder nahmen Kokain. Denn die Sucht war stärker als die Vernunft - die Kinder nahmen großen Schaden davon. Als sie ihre Kinder auch nach der Geburt nicht angemessen versorgen konnten, stellte das Jugendamt die zwei Frauen vor eine Entscheidung: Entzug und Therapie oder Kindesentzug. Sie entscheiden sich für ihre Kinder und finden deshalb seit mehreren Jahren in einer Drogentherapie-Einrichtung in Lüneburg Hilfe.
Mütter am Abgrund (ein Feature von Hanna Möllers), [21:12]
Mütter am Abgrund (Manuskript) [PDF, 72 Kb]
Mutterinstinkt ist nicht nur ein angeborenes Verhalten, sondern auch eine kulturell geformte Eigenschaft, so der Biologe Thomas Hoffmeister von der Universität Bremen. So spielen Rollenzuschreibungen von Männern und Frauen bei der Definition dieses Wortes eine große Rolle und biologische Erklärungen seien mit Vorsicht zu genießen.
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