Integration durch Sport
Ein anonymer Brief sorgt im Bremer Norden für Aufsehen: Unbekannte hetzen darin gegen einen Schwimmkurs für muslimische Frauen und drohen dem Trägerverein mit Boykott. Dabei wird das Angebot sogar vom Bund gefördert und soll eigentlich zur "Integration durch Sport" beitragen.
Rettungsschwimmerin Nuray Özdemir und SAV-Trainerin Claudia Prigge leiten das Schwimmen für Muslimas
Tauchen, Turmspringen, Aqua-Gymnastik: Etwa 20 muslimische Frauen treffen sich jeden Montag in Grohn zum Schwimmen. Männer dürfen nicht dabei sein. Aus kulturellen Gründen tragen die Frauen lange Radlerhosen und T-Shirts, wer will auch eine Kopfbedeckung.
"Wir nehmen teil, weil wir in der Öffentlichkeit, mit Männern, nicht schwimmen dürfen. Mein letztes Schwimmen war in der Grundschule. Hier können wir schwimmen, ohne unseren Glauben zu vernachlässigen", sagt die 37-jährige Nuray.
Seit zwei Jahren bietet die Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack das Schwimmen für Muslimas an. Als der Vereinsvorsitzende Volker Beringer nach Neujahr die Post öffnete, war er schockiert: In einem anonymen Brief, der Radio Bremen vorliegt, wurden die Frauen unter anderem als "Kanaken" und "unerwünschte Heuschrecken" beschimpft. Der Absender droht mit einem Vereins-Boykott, sollten die meist türkischen Frauen weiter das Bad nutzen.
Schwimmen für Musliminnen, [3:28]
Eine Reportage von Grit Thümmel
"Der erste Gedanke war: ich bin in einer anderen Welt, das kann doch nicht sein, dass diese Worte fallen in unserer Stadt, in unserem Verein und vor allem im Sport", sagt Beringer. Beim Start des Angebots vor zwei Jahren habe es Einwände von einzelnen Vereinsmitgliedern gegeben. "Das war einfach neu für die, dass sich eine Gruppe etwas anders verhält".
Aber diese Reaktionen seien schnell verhallt. Umso erstaunter ist der Vorsitzende über den anonymen Brief und erstattet Anzeige. Die Polizei ermittelt nun wegen Volksverhetzung. Bisher gebe es keine Hinweise auf den oder die Absender, so ein Sprecher.
Schock auch beim Landessportbund: Die Sportgemeinschaft aus Vegesack ist ein sogenannter "Stützpunktverein" und bekommt für den Schwimmkurs einen finanziellen Zuschuss aus dem Bundesprogramm "Integration durch Sport". "Sport hebt die Grenzen zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen und Nationalitäten auf", heißt es auf der Internetseite des Bundesinnenministeriums.
In Bremen will der Landessportbund das Angebot für Frauen eigentlich ausweiten, sagt Kirsten Wolf, Abteilungsleiterin Integration. "Manchmal ist es so, dass man einen bestimmten Rahmen setzen muss, wie geschützte Räume, damit eine Gruppe solche Angebote wahrnehmen kann." Doch es gebe auch immer wieder Vorbehalte bei den Vereinen.
Langfristig sei das Ziel solcher Angebote immer ein gemeinsames Training von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund.
In Vegesack scheint es zu funktionieren: Die Teilnehmerinnen im Schwimmkurs für Muslimas haben sich im Verein angemeldet und bringen nachmittags auch ihre Kinder in die Sportkurse. Nuray Özdemir hat sogar den Rettungsschwimmer gemacht und ist jetzt selbst Schwimmtrainerin.
Der anonyme Brief hat sie getroffen. "Ich finde das ist sehr diskriminierend. Ich denke, wir haben auch das Recht zu schwimmen." Aber die Frauen wollen sich nicht einschüchtern lassen und den Kurs auf jeden Fall weiter machen.
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Integration durch Sport
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