Gesundheit
Leistungssteigerung durch Medikamente: Ausdruck unserer Zeit?
Gesundheit, das ist "ein Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, der sich nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet." So heißt es in der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Schaut man auf die medizinischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, so haben sich diese enorm erweitert. Krankheiten, an denen die Menschen noch vor einiger Zeit früh gestorben wären, können therapiert, Leben kann verlängert oder auch künstlich hergestellt werden. Doch sind die medizinischen Errungenschaften immer mit der Menschenwürde vereinbar? Und wie steht es mit der seelischen Gesundheit des Menschen? Ist sie vielleicht oft Ursache für körperliche Leiden?
Der Medizinhistoriker Paul Ulrich Unschuld
Im 18. Jahrhundert konnten es sich nur reiche und gebildete Menschen leisten, gesund zu sein. Doch infolge von Kriegen und ökonomischen Engpässen wurde für die Regierungen europäischer Länder die Gesundheit der Gesellschaft immer wichtiger. Denn wehr- und arbeitsfähige Menschen waren plötzlich ein wertvolles Gut. So entstand das staatliche Gesundheitssystem. Inzwischen erleben wir wieder einen Epochenwandel: Aus der "Medizin" ist die "Gesundheitswirtschaft" geworden und "Patienten" werden längst als "Kunden" bezeichnet. Der kranke Mensch ist inzwischen ökonomisch wertvoller als der gesunde, so der Medizinhistoriker Paul Unschuld. Im Gespräch erläutert er, warum eine diesbezügliche Diskussion unbedingt vonnöten ist.
Thorsten Jantschek im Gespräch mit Paul Unschuld, [18:34]
Buchtipp:
Unschuld, Paul: Ware Gesundheit: Das Ende der klassischen Medizin, Verlag C. H. Beck, 143 Seiten, 9.95 Euro
Der französische Philosoph René Descartes (1596-1650) stellte bereits seinerzeit die These auf, dass Körper und Seele des Menschen nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können. Der Philosoph und Naturwissenschaftler Klaus Michael Meyer-Abich teilt diese Auffassung. Ihm zufolge werde der Mensch dann körperlich krank, wenn ihm im Leben etwas fehle. Im Gespräch erläutert er, warum ein sinnvolles Leben die beste Medizin ist und warum Ärzte mehr mit ihren Patienten sprechen sollten.
Thorsten Jantschek im Gespräch mit Klaus Michael Meyer-Abich, [19:50]
Buchtipp:
Meyer-Abich, Klaus Michael: Was es bedeutet, gesund zu sein. Philosophie der Medizin, Carl Hanser Verlag, 640 Seiten, 29,90 Euro
Psychotherapie und Seelsorge müssen gemeinsam gedacht werden. Denn so würden viele Krankheiten gar nicht erst entstehen oder viel schneller geheilt werden. Diese Ansicht vertritt der Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann. In seinem Vortrag "Heil und Heilung. Psychotherapie und Seelsorge" spricht er über ethischen Optimismus, den mitunter schwierigen Moralbegriff und die Zerrissenheit des Menschen zwischen Glaube und Pflicht.
Heil und Heilung: Vortrag von Eugen Drewermann, [1:24:18]
Mehr Vorträge und Themen von und mit Eugen Drewermann:
Sendung "Redefreiheit" im Nordwestradio
Der Konflikt zwischen ärztlichen Ethos und ökonomischen Zwängen bestimmt mehr und mehr den medizinischen Alltag. Auf der einen Seite soll zum Wohle des Patienten entschieden werden, auf der anderen Seite jedoch haben Ärzte und Krankhäuser die Wirtschaftlichkeit ihres Handelns im Blick. Ein Beispiel sind lebensverlängernde Maßnahmen: Entsprechen sie tatsächlich immer dem Wohle des Patienten? Der Forschungsverbund „Menschenwürde und Medizintechnik“ am Zentrum für interdisziplinäre Forschung in Bielefeld hat sich zwei Jahre lang diesem und anderen kontrovers diskutierten Themen gewidmet. Thomas Kleinspehn stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.
Medizin und Menschenwürde (ein Beitrag von Thomas Kleinspehn), [23:34]
Gentests an künstlich erzeugten Embryonen sind künftig erlaubt. Und zwar für Paare, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung eine schwerwiegende Krankheit beim Kind erwarten oder wenn eine Tot- oder Fehlgeburt des Embryos wahrscheinlich ist. Die Debatte zur Präimplantationsdiagnostik (PID) wurde im Bundestag hitzig und kontrovers geführt. 326 Parlamentarier billigten den Beschluss, 260 Abgeordnete stimmten dagegen, acht enthielten sich. Julia Diekämper, Berliner Kulturwissenschaftlerin und Konstanze Plett, Rechtswissenschaftlerin an der Universität Bremen, haben sich gefragt, wie dieses Ergebnis zu verstehen ist.
Buchtipp:
Diekämper, Julia: Reproduziertes Leben. Biomacht in Zeiten der Präimplantationsdiagnostik, Transcript Verlag, 416 Seiten, 35,80 Euro
"Der Weg zur Traumfigur" oder "Gesund in zehn Tagen" versprechen die Banner zahlreicher Fitness-Studios. Autorin Grit Thümmel hat den Selbstversuch gewagt und ein Probetraining absolviert. Sie sprintete auf dem Laufband und ließ sich von einer Körper-Schüttelmaschine durchschütteln. Zwar war sie kräftig durchgeschwitzt und verbrauchte laut digitaler Anzeige 105 Kalorien. Doch so richtig überzeugt war sie nicht.
Gesund im Fitness-Studio (eine Reportage von Grit Thümmel), [7:03]
60 bis 70 Prozent aller Menschen, die bei einem Unfall oder einer Operation einen Arm oder ein Bein verlieren, leiden unter so genannten Phantomschmerzen. Die verletzten Nerven sind häufig am Stumpfende überempfindlich. Einzelheiten und Hintergründe erklärt Andreas Kastrup, Chefarzt in der Neurologie am Klinikum Bremen Mitte.
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