Rechtsfreier Raum?
Wohnungseinbrüche, Massenschlägereien, eine Seniorin stirbt nach einem Raubüberfall: Der Bremer Stadtteil Blumenthal kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Viele Anwohner befürchten, dass manche Gegenden auf die Dauer zum rechtsfreien Raum verkommen. Gemeint ist zum Beispiel die George-Albrecht-Straße, in der es immer wieder ethnische Auseinandersetzungen gibt. Wir haben uns vor Ort ein Bild gemacht:
Die George-Albrecht-Straße in Bremen-Blumenthal ist immer wieder Schauplatz von ethnischen Auseinandersetzungen.
Vor einem Hauseingang in der George-Albrecht-Straße steht eine Gruppe Jugendlicher. Weil es regnet haben sie sich unter ein Vordach gestellt. Alle haben ausländische Namen, die sie aber nicht im Radio hören wollen. Einer der Jungs erzählt von einer Jugend-Clique, die für viele Einbrüche und Raubdelikte verantwortlich sein soll:
"Das waren mal unsere Freunde", sagt er, "aber jetzt sind die auf völlig anderen Schienen unterwegs und bauen Scheiße". Wenn es um Geld gehe, täten sie alles, so der Jugendliche weiter. Sein Kumpel fügt hinzu, dass viele kriminelle Jugendliche auch aus anderen Stadtteilen kämen und in Blumenthal Ärger machen: Aus Vegesack, Lüssum, von auswärts. "Und die wollen ihre Probleme auf diese Straße schieben", ist er überzeugt.
"Es gibt hier keine marodierenden Banden"
Auch Rainer Zottmann von der Bremer Polizei sagt, dass die kriminelle Jugendclique nicht nur aus Bremen-Blumenthal stammt. 30 Jungs im Alter von 16 bis 20 Jahren hat die Polizei im Visier, überwiegend Kinder von Einwanderern, erzählt er: Junge Leute mit wenig Geld und schlechten Zukunftsaussichten, die aber genau so leben wie deutsche Jugendliche. Dieses Defizit gleichen sie aus, indem sie versuchen, auf illegale Weise an Geld zu kommen, so Zottmann.
Es sind hauptsächlich Wohnungseinbrüche, mit denen sie sich nehmen, was sie haben wollen. Ihre Beute: Bargeld, Handys und Laptops. Sieben Jugendliche sitzen zurzeit in Untersuchungshaft. Die Zahl der Einbrüche in Blumenthal ist in den vergangenen Wochen deutlich gesunken.
Für die Polizei ist das ein Zeichen, dass man die richtigen geschnappt hat. Auch die Menschen in der George-Albrecht-Straße berichten, dass es dort besser geworden sei. Es ist deutlich zu beobachten, wie viele Menschen auf den Ruf der George-Albrecht-Straße achten. "Untereinander kommen wir alle gut aus", berichten viele.
Spannungen zwischen den verschiedenen Kulturen und Nationalitäten gebe es nicht, sagt auch Ljrie Cesmeci. Auch sie wohnt dort und betreut Familien, wenn es Ärger gibt. Sie wünscht sich mehr Polizei vor Ort.
Eine eigene Wache in dieser Straße, von der aus die Beamten beobachten, wer hier herkommt und was macht. Rainer Zottmann von der Polizei sagt, dass dort schon jetzt mehr Polizisten im Einsatz seien. Damit kann das Problem der Kriminalität aber nicht auf Dauer gelöst werden, ist er überzeugt: "Wir haben diese Erfahrungen auch in anderen Stadtteilen gemacht. Blumenthal ist kein Einzelfall, und das Muster ist immer ähnlich", erklärt er.
"Die Polizei interveniert, tritt das Feuer aus, und dann müssen die anderen, die im Stadtteil Verantwortung haben, was tun". Sozialverbände, Schulen, Ortspolitik und noch viele mehr – alle müssten an einem Strang ziehen, sagt der Chef der Schutzpolizei. So könnte wieder Ordnung einkehren und den Menschen ein besseres Leben geboten werden. Von heute auf morgen sei das aber nicht möglich, so Zottmann. So etwas könne Jahre dauern.
Reportagen zu den ethnische Konflikten und Gewalt in Bremen-Nord:
Der Brennpunkt Blumenthal, [7:32]
Rechtsfreier Raum Bremen-Blumenthal?, [2:43]
Brennpunkt Blumenthal
Überfälle und Gewalt im Bremer Norden
Die "Blumenthaler Erklärung" [PDF, 32 Kb]
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