Schwimmen für Muslimas
Für gläubige Musliminnen ist das Schwimmen in öffentlichen Bädern und unter Männern ein Problem. Zwei Bremer Vereine bieten diesen Frauen deshalb spezielle Angebote an. Der Landessportbund unterstützt das mit Mitteln aus dem Bundesprogramm "Integration durch Sport". Radio Bremen sprach mit Kirsten Wolf, Leiterin der Abteilung Integration, über Ziele und Probleme.
Kirsten Wold, Abteilungsleiterin Integration beim Landessportbund.
Radio Bremen: Frau Wolf, es gibt in Bremen etwa ein Dutzend so genannter "Stützpunktvereine". Die bekommen für bestimmte Kurse einen Zuschuss aus dem Bundesprogramm "Integration durch Sport". Was ist das Ziel solcher Angebote?
Kirsten Wolf: Da geht es immer darum, Menschen in Kontakt mit Bewegungsangeboten zu bringen, etwas für ihre Gesundheit zu tun und in sozialen Kontakt zu kommen. Es gibt viele – vor allem ältere – Frauen, die allein zu Hause sitzen und keine sozialen Kontakte haben. Über Sport ist ein gemeinsames Interesse da. Außerdem bietet sich Sport in besonderer Weise an, weil Sprachbarrieren dort keine Rolle spielen. Da wird weniger verbal kommuniziert, sondern es geht darum, zusammen Sport zu machen.
Radio Bremen: Und Frauen sind da eine besondere Zielgruppe?
Kirsten Wolf: Ja, grundsätzlich ist die Richtung: Mehr Frauen in Bewegung zu bringen, sie ausprobieren zu lassen. Es geht aber nicht nur darum, Frauen an Sport heran zu führen, sondern auch an die Vereine. Denn diese Vereinsstruktur, wie wir sie hier in Deutschland haben, gibt es in anderen Ländern gar nicht.
Da gibt es viel Unkenntnis, da fehlen Informationen. Und das ist unsere Aufgabe: für Sport und Bewegung zu werben. Wir wissen, es gibt Bewegungsarmut in Deutschland und über die Mütter kommen wir auch an die Kinder ran.
Radio Bremen: Ein Beispiel sind Schwimmkurse, die zwei Bremer Vereine speziell für muslimische Frauen anbieten. Was ist das Besondere an diesen Kursen?
Kirsten Wolf: Da bieten wir den Frauen geschützte Räume an, die tatsächlich nicht einsehbar sind und wo keine Männer dabei sind. Die Badeaufsicht führen deshalb natürlich auch Frauen. Es gibt eine Vereinbarung zwischen den Frauen, dass da keiner im Bikini kommt. Die meisten tragen eine Radlerhose und ein langes T-Shirt, manche auch ein enges Kopftuch.
Also hier setzen wir bestimmte Rahmenbedingungen, damit eine bestimme Gruppe solche Angebote auch nutzen kann. Und hier spielen religiöse Gründe durchweg eine Rolle, in dem Kurs zu schwimmen.
Radio Bremen: Im Bremer Norden hat ein anonymer Brief für Aufsehen gesorgt. Darin wurde gegen die muslimischen Schwimmerinnen aus einem dieser Kurse gehetzt.
Kirsten Wolf: Ich war entsetzt und sprachlos, als ich das gehört habe. Der Brief ist menschenverachtend und rassistisch, da fehlen einem die Worte, wenn man das liest. Deshalb finden wir das gut, dass der Verein Anzeige erstattet hat und dass er damit an die Öffentlichkeit geht.
Audio: Schwimmen für Musliminnen
Einstellungen, Infos und Kommentare
Radio Bremen: Der Verein ist ebenfalls entsetzt und vor allem auch überrascht – beim Start des Kurses vor zwei Jahren habe es Vorbehalte bei manchen Vereinsmitglieder gegeben, aber die seien schnell verhallt, sagt der Verein. Welche Erfahrungen machen Sie?
Kirsten Wolf: Wenn wir Gruppen haben, wo nur Migrantinnen drin sind, die kaum Deutsch sprechen, dann gibt es schon mal ein paar Bemerkungen. Damit haben auch in den Vereinen manche Leute Probleme. Da besteht die Angst vor Parallelgesellschaften, ethnischen Gruppen, die parallel zu den andern Sportgruppen ihren Sport machen. Aber das ist ja gar nicht Ziel unserer Arbeit.
Uns geht es immer darum, dass sich die Gruppen langfrisitig durchmischen. Manchmal funktioniert das aber nur so: Da müssen die Frauen erstmal gestärkt werden. Die brauchen Selbstbewusstsein. Es ist ja auch nicht schön, in gebrochenem Deutsch mit anderen in Kontakt zu kommen. Da gibt es eine Hemmschwelle und Schamgefühl. Deshalb finden wir das auch in Ordnung, wenn es Gruppen gibt, die erstmal unter sich bleiben.
Radio Bremen: Aber grundsätzlich ist das Ziel ein gemeinsames Training. Klappt das?
Kirsten Wolf: Es ist aber immer eine Frage der Gruppendynamik. Wenn man eine Gruppe hat, die seit zehn Jahren zusammen Sport macht, ist es schwer, da rein zu kommen für Neue. Da ist es egal, ob man Deutsch spricht oder nicht. Aber wir versuchen, Schritt für Schritt eine Öffnung hin zu bekommen. Das ist ein Prozess und dauert eine Weile. Es gibt aber natürlich auch Fälle, wo uns das nicht gelungen ist.
Hetze gegen muslimische Schwimmerinnen
Anonymer Brief sorgt für Aufsehen.
Der Landessportbund stellt sich vor
Der Dachverband der Bremer Sportvereine
Integration durch Sport
Informationen zum Programm des Bundesinnenministeriums
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