Jacobs University Bremen
Geht es nach dem Willen des Bremer Senats, bekommt die Jacobs University rund drei Millionen Euro im Jahr vom Land Bremen. Entsprechende Medienberichte bestätigt der Präsident der Universität, Joachim Treusch. "Das ist eine Zahl, von der ich nur sage, sie ist nicht weit von dem entfernt, was wir uns erhoffen", erläutert Treusch. Was noch fehlt ist aber die Zustimmung der Bremischen Bürgerschaft.
Video: Die Finanzen der Jacobs University
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Über die Absprachen zwischen Treusch und den Staatsräten wollen die verantwortlichen Politiker aber nicht reden. Im Rathaus verweist man uns an den Wirtschaftssenator, schließlich soll der das Geld bezahlen. Aber der will nichts dazu sagen. "Nicht zuständig" heißt es lapidar mit einem Verweis an die Adresse der Bildungssenatorin. Und die spielt den Ball zurück an Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Ein Hin und Her. Dabei war die Antwort vor ein paar Jahren so klar: Noch 2006 hat uns der damalige Finanzsenator Ulrich Nussbaum erklärt, dass die Universität in Bremen-Nord eine private GmbH sei. "Da gibt es Kaufleute, die für diese GmbH verantwortlich sind. Und da sehe ich nicht zunächst das Land in irgendeiner Verantwortung."
Aber was heißt schon voll privat? Privat-Universität und öffentliche Mittel sind für Joachim Treusch jedenfalls kein Widerspruch. Er gibt aber zu: Die ursprüngliche Ausformulierung sei sehr mutig gewesen. In den Gründungsjahren war nur von einer "einmaligen Anschubfinanzierung" die Rede und dann sollte Schluss mit den Subventionen sein. Als die Jacobs University als "International University Bremen“ im Jahr 2001 eröffnet wurde, gab es aus dem Bremer Haushalt 110 Millionen Euro. Danach sollte sich die Privat-Uni ausschließlich durch Studiengebühren, Forschungsgelder – so genannte Drittmittel – und Spenden finanzieren. Das tat sie aber nicht. Und so floss immer wieder staatliches Geld in die private Universität.
Allein in den letzten fünf Jahren waren es 25 Millionen Euro. Es gab aber auch immer wieder Zuschüsse für einzelne Projekte und Neubauten. Kaum jemand kann heute noch beziffern, wie viel Geld es insgesamt war. Außer vielleicht Treusch. Aber der will seine Bilanzen nicht offenlegen: "Warum sollte sich ein Unternehmer vor der Öffentlichkeit mit seinem Zahlenmaterial nackt hinstellen. Das macht wenig Sinn."
Der Präsident will auch nichts von finanziellen Schwierigkeiten wissen, obwohl einiges darauf hindeutet: Der Löwenanteil der 200 Millionen Euro Spende von Klaus Jacobs ist noch nicht ausgezahlt worden: Eigentlich wollte die Jacobs Stiftung 2011 anlässlich des zehnjährigen Jubiläums das Geld im Kapitalstock der Uni anlegen. Die Uni wollte dann von den Zinsen leben. Nur geht das Konzept nicht auf. Mangels anderer Spender und wegen der niedrigen Zinsen. Stattdessen verbraucht die Uni das Jacobs-Geld. Jahr für Jahr.
Einer, der die Geschichte der Jacobs University von Anfang an mitverfolgt hat und sich mit Finanzen hervorragend auskennt, ist Rudolf Hickel. Der ehemalige Wirtschaftsprofessor hält das Konzept der reinen Privatuniversität für gescheitert: "Ich bringe es mal auf den Punkt: Die JUB ist unter den fiskalischen Bedingungen, unter denen sie geschaffen wurde, nicht existenzfähig."
Präsident Treusch hält vehement dagegen: Er brauche die drei Millionen Euro eigentlich gar nicht. Sie seien nur ein gerechter Ausgleich. Denn die Universität bringe dem Land Bremen über zehn Millionen Euro im Jahr ein. Zum Beispiel durch Professoren, die in Bremen Einkommensteuer zahlen und durch die Studenten, die sich hier neu anmelden. Dieser gerechte Ausgleich ist allerdings auch schon zur Rechtfertigung der 110 Millionen Euro Anschubfinanzierung herangezogen worden.
Video: Politische Standpunkte
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Von einer öffentlichen Debatte wollen die verantwortlichen Geldgeber nichts wissen. Trotz der Subventionszusage wissen sie nicht einmal, was in den Verträgen mit der Jacobs Stiftung steht. Das hat eine aktuelle Anfrage der Linken ergeben. Keine Bank würde unter diesen Bedingungen einen Kredit gewähren. Aber die sind ja auch privat.
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