Tatort Kirchweyhe
Der Mord von Kirchweyhe hat Bestürzung ausgelöst – und eine beispiellose Kampagne im Internet. Rechtsextreme versuchten, die Tat zu instrumentalisieren, und auch das Opfer selbst wurde als Nazi diffamiert. Ist das Netz ein rechtsfreier Raum? Und welche Folgen hat das für unsere Gesellschaft?
Daniel S. will einen Streit in einem Diskobus schlichten, doch sein Mut wird ihm zum Verhängnis. Er wird selbst angegriffen. Der 25-jährige Lackierer aus Kirchweyhe im Landkreis Diepholz stirbt am 14. März 2013, vier Tage nach der Attacke, an seinen schweren Verletzungen. In der niedersächsischen Gemeinde herrschen Trauer und Wut. Parallel entsteht ein ganz anderes Problem: Rechte Gruppen instrumentalisieren den Tod für politische Zwecke.
Video: Streitschlichter zu Tode geprügelt
Einstellungen, Infos und Kommentare
Schnell gerät die eigentliche Tat in den Hintergrund und die türkische Herkunft des mutmaßlichen Täters spielt eine wichtige Rolle. In einigen Medien wird der 20-jährige Verdächtige und dessen Freunde als "Türken-Bande" bezeichnet. Im Internet in sozialen Netzwerken bricht eine Diskussion ungeahnten Ausmaßes los, oft mit ausländerfeindlichen Äußerungen. Daniel S. wiederum wird dort als Rechter dargestellt. Der zuständige Verdener Staatsanwalt Lutz Gaebel bestätigt allerdings, dass das Opfer in keinster Weise mit einer rechten Szene in Verbindung zu bringen ist. Es ist auszuschließen, dass die Nationalitäten bei der Tat eine Rolle gespielt haben. Trotzdem versuchen Rechte den Tod des Lackierers für ihre Zwecke zu nutzen.
Rechte Welle im Netz
Radio-Bremen-Reporter Jochen Grabler mit einer Betrachtung
Durch die Diskussionen im Internet wird auch die Trauerarbeit in der Gemeinde Weyhe behindert. Am Sonnabend nach dem Tod von Daniel S. kommen rund 1.500 Menschen am Bahnhof im Weyher Ortsteil Kirchweyhe zusammen, um bei einer Gedenkveranstaltung am Tatort zu trauern. Der Weyher Bürgermeister Frank Lemmermann (SPD) ruft die Menschen dazu auf, dabei mitzuhelfen, solche Taten künftig zu verhindern. Die Gemeinde wolle sich der Verantwortung nicht entziehen: "Wir wollen ein klares und unübersehbares Zeichen gegen Gewalt setzen."
Nordwestradio Unterwegs
Um 15:05 Uhr live aus dem Ratssaal der Gemeinde Weyhe:
Der Tod eines jungen Mannes in Weyhe und die Folgen
Bereits im Vorfeld wird auf mehreren Internet-Seiten rechtsextremer Organisationen auf eigene Mahnwachen hingewiesen. Diese sollen am gleichen Tag stattfinden, wie die Gedenkfeier der Gemeinde. Auch die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) kündigt eine Kundgebung an. Weyhe untersagt allerdings die geplanten Mahnwachen von rechts. Der Erste Gemeinderat Andreas Bovenschulte, gleichzeitig Chef der Bremer SPD: "Im Vorfeld der Veranstaltung hat es eine Welle des Hasses und des Aufrufes zu Straftaten im Internet gegeben. Uns ist das Risiko, dass es zu systematischen Straftaten im Zusammenhang mit der Durchführung der Veranstaltung kommt, zu groß." Trotzdem herrscht während der ersten Gedenkveranstaltung eine große Polizeipräsenz im Ort. Es werden mehrere Platzverweise gegen polizeibekannte Rechte ausgesprochen.
Bestürzung und Empörung in Weyhe
Andreas Bovenschulte, Erster Gemeinderat in Weyhe, im Interview
Was war passiert?
Eine Gruppe junger Menschen gerät auf der Rückfahrt von einer Wildeshausener Diskothek in der Nacht zum Sonntag, den 10. März 2013, aneinander. Angekommen am Bahnhof in Kirchweyhe eskaliert der Streit. Daniel S. will schlichten, doch dieser Versuch endet für ihn tödlich. Mit einem Tritt wird der 25-Jährige gegen einen Bus geschleudert, sein Kopf prallt auf den Asphalt. Als er auf dem Boden liegt, tritt ein junger Mann mehrmals auf ihn ein. Wie die Staatsanwaltschaft später bestätigt, ist zwar Alkohol im Spiel, aber "nicht im beträchtlichen Maße." Vier Tage nach der Tat stirbt Daniel S. an seinen schweren Kopfverletzungen in einem Bremer Krankenhaus. Der mutmaßliche 20-jährige Haupttäter sitzt in Untersuchungshaft. Gegen den Mann aus Weyhe wird wegen versuchten Mordes ermittelt.
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