Ich hatte eine Farm in Afrika
Eberhard Kulenkampff war viele Jahre Staatsrat in Bremen, danach war er Chef der Wohnungsbaugesellschaft "Gewoba" und jetzt schreibt er seine Memoiren, in denen vor allem Afrika eine große Rolle spielt: Denn die Kulenkampffs sind in den 1920er Jahren nach Namibia ausgewandert. Eberhard Kulenkampff ist dort 1927 geboren worden und sagt heute noch: Namibia ist meine Heimat.
Wenn Kulenkampff seinen alten Lederkoffer aufmacht, dann ist sie plötzlich wieder da: Seine Kindheit in Afrika. "Ich konnte mir überhaupt nichts anderes vorstellen, als auf dieser Farm zu leben und Schafe und Kühe und Esel und Pferde um mich zu haben. Die Idee, dass man irgendwo anders auf der Welt leben könnte, war mir völlig abwegig", erzählt er. Kulenkampff kommt aus einer alten Bremer Kaufmannsfamilie, die in den 1920er Jahren ihr Vermögen verlor. Die Inflation hatte es vernichtet. Eberhards Vater, Alfred Kulenkampff, ging nach Namibia und kaufte dort günstig eine Farm aus der nackten Not heraus. Er emigrierte mit seiner jungen Frau und immerhin schon sieben Kindern – das Jüngste war gerade ein paar Monate alt. In Namibia folgten rasch Kinder acht, neun und zehn. Für die Kinder begann eine wilde und unbeschwerte Zeit.
Video: Bremer Farm in Afrika
Einstellungen, Infos und Kommentare
Eberhard, hier rechts im Bild, kam in Namibia zur Welt. Dort lebte damals schon der Bruder der Mutter und seine Cousins und Cousinen, bald schon mehr als eine Fußballmannschaft. Innen Bremen, außen Afrika – so lebte man damals. Eberhard Kulenkampff berichtet von dem Kontrast zwischen Afrika und Bremen: "Es ist natürlich ein totaler Kontrast zwischen der Häuslichkeit, die bürgerlich, bremisch geprägt, gemütlich, sicher und warmherzig war und drumherum die wilde Natur. Diese Savannenlandschaft, Dornbüsche, Steine – und wenn man ein paar hundert Meter vom Haus weg war, gab es kein Anzeichen, ob da je Menschen gewesen waren. Unsere Farm war genauso groß, wie das Stadtgebiet von Bremen. Da wohnt dann eine Familie, beispielsweise am Dom, und die Farm geht dann von Mahndorf nach Blumenthal und von Huchting bis Oberneuland. Das war sozusagen der Lebensraum und der Spielplatz".
Eine große Familie: Auf der Farm leben auch Eberhards Cousins und Cousinen.
"Ich muss gestehen, dass wir mit den schwarzen Kindern nicht gespielt haben. Die haben für sich gespielt und wir haben für uns gespielt. Es ist ja überall so, dass die, die in der Diaspora leben noch intensiver ihrem Stamme angehören als die anderen. Für uns war es immer sehr wichtig, dass wir Deutsche waren. Und Deutschland war halt das Nazi-Deutschland. Insofern wurde da überhaupt kein Unterschied gemacht, ob da ein Kaiser regierte oder ein Führer oder ein Präsident. Das war Deutschland", erzählt Kulenkampff.
Große Kinder, mit Augen so blau, dass sie sogar auf schwarz-weiß-Fotos noch leuchten. Das ist auch den Nazis nicht verborgen geblieben. Die Kulenkampffs wurden zu Vorzeige-Siedlern und schafften es auf das Titelblatt einer Nazi-Postille – heute eine zweifelhafte Ehre. Der zweite Weltkrieg veränderte alles für Kulenkampff. Noch in den letzten Kriegsmonaten kam er nach Deutschland und wurde eingezogen. Der Junge aus Namibia wurde auf dem Weg nach Russland angeschossen und verlor ein Bein. So blieb er in Deutschland und studierte Architektur. Wenn der Krieg nicht gewesen wäre, vielleicht wäre er dann immer noch auf seiner Farm in Afrika. Die Mauern, die die Familie damals mühsam aufgeschichtet hat, stehen noch. Die Farm ist bis heute im Familienbesitz. Esel gibt es noch, aber keine Kühe mehr. Die Zukunft der Farm liegt im Tourismus. Natürlich hat Kulenkampff die Farm ab und zu besucht. Außen Afrika, innen Bremen – und umgekehrt.
Außen Afrika, innen Bremen – und umgekehrt.
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