Oldenburg vor 80 Jahren
Am 20. September 1932 sorgte der Vortrag des schwarzen Missionspredigers Robert Stephen Kwami in der St.-Lamberti-Kirche in Oldenburg für Aufregung. Von Seiten der NSDAP-Regierung des Freistaates Oldenburg und der Polizei wurde schwer Stimmung gegen den Auftritt gemacht.
Missionsprediger Robert Stephen Kwami
So voll wie an diesem Tage war es selten zuvor in der St.-Lamberti-Kirche in Oldenburg. Zwischen zwei- und dreitausend Gläubige und Interessierte strömten herbei, um den schwarzen Geistlichen Robert Stephen Kwami zu hören. Der Afrikaner war auf einer Vortragsreise durch Deutschland, um über seine Arbeit in Togo zu berichten. Die Oldenburger NSDAP hatte jedoch im Vorfeld vehement versucht, die Veranstaltung zu verhindern. Der kurz zuvor zum Ministerpräsidenten Oldenburgs gewählte Carl Röver verurteilte den geplanten Auftritt des Missionars öffentlich schwer .
Röver sprach davon, dass es eine Schande sei, einem Menschen niedrigster Rasse den Zugang zu einem Gotteshaus, einem der, der deutschen Rasse, höchsten Orte zu gewähren. Auch war es für ihn ein Unding, dass dieser Mensch zu deutschen Kindern sprechen dürfe. Aus seinen Erfahrungen als Kaffeekaufmann in Afrika dozierte der tiefrassistische Röver, dass "ein Neger immer ein Neger" bliebe, egal ob getauft oder nicht. Mit Blick auf die Kirche, die zum Einen den, in seinen Augen minderwertigen Menschen überhaupt erst in das Gotteshaus eingeladen und sich dann zu allem Überfluss noch für ihn starkmachte, sagte Röver, dass die Entscheidung, Kwami auftreten zu lassen, als "Dummheit oder Frivolität, die eigentlich mit Zuchthaus bestraft werden müsse" und drohte, man werde "mit diesen Leuten kurzen Prozeß machen, die es wagen, die Weißen mit dem Neger auf eine Stufe zu stellen".
Oldenburger NSDAP-Zeitung "Der Freiheitskämpfer"
Auszug vom 20.September 1932
Beilage "Der Freiheitskämpfer" vom 20. September 1932 [PDF, 1.214 Kb]
Die Kirche allerdings sah sich nicht gezwungen, sich dem Druck der Antisemiten zu beugen, sondern stellte sich im Gegenteil geschlossen hinter Robert Kwami. Der Pastor von St.-Lamberti, Erich Hoyer, forderte Röver in einem offenen Brief auf, "die Worte, die eine Bedrohung von Sicherheit und Leben eines pflichtgemäß handelnden oldenburgischen Staatsbürgers enthalten, mit dem klaren Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen." Dieser Brief, die Geschlossenheit der Kirche sowie das außerordentliche Publikumsinteresse an Kwamis Vortrag sorgten dafür, dass in ganz Deutschland und sogar in den Niederlanden und Großbritannien die Medien über die später sogenannte "Kwami-Affäre" berichteten.
Da Röver, anders als von Pastor Hoyer gefordert, seine Worte nicht zurücknahm, strengte die Kirche ein Gerichtsverfahren gegen den NSDAP-Mann an. Dieses wurde jedoch vielfältig behindert, so verschwand unter anderem das offizielle Stenogram von Rövers Rede und das Staatsministerium griff massiv in die laufenden Untersuchungen ein. Der Anwalt der Kirche hatte große Mühe, das Verfahren überhaupt am Laufen zu halten und Ende Dezember 1932 wurde es im Rahmen einer Weihnachtsamnestie komplett eingestellt.
Robert Stephen Kwami äußerte sich rückblickend in einem Gemeindeblatt durchweg positiv über seinen Auftritt in Oldenburg: "Und man hat mich in keiner Stadt mit größerer Freude empfangen als in Oldenburg. Menschen, die sonst nicht zur Kirche gehen, kamen, sodass die Kirche brechend voll war. Viele fanden keinen Platz mehr und mussten während des ganzen Gottesdienstes stehen. Mein Herz war voll Freude und Dank gegen Gott. Eine große Schar Gottesdienstbesucher wartete draußen in der Kälte, bis ich heraus kam, und wünschte mir gute Reise und Wohlergehen mit großer Begeisterung."
20. September 1932: Nationalsozialisten gegen schwarzen Pfarrer, [2:50]
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