Lärm
Unsere Ohren sind rund um die Uhr gefordert
Straßenverkehr, Radiomusik, bellende Hunde, Stille. Wir sind umgeben von Geräuschen, die wir mal mögen, mal als störend empfinden – je nachdem, in welcher Situation wir gerade sind. So empfinden wir beispielsweise das Zwitschern der Vögel bei einem Spaziergang im Park als beruhigend. Frühmorgens jedoch, wenn wir lange schlafen möchten, kann uns dasselbe Geräusch die Laune verderben. Warum können Geräusche krank machen? Und warum nehmen wir sie so unterschiedlich wahr?
Wird ein physikalisch beschreibbares Schallereignis für den Hörer als lästig empfunden, so wird dieses als Lärm bezeichnet. Doch Lärm ist nicht nur ein subjektives Empfinden, sondern eine messbare Größe. So führt eine Lautstärke von 65 Dezibel pro Stunde zu nachweislichen Gesundheitsschäden. Einzelheiten erklärt der Psychologe und Psychoakustiker August Schick von der Universität Oldenburg:
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Schon die kleinsten merken, wann´s zu laut ist
Forschungen zufolge verändert sich das Verhalten des Menschen in stark lärmenden Situationen. Je lauter die Umgebung, desto geringer die Hilfsbereitschaft, so eines der Ergebnisse. Auch konnte nachgewiesen werden, dass oft diejenigen Jugendlichen ein hohes Aggressionspotential zeigten, die als Kinder schon früh starkem Lärm ausgesetzt worden waren. Doch auch dort, wo es still und geräuschlos ist, können Menschen körperliche und seelische Probleme bekommen. Andrea und Justin Westhoff haben sich mit Lärm und Stille als kulturelle und psychologische Phänomene auseinandergesetzt.
Lärm und Stille (von Andrea und Justin Westhoff)
Wir leiden unter "Lärmverschmutzung", meint der Psychiater Hinderk Emrich von der Medizinischen Hochschule Hannover. Menschen können durch Lärm krank werden. Sie werden nicht nur schwerhörig oder sind gestresst. Manche reagieren sogar psychosomatisch, beispielsweise mit Infektionskrankheiten. Im Gespräch erklärt er, warum insbesondere die Geräusche belasten, die wir nicht kennen, und warum die Stille und der Schlaf zur Erholung so wichtig sind.
Tobias Nagorny im Gespräch mit dem Psychiater Hinderk Emrich, [10:30]
Seit rund zehn Jahren bemühen sich in Oldenburg Wissenschaftler intensiv, hörgeschädigten Menschen wieder Hörgenüsse zu verschaffen. Im "Haus des Hörens" entwickeln sie Geräte, die zumindest eine Annäherung an die volle Hörfähigkeit ermöglichen. Dabei beziehen sich die Wissenschaftler unter anderem auf Ergebnisse aus Hirnforschung und Psychologie. Doch auch das Gehör von Wüstenrennmäusen wird untersucht. Denn diese haben sehr ähnliche Frequenzbereiche wie der Mensch.
Das Haus des Hörens in Oldenburg (ein Beitrag von Thomas Kleinspehn), [28:55]
Wie klingt Zuverlässigkeit? Oder Geborgenheit? Oder Zuversicht? In der Werbung sorgt ein bestimmter Sound für einen Wiedererkennungseffekt beim Verbraucher. Doch bei der Gestaltung dieser Produkt-Geräusche ist Sensibilität sehr wichtig, so Carl-Frank Westermann, Experte für akustische Kommunikation. Im Gespräch erklärt er, warum das Telekom-Logo so erfolgreich ist und warum das Geräusch einer Klospülung Heimatgefühle erzeugen kann.
Tobias Nagorny im Gespräch mit Carl-Frank Westermann, [13:18]
Der New Yorker Times Square gilt als einer der lautesten Orte der Welt. Genau das wurde jetzt für ein Experiment genutzt: Sechs Wochen lang waren die New Yorker dazu aufgefordert, dort Geräusche aufzunehmen, sei es von quietschenden Turnschuhen, der ohrenbetäubenden Subway oder von den Stimmen der Verkäufer und Weltbeschwörer. Auf einer Internetseite können alle Geräusche heruntergeladen und gemixt werden. Herausgekommen ist dabei so manche Symphonie.
Urban Remix (eine Reportage von Claudia Sarre), [3:24]
Zur Hompage von "Urban Remix"
Jede Epoche hat ihre eigenen Geräusche und Klänge. So lobte beispielsweise der Dichter Vergil den zivilisatorischen Fortschritt der Metallverarbeitung. Sein Zeitgenosse, der Philosoph Cicero, litt dagegen unter dem Lärm der Handwerker und pries die Gehörlosen. Noch fast zwei Jahrtausende später bezeugte der Philosoph Arthur Schopenhauer den besonders lärmempfindlichen Menschen eine höhere Geisteskraft. In ihrem lesenswerten und unterhaltsamen Buch "Nur im Weltall ist es wirklich still" beschreibt Sieglinde Geisel das Verhältnis des Menschen zur Akustik seiner Umwelt – von damals bis heute.
Nur im Weltall ist es wirklich still (Buchtipp von Torsten Tullius), [3:40]
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