Behinderten-Integration in Bremen
Im Januar übernimmt der Martinshof in Bremen den Betrieb der Asservatenkammer. Hier werden die Beweismittel für Polizei und Staatsanwaltschaft aufgehoben. Der Martinshof ist mit 2.200 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung. Die Asservatenkammer im Bremer Polizei-Präsidium wurde eigens für die neuen Mitarbeiter umgebaut. Die Eröffnung feiert der Martinshof am Montag. Radio-Bremen-Reporter Sven Weingärtner im Gespräch mit Wilfried Hautop, dem Geschäftsführer der Wektstatt über die neuen Aufgaben.
In den Werkstätten des Martinshofs sollen Menschen mit Behinderung einen Arbeitsalltag erlernen.
Radio Bremen: Was ist in der Asservatenkammer genau zu tun?
Wilfried Hautop Hier werden die Gegenstände aufbewahrt, die von der Polizei beschlagnahmt werden, und die für ein späteres Verfahren benötigt werden. Wir kriegen das von den Polizisten gebracht und lagern die Dinge ein. Das kann ein kleiner Schraubendreher sein oder Pflanzen, aber auch große Autoteile oder halbe Fahrzeuge. Eben alles, was in polizeilichen Ermittlungen vorkommt. Und wenn dann das staatsanwaltliche Verfahren beginnt, und das Beweismittel benötigt wird, dann liefern wir das zeitgerecht wieder aus. Im Grunde heißt das: einlagern, gut aufbewahren und zum richtigen Zeitpunkt wiederfinden.
Radio Bremen: Das klingt so einfach – aber dafür braucht es doch auch eine große Sorgfalt und es darf nichts verschwinden. Können das Ihre Mitarbeiter?
Wilfried Hautop: Natürlich ist da eine große Sorgfaltspflicht erforderlich. Und eine gute Dokumentation. Aber dass unsere Mitarbeiter etwas mit nach Hause nehmen, ist völlig ausgeschlossen. Qualität und Zuverlässigkeit sind wichtig – das wir das können, haben wir auch schon bei anderen Auftraggebern bewiesen, beispielsweise bei Mercedes. Und mit der Bremer Polizei arbeiten wir schon ein gutes Jahrzehnt zusammen.
Radio Bremen: Sie klingen sehr stolz.
Wilfried Hautop: Darauf sind wir ehrlich gesagt auch stolz. Bundesweit werden Sie das nicht so oft finden, dass Staatsanwaltschaft und Polizei einer Werkstatt für Behinderte, die ja eher so ein Besen-Bürsten-Pinsel-Image hat, mit einer solchen Aufgabe betrauen. Das hat ein Jahrzehnt der Vertrauensarbeit auf beiden Seiten erfordert. Und ich bin auch stolz, dass zu unserer Einweihung der Innensenator, der Polizeipräsident, der Justiz-Staatsrat kommen. Das zeigt. dass der Martinshof als zuverlässiger Geschäftspartner anerkannt ist.
Zehn Jahre Zusammenarbeit
Inzwischen werden rund 70 Beschäftigte vom Martinshof bei der Bremer Polizei eingesetzt – bei einem Auftragsvolumen im Umfang von mehr als 300.000 Euro. 2002 hat der Martinshof die Pflege der Polizeiautos übernommen. 2003 wurde die gemeinsame Druckerei auf dem Gelände der Polizeipräsidiums eröffnet – dort arbeiten 30 Beschäftigte. 2005 kam die Grundstückspflege um das Polizeipräsidium dazu. In der Asservatenkammer sollen acht Beschäftigte arbeiten.
Radio Bremen: Was bedeutet das denn für die Integration der Behinderten in Bremen?
Wilfried Hautop: Ich bin da pragmatisch: Das ist ein langer Weg, aber es geht in die richtige Richtung: Sich aus den Werkstatt-Räumen zu entfernen und in die Betriebe rein. Jetzt können die Beschäftigten sagen: "Ich arbeite bei der Polizei“. Das ist ein ganz wichtiges Ding. Ich finde, Menschen mit Handicap sollen ganz stolz ihrem Nachbarn erzählen können, wo sie arbeiten. Dann haben wir schon ganz viel erreicht. Wenn wir sie in die Mitte unserer Stadt stellen und nicht vor die Stadt, abseits in einer Einrichtung – ja, dann haben wir schon ganz viel erreicht.
Menschen mit Behinderung sichern Beweismittel
Webseite Werkstatt Bremen/Martinshof
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