Plastische Chirurgie
Sie schenken Kindern in Afrika oder Indien ihr Lachen wieder. Sie opfern die Hälfte des Urlaubs, um ehrenamtlich in Entwicklungsländern zu helfen: Plastische Chirurgen vom gemeinnützigen Verein Interplast. Einer von ihnen ist André Borsche. Chefarzt in Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz.
Ein Arzt von Interplast Germany untersucht ein verbranntes Kind in Indien.
Radio Bremen: In Deutschland haben Sie es auch mit Schönheits-Operationen zu tun. Wenn Sie in Krisengebiete reisen, helfen Sie Kindern, die beispielsweise durch den Krieg entstellt wurden. Wie gelingt Ihnen dieser Spagat?
André Borsche: Der Spagat gelingt deswegen, weil sie aufgeladen sind von den vielen bewegenden Eindrücken. Wenn sie dann bei den Patienten in Deutschland erkennen, dass auch sie einen hohen Leidensdruck haben, dann hilft man gerne. Wenn eine Frau zu mir kommt, die drei Kinder gestillt hat und der die Brüste weggeschrumpft sind, dann leidet diese Mutter. Wenn ich dann jemandem helfen, tut sich eine neue Welt auf, und die Menschen sind dankbar. Es ist natürlich nicht vergleichbar, weil die Menschen in Krisengebieten mit sehr schrecklichen Entstellungen zurechtkommen müssen.
Radio Bremen: Wie lang liegt die letzte OP in einem Krisengebiet zurück und was haben Sie genau gemacht?
André Borsche: Wir waren zuletzt im Februar in Indien. In einer ländlichen und ärztlich vernachlässigten Region. Dort haben wir in einem Krankenhaus mehrere hundert Menschen mit Verbrennungen und Lippenspaltungen versorgt. In Entwicklungsländern haben Menschen oft Verbrennungen, weil sie häufiger mit offenem Feuer oder heißem Wasser hantieren. Das schwierige ist, dass wir Prioritäten setzen müssen, weil wir nicht jeden in den zwei, drei Wochen behandeln können.
Radio Bremen: Was würde so ein Eingriff in Deutschland kosten?
André Borsche: So ein Einsatz kostet etwa 15.000 Euro. Wir versuchen im Schnitt etwa hundert Patienten zu versorgen. In Deutschland kann ich damit vielleicht ein, zwei Patienten versorgen.
Radio Bremen: Die meisten der Patienten in Krisengebieten sind Kinder. Was sind die Hauptprobleme?
André Borsche: Viele Kinder haben angeborene Probleme wie Lippen-, Kiefer- oder Gaumenspalten. Dazu kommen jede Art von Tumoren am Körper, handchirurgische Fehlbildung und häufig auch Verbrennungen.
Radio Bremen: Kommen diese Probleme häufiger vor als bei uns?
André Borsche: Nein, es gibt da keinen Unterschied. Nur bei uns werden die Kinder sofort versorgt. Es gibt sogar Großväter, die uns mit weit auseinanderstehenden Lippen entgegenlachen. Das könnte man mit einer zweistünden OP wieder herrichten.
Radio Bremen: Sie opfern regelmäßig die Hälfte Ihres Jahresurlaubs, um ehrenamtlich Menschen in Tansania, Nigeria oder Indien zu operieren. Was motiviert Sie?
André Borsche: Man kann einfach so konkret helfen. Es gibt dort so viel Dankbarkeit von Menschen. Und am Ende werden beide Seiten beschenkt. Der Operateur und auch der Patient. Oft können die Menschen gar nicht glauben, dass die Hifle kostenlos ist. Es kommt sogar vor, dass sie bis zuletzt zittern, weil sie Angst haben, dass sie doch noch bezahlen müssen.
Interplast
Die Arbeit von Interplast Germany e.V. basiert auf freiwilligem unentgeltlichem Engagement der Mitglieder. Die entstehenden Kosten werden durch Spendengelder sowie den Jahresbeitrag der Mitglieder finanziert. Pro Einsatz im Ausland machen sie bis bis zu 150 Operationen.
Radio Bremen: Was war Ihr schlimmstes Erlebnis?
André Borsche: Bei einem 16-jährigen Kind in Indien war der komplette Kopf verbrannt. Wir haben lange überlegt, ob wir diesen Eingriff machen. Dann haben wir uns dafür entschieden. Einige aus unserem Team haben sogar Blut gespendet. Eine Woche später kam dann die traurige Nachricht, dass das Mädchen nicht überlebt hat. Die Mutter hatte ihre Tochter einfach aus dem Krankenhaus geholt. Das war viel zu früh. Für uns war das eine Katastrophe, weil wir eine Woche ums das Leben des Kindes gekämpft haben.
Radio Bremen: Was war Ihr schönstes Erlebnis?
André Borsche: Das fängt fast genauso an. Ein kleiner Junge aus Runada war ins Feuer gefallen. Danach wollte niemand mehr etwas mit dem Kind zu tun haben, weil es entstellt war. Wir haben auch in diesem Fall lange überlegt, ob wir helfen können. Es hat aber geklappt. Drei Jahre später haben wir allerdings Fotos erhalten und gesehen, dass er weiter behandelt werden muss. Wir haben ihn nach Deutschland geholt und ihm eine neue Nase konstruiert. Aus einem Finger haben wir das Nasengrüst gebaut. Außerdem haben wir ihm die Augen geöffnet, damit er wieder sehen kann. Jetzt ist er bestens integriert. Ich habe gerade erst wieder Fotos bekommen. Der Junge ist bester Dinge.
Radio Bremen: Warum sind diese Einsätze so wichtig?
André Borsche: Sie schließen eine Lücke zwischen unserer Welt und der Welt da draußen, die wir im Fernsehen und in Büchern sehen. Wenn ich selbst die Ärmel hochkrempeln kann, weiß ich, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe und als Mensch helfen kann. Wir wollen den Ärzten vor Ort auch viel von unserem Wissen und der Technik nahebringen. Das klappt inzwischen ganz gut. Ziel ist natürlich, dass unsere Hilfe in den Krisengebieten irgendwann überflüssig wird. Das ist aber noch ein langer Weg.
Radio Bremen: Gibt es Operationen in Kriegsgebieten, die Sie in Ihrer Arbeit in Deutschland weiterbringen?
André Borsche: Jede Erfahrung, gerade bei extremen Krankheitsbildern, kommt auch unseren Patieten zugute. Denn wir werden in komplizierten Situationen sicherer. Dadurch fallen einem auch die normalen Eingriffe in Deutschland leichter. Es sind aber keine Experimentiereinsätze, denn man muss auch in Krisengebieten sicher agieren. Es gibt dort kein Netz und doppelten Boden.
Radio Bremen: Sie kehren von einem Einsatz für Interplast aus Afrika zurück. Dort haben Sie ein Kind mit einer Gesichtsfehlbildung operiert. Im heimischen Bad Kreuznach klopft dann ihr nächste Patientin an die Tür und möchte eine Brustvergrößerung. Wie legen Sie den Schalter um?
André Borsche: Erst einmal hole ich tief Luft. Manche Patienten entschuldigen sich sogar, weil sie über meine Einsätze im Ausland wissen. Wenn ich aber ein starkes Bedürfnis erkenne, dann widme ich mich mit Herz und Seele der Patientin. Aber es bleibt natürlich der Gedanke, dass wir eher kleine Probleme haben als beispielsweise Meschen in Afrika, die oft ums Überleben kämpfen.
Gebrochene Beine für mehr Körpergröße
Männer holen bei Schönheitsoperationen auf
Webseite der Organisation Interplast
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