Glück oder Geschick?
Pokern liegt im Trend. Und das nicht erst, seitdem der Student Pius Heinz 6,3 Millionen Euro beim Spielen gewonnen hat. Aber war das Können oder Glück? Für Pokerspieler ist die Sache klar: Wie das Spiel ausgeht, das haben sie in großen Teilen selbst in der Hand. Für ein Team von Wissenschaftlern der Uni Bremen ist das eine Illusion. Sie kommen zu anderen Ergebnissen. Ob jemand gewinnt ist im wesentlichen Glück. Eine kleine Reise durch die Welt des schönen Scheins...
Zwei gute Startkarten entscheiden oft das Spiel. Herz-Fünf und Kreuz-Sieben sind gut für eine Straße.
Viele Spieler träumen vom schnellen Geld, mühelos zur Million – ohne großen Aufwand und mit Können. Anders als beim Lotto: 13.983.816 zu 1 beträgt dort die Wahrscheinlichkeit auf einen "Sechser". Also: ein ziemlich unwahrscheinliches Ereignis. Wie aber sieht es beim Pokern aus? Für Schlagzeilen sorgte vor kurzem der Kölner Student Pius Heinz. Der Berufsspieler hatte in Las Vegas die richtigen Karten in der Hand, hoch gepokert und viel gewonnen. Glück oder Können? Bevor wir darauf eingehen, müssen Sie das Spiel verstehen. Die beliebteste Variante des Pokerns heißt "Texas hold'em". Die funktioniert so:
Dies ist eine Variante bei der fünf Karten von einem Stapel, in drei Runden (Flop, Turn und River) nach und nach aufgedeckt – und offen auf den Tisch gelegt werden. Jeder Spieler bekommt zwei Startkarten. Ziel ist es, zusammen mit den fünf Karten auf dem Tisch ein Pokerblatt zu bilden. Dabei besteht das Pokerblatt ebenfalls aus fünf Karten. Jeder Spieler kann also mit seinen zwei Karten und drei beliebigen Karten auf dem Tisch die beste und gewinnträchtigste Kombination bilden. Die Chance, ein richtig gutes Blatt zu erwischen, ist also dann am größten um so länger man im Spiel bleibt. Denn erst am Ende liegen alle fünf Karten offen auf dem Tisch. In jeder Runde wird eine Karte aufgedeckt.
Das Spiel beginnt. Sie sind Spieler 1 und spielen gegen Spieler 2. Schauen sie in ihre Karten.
So funktioniert "Texas Hold'em"
Glück oder Können?
Profisspieler behaupten von sich selbst gern, Poker zu beherrschen. Der Fachpsychologe Gerhard Meyer von der Universität Bremen hält das für eine Illusion und das Kartenspiel für reine Glückssache: "Insgesamt spielt beim Poker die individuelle Kompetenz zwar auch eine Rolle, die Kartenverteilung hat jedoch – zumindest auf kurze Sicht – einen sehr viel größeren Einfluss auf das Spielergebnis." In seiner Untersuchung kommt der Bremer Professor zu dem Ergebnis, dass Poker zwar auch etwas mit Geschicklichkeit zu tun hat, aber letztendlich ein Glücksspiel ist. Das Suchtpotential sei dementsprechend groß. In einer repräsentativen Studie unter der deutschen Bevölkerung sei Poker von Spielsüchtigen an zweiter Stelle der problemverursachenden Spielformen genannt worden, nach Geldspielautomaten. In Deutschland gibt es rund 580.000 Pokerspieler. Die meisten spielen online – und um Geld, obwohl das illegal ist.
Pokern – ein Glücks- oder ein Geschicklichkeitsspiel?, [3:12]
Interview mit Gerhard Meyer
Die Sucht nach dem Poker-Glück
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