Nach dem Spiel gegen Köln
Bremer Fans zündeten Feuerwerkskörper im Mönchengladbacher Stadion.
"Fußballdeutschland: Es ist Zeit, endlich einmal ernsthaft über Pyrotechnik zu reden." So begrüßt die Kampagnenseite "Pyrotechnik legalisieren" ihre Besucher – als würde über Feuerwerkskörper in Sportarenen nicht schon lange heftig diskutiert. Die Auseinandersetzung um Pyrotechnik als Ausdrucksmittel der Fans ist so alt wie das erste Auftauchen von Böllern und Bengalos am Spielfeldrand. Die Fußballszene in den Stadien und in den Internetforen ist gespalten, auch nach dem aktuellen Pyro-Verbot des DFB.
In Bremen war das Thema am Wochenende besonders heiß. Der 1. FC Köln traf auf Werder Bremen. Damit kamen Gäste ins Weser-Stadion, deren Fans als besonders aktive Pyrotechniker bekannt sind. Das führte zu einem Großeinsatz der Polizei. Erstmals wurden bei den Stadionkontrollen auch Spürhunde eingesetzt, die Sprengstoff erkennen können.
Sprengstoffhunde gegen Pyrotechnik, [2:44]
Damit setzte die Polizei das hausrechtliche Pyrotechnik-Verbot in Stadien durch, das laut Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Deutscher Fußball-Liga (DFL) auch weiter gelten soll. Darüber hinaus ist das Abbrennen etwa Bengalischer Feuer per Gesetz nur Personen mit entsprechender Erlaubnis nach dem Sprengstoffrecht erlaubt. Die in Stadien eingesetzten Bengalischen Feuer sind außerdem häufig nicht zugelassene Importe.
Die Befürworter der Kampagne "Pyrotechnik legalisieren" sind sich aber sicher, dass Pyrotechnik in Stadien möglich sein könnte: Es bestehe "die rechtliche Möglichkeit, eine Anfrage auf die Nutzung bestimmter Pyrotechnik zu genehmigen, wenn vor Ort der Verein, Sicherheitsberater, Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt zugestimmt haben", schrieben die Aktivisten in einer Pressemeldung kurz nachdem der DFB den Feuerwerkern eine definitive Absage erteilt und die Pyro-Debatte für beendet erklärt hatte.
Doch in den Web-Foren geht die Debatte unvermindert weiter. Feuerwerke auf den Rängen finden dabei auch bei Bremer Fans viel Zustimmung: "Pyros sind toll, so lange man damit seine Leidenschaft und Freude gegenüber seines Vereins widerspiegelt. Aber das Benutzen eines Bengalos als Waffe ist asozial", schreibt der User "Mistri" in einem der vielen Werder-Bremen-Foren. "Bremerjunge" findet: "Pyroaktionen sind schon immer sehr schön anzuschauen. Bin auch ein Freund von Pyroaktionen in Stadien, so lange dieses im Block geschieht und nichts aufs Spielfeld oder in gegnerische Blöcke fliegt."
"Manche Leute finden sowas, egal, wie viele Argumente es dagegen gibt, einfach nur geil, und natürlich zählt dann nur die eigene Meinung, und Gesetze, Gesundheit, Regeln, andere Fans, das Spiel etc. sind dann natürlich egal", kritisiert "Silvery". "*Eisbaer*" ist sich sicher: "Es ist verboten und schadet uns mehr, als dass es hilft. Das sind einfach Fakten." Unmittelbar negative Wirkungen auf ein Spiel glaubt "Exilbremer" zu erkennen: "Wer auch immer das Feuer gezündet hatte - er muss sich bewusst sein, das Werder daraufhin seinen Spielfluss verlor ... und das 0:1 fiel ...", schreibt er in einem Fan-Forum.
Pyro in der Diskussion: Die Werder-Foren behandeln das Thema kontrovers.
Werder Bremen gibt sich beim Thema Pyro kompromisslos. "Es ist einfach zu gefährlich und muss unterbunden werden. Temperaturen über 1.000 Grad sind im Stadion nicht zu handhaben", sagte Werder-Boss Klaus Allofs im "Sportblitz" von Radio Bremen. Der Verursacher soll nach Vorstellung des Vereins für die Strafe aufkommen. Ein erstes Beispiel hat es schon gegeben. Beim Pokalspiel gegen den FC Heidenheim konnte ein Werder-Fan beim Abbrennen von Pyrotechnik identifiziert werden. Er muss nun die 4.000 Euro Strafe zahlen, die der DFB nach der Partie verhängt hatte. Auch in kommenden Fällen soll so verfahren werden.
Jannis Busse von der Kampagne "Pyrotechnik legalisieren" gibt trotzdem nicht auf. "Wir haben ja erstmal nichts zu verlieren", sagte er dem Magazin "Stadionwelt". Und: "Pyrotechnik wird schon seit sehr langer Zeit eingesetzt und wird auch in Zukunft gezündet, trotz aller Strafen", ist er überzeugt. Der Fan "T--X" pflichtet dem Aktivisten in einem Werder-Forum bei: "Abschließend möchte ich nochmal sagen, dass ohne Ultras die Stimmung im Stadion richtig schlecht wäre."
Video: Vereine, Politiker und Polizei fahren jetzt eine harte Linie gegen Pyrotechnik.
Einstellungen, Infos und Kommentare
Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) will verstärkt gegen gewaltbereite Fans in Fußballstadien vorgehen. "Da können wir nicht mehr von Fans sprechen, das sind autonome Fußballchaoten", sagte Schünemann. Diese müssten erkannt und von den Stadien ferngehalten werden. Zudem müsse der gefährliche Einsatz von Feuerwerkskörpern konsequent verhindert werden. Bei zahlreichen Spielen der Fußballbundesliga war es in den vergangenen Wochen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und den Einsatz von Feuerwerkskörpern gekommen. Fußball sei in den vergangenen Jahren zunehmend ein Sport für die ganze Familie geworden, sagte der Minister. "Um so bedauerlicher sind die Szenen der letzten Wochen." Landesweit stünden rund 1.300 gewaltbereite und straffällige Fußballanhänger unter Beobachtung der Polizei.
Sportblitz-Interview mit Klaus Allofs, [3:34]
Sprengstoffspürhunde gegen Pyrotechnik
Werder macht Fan regresspflichtig
Homepage der Initiative "Pyrotechnik legalisieren"
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