Schönheitsoperationen
Plastische Chirurgen nähen nach einem Unfall Gliedmaßen wieder an oder rekonstruieren sogar ganze Gesichter. Zu ihrem Job gehört aber auch das "Körpertuning": Brustvergrößerung, Facelifting, Fettabsaugen. Fast 500.000 Deutsche legen sich jedes Jahr unters Messer. Ein boomendes Geschäft und ein teilweise hart umkämpfter Markt. Oft locken Ärzte sogar mit Dumpingpreisen und Gutscheinen. "Unseriös", sagt Peter Vogt, Chef eines Fachverbands der Chirurgen.
Ein Silikon-Implantat wird vor dem Einsetzen in die Brust mit Jod desinfiziert.
Mini-Facelifts, körpereigenes Fett statt Brustimplantat und "Nadeln" zur Hautverjüngung. Das sind laut Vogt die aktuellen Trends bei Schönheitsoperationen in Deutschland. Deutlich drastischer sind die Eingriffe in Ländern wie China, Iran oder Japan. "Dort wollen viele europäisch aussehen", erklärt der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) die Vorlieben in anderen Nationen. Iraner lassen sich häufig die Nase machen.
In China gehen Frauen teilweise sogar so weit, dass sie sich die Beine brechen lassen, um danach ein paar Zentimeter größer zu sein. "Bis zu zehn Zentimeter sind möglich. Allerdings drohen bei Komplikationen Fehlstellungen", sagt Vogt. In Deutschland sei das aber als Schönheits-OP unvorstellbar. "Solch ein Eingriff wird nur vorgenommen, wenn er medizinisch notwendig ist, zum Beispiel nach einem Unfall." Die asiatischen Länder sind nach seinen Erfahrungen ein großer Wachstumsmarkt. "Die schöne Nase gilt dort als Statussymbol."
Brust, Nase oder Fettpolster - inzwischen hat sich ein Schönheits-Tourismus entwickelt. Spezialisten im Libanon locken über den Preis. "Deutsche sollten sich aber lieber hier behandeln lassen", rät Vogt. Denn vor allem die Nachsorge sei wichtig. Das wird bei einer OP im Ausland dann natürlich schwierig. Problematisch wird es vor allem dann, sagt der Chirurg, wenn es Probleme gibt. "Schäden sind oft schwer zu korrigieren."
Immer wieder ist auch die Rede von einem Boom bei Jugendlichen. CDU-Bundestagsabgeordnete hatten eine Initiative gestartet, um derartige Eingriffe bei Jugendlichen zu verbieten. Diese Forderung geht dem Präsidenten des Fachverbands zu weit. "Dann müsste jeder Fall einzeln geprüft werden, ob er medizinisch notwenig ist oder nicht", verweist Vogt auf juristische Schwierigkeiten. Abgesehen davon gibt es bei Teenagern gar nicht so viele ästhetische Eingriffe. Nach einer noch nicht abgeschlossenen Verbands-Umfrage waren es 2011 nur 1,16 Prozent. Die meisten davon wegen abstehender Ohren und entstellender Nasen, erklärt Verbands-Präsident Vogt.
Straffen, Polstern, Liften - eine Schönheitsoperation ist nicht wie der Ganz zum Friseur. Es wird mit dem Skalpell gearbeitet, gespritzt oder gelasert. Eingriffe, die von Fachärzten gemacht werden sollten. Doch hier lauert auch eine Gefahr. Der Begriff "Schönheitschirurg" ist nicht geschützt. So kommt es sogar dazu, dass ein Kieferchirurg eine Brust vergrößert. Das Ganze wurde sogar von den Karlsruher Verfassungsrichtern durchgewunken. Einschränkung: Der Mediziner muss seine Patienten nach den Regeln der ärztlichen Kunst behandeln. Es dürfe auch nicht überhandnehmen. Vogt hält das für bedenklich. Seine Empfehlung an Patienten: Wer sich Gesicht, Bauch oder Po machen lassen will, sollte sich an die Fachverbände wenden. "Dort sind die Experten aufgeführt, die es gelernt haben."
Männer holen bei Schönheitsoperationen auf
Zwischen Schönheits-OP und Hilfe in Krisenregionen
Kongress plastischer Chirurgen in Bremen, [6:09]
Schönheits-Operationen für Jugendliche gefordert
Zahl der Schönheitsoperationen steigt an
Fachverband DGPRÄC
Fachverband DGÄPC
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