Bremer Studenten protestieren
Kunststudenten der Universität Bremen haben einen Raum ihres Fachbereiches besetzt. Der Grund: Die Universität hat ihre Kurse gestrichen – weil das Geld fehlt, erklären Uni-Vertreter. Die Studenten verstehen das nicht: Erst vor einem halben Jahr ist ihre Universität als Exzellenz-Uni ausgezeichnet worden und bekommt damit eine große Finanz-Spritze.
Kunststudenten der Uni Bremen haben einen Raum mit einer Kleiderbörse besetzt.
Die Universität Bremen ist Mitte Juni 2012 im Rahmen der Exzellenz-Initiative ausgezeichnet worden. Damit bekommt sie in den kommenden fünf Jahren etwa 100 Millionen Euro Fördergeld. Im Fachbereich Kunst hat man davon offenbar wenig. Am Nikolausabend kamen die Studenten deshalb zusammen, um über den weiteren Streikverlauf zu beraten. Seit mittlerweile drei Wochen haben sie den Vorlesungsraum 3009 der Bremer Uni besetzt und nutzen ihn wie es Ihnen gefällt. Heute ist eben Klamottenbörse..
Die Studenten kritisieren, dass zu viel des Fördergeldes der Exzellenz-Auszeichnung in die Ausstattung der Hochschule zum Beispiel mit Computern und in wirtschaftlich relevante Forschung gesteckt werde. Zu wenig aber fließe in die Lehre, vor allem in die der Kulturwissenschaften. "Uns fehlen Räume, Material, Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter", beklagt eine Kunst-Studentin im Radio-Bremen-Interview. "Offenbar sind wir nicht so wichtig".
Am Anfang waren es nur Kunststudenten die sich gegen die Kürzungen zur Wehr setzten wollten. Doch mit der Zeit sind immer mehr Studierende anderer Studiengänge dazugekommen, die sich in Raum 3009 ausruhen oder Kraft tanken. Allerdings finden längst nicht alle Studenten die Raumbesetzung klasse. Bei der Hochschulverwaltung sind schon massenhaft Beschwerden eingegangen, weil Vorlesungen und Übungen ausfallen.
An der Universität sind etwa 20.000 Studierende in zwölf Fachbereichen eingeschrieben. Am Institut für Kunst sind rund 650 Studenten aktiv.
Hier merkt man die Folgen der Einsparungen besonders deutlich, weil es zum Beispiel zu wenige Räume für die Gestaltung von Kunstwerken gibt und die Zeit für praktische Arbeit unter Aufsicht um 50 Prozent gestrichen wurde."Unser Studium ist bestimmt durch Überfüllung und Leistungsdruck. Von dem Geld sehen wir nicht wirklich viel", kritisiert ein Student.
"Wir haben eine Lücke in der Grundfinanzierung und können bestimmte Leistungen nur anbieten, weil wir Bundesgeld bekommen", sagt auch Petra Schierholz, Hochschul-Entwicklungsplanerin an der Universität Bremen.
"Die Natur- und Ingenieurwissenschaften sind sehr starke Fächer und wirtschaftlich anders angebunden als wir. Die Geistes- und Sozialwissenschaften können da schon den Eindruck haben, dass sie immer zu kurz kommen", so Schierholz. Deutschlandweit dürfen sich nur elf Universitäten mit dem Titel "Exzellenz-Universität" schmücken. Den Studierenden des Fachbereichs Kunst hilft der Titel aktuell wenig, sagen sie. Sie wollen die Blockade des Raumes fortsetzen.
Video: Aus Kunst wird Protest
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