24 Stunden im Gefängnis
Leben wie ein Gefangener, keine persönlichen Gegenstände besitzen, alleine in der Zelle schlafen. Diese Erfahrungen machen zurzeit rund 80 Jurastudenten und Dozenten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Oldenburg. Radio-Bremen-Autor Christian Kurz war mit dabei und hat einen Tag als JVA-Häftling verbracht.
Video: Freiwillig im Gefängnis
Einstellungen, Infos und Kommentare
Radio Bremen: Christian, Du warst für einen Tag im Gefängnis. Wie kam es dazu?
Christian Kurz: Es gibt ein Projekt von Universitäten in Norddeutschland, das Jura-Studenten zeigen möchte, wie es ist, eingesperrt zu sein.
Radio Bremen: Und? Wie ist das?
Christian Kurz: Das ist eine ganz gruselige Erfahrung. Es ist auf jeden Fall sehr einsam und langweilig. Man hat nichts zu tun. Man hat nur sich selber und seine Gedanken.
Radio Bremen: Was hast Du die ganze Zeit gemacht?
Christian Kurz: Viele Häftlinge arbeiten. Aber wenn man nicht arbeitet, ist das Knastleben sehr ruhig. Ich habe eigentlich die meiste Zeit auf meinem Bett gesessen und die Wand angestarrt. Oder man schaut aus dem Fenster, das in zwei Meter Höhe ist und den Himmel nur erahnen lässt. Aber im Endeffekt sitzt man nur da und dreht Gedanken hin und her und bekommt viel Zeit über sich nachzudenken.
Radio Bremen: Hast Du Dich in irgendeiner Form auf Deinen Aufenthalt vorbereitet?
Christian Kurz: Nein. Die Gefangenen bereiten sich ja in der Regel auch nicht darauf vor. Die bekommen das Urteil, gehen ins Gefängnis und dann sind sie in der Zelle. Da gibt es keine Zeit zu recherchieren, wie es da ist. Und genauso habe ich das auch gemacht.
Radio Bremen: Wie war Deine Zelle ausgestattet?
Christian Kurz: Ich habe in einer Einzelzelle gelebt. Die würde ich lapidar als "Wohnklo" beschreiben. Denn das Klo ist nur durch einen Duschvorhang von der restlichen Zelle getrennt. Es gibt also eine Toilette, ein Bett und ein Waschbecken, aus dessen Hahn ausschließlich kaltes Wasser kommt. Warmes Wasser gibt es nicht. Für seine wenigen Habseligkeiten gibt es noch einen Schrank, aber das war es dann auch. Mit einem Hotel hat das nicht zu tun.
Radio Bremen: Durftest Du persönliche Gegenstände mitnehmen?
Christian Kurz: Weil ich von der Presse bin, hatte ich erwartet, dass bei mir eine Ausnahme gemacht wird. Aber dem war nicht so: Ich musste mein Handy abgeben und meine Taschen wurden mit Röntgen-Strahlen durchsucht. Danach wurde ich abgetastet, um zu prüfen, ob ich gefährliche Gegenstände bei mir habe. Ich durfte außer meiner Kamera, die ich im Vorfeld angekündigt hatte, nichts mit reinnehmen. Ich hatte also gar nichts, außer meiner Sachen, die ich am Leib trug.
Radio Bremen: Wie ist es in der Zelle, wenn die Lichter ausgehen und es Nacht wird?
Christian Kurz: Jedes Gefängnis wird rund um die Uhr von außen angestrahlt. Und wenn die Nacht hereinbricht, dann werfen die Gitterstäbe einen Schatten an die Wand. Das bedeutet: Ich liege nachts im Bett und es ist dunkel. Aber wenn ich die Augen aufmache, dann sehe ich nur die Schatten der Gitterstäbe an meiner Zellenwand. Man kann sich nicht von diesem Ort wegträumen. Sobald man die Augen öffnet, weiß man, dass man im Gefängnis ist und dort auch nicht mehr wegkommt. Das ist ein sehr bedrückendes Gefühl.
JVA Oldenburg
Seit dem 22. März 2013 sind alle Zellen leer. Der Betrieb des sanierungsbedürftigen Baus von 1857 hat sich nicht mehr gelohnt, die Auslastung lag bei lediglich 80 Prozent. Die restlichen Häftlinge der JVA wurden entweder in das neue Gefängnis an der Cloppenburger Straße oder in andere norddeutsche Anstalten verlegt.
Radio Bremen: Du hast also nicht so gut geschlafen?
Christian Kurz: Ich habe unglaublich schlecht geschlafen. Die Betten sind sehr hart. Dazu kommt, dass die Nächte im Knast sehr kurz sind. Es geht spät ins Bett und um 5.30 Uhr stand der Wächter schon vor meiner Zelle, um mich zu wecken.
Radio Bremen: Haben Deine Erfahrungen Deinen Blick auf die Unterbringungs-Situation der Gefangenen in Deutschland verändert?
Christian Kurz: Es ist natürlich kein luxuriöses Leben, man muss sehr viele Abstriche machen. Die Individualität kommt einem abhanden und man benötigt für fast alles eine Genehmigung. Aber ich glaube die Unterbringung ist angemessen.
Radio Bremen: In der JVA Oldenburg gab es einmal zwei Katzen, um die sich die Häftlinge kümmern konnten. Hast Du Dir in Deiner ersten Zellen-Nacht auch eine Katze gewünscht?
Christian Kurz: Nein, keine Katze. Ich hätte am liebsten eine weiche Matratze gehabt. Das wäre das Beste gewesen.
Eingeperrt in der JVA Oldenburg, [2:46]
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