Tag der Schulverpflegung
Eltern wollen, dass es gesund ist. Schüler und Lehrer wollen, dass es schmeckt und die Politik will, dass es vor allem kostengünstig ist. Eine schwierige Gemengenlage. Beim Bremer Tag der Schulverpflegung geht es um die Frage, wie die Ernährung an Schulen verbessert werden kann.
Das Budget für ein Schulessen liegt in Bremen bei durchschnittlich drei Euro. Das ist nicht viel Geld, wenn man bedenkt, dass damit eine abwechslungsreiche, gesunde und leckere Mahlzeit kreiert werden soll. Der Herdbesuche-Koch Frank Linke kann sich nicht vorstellen, dass diesem Betrag ein vernünftiges Essen gekocht werden kann: "Wie kann ich erwarten, dass mein Kind am Tag für drei Euro eine Vorspeise, ein Hauptgericht und eine Nachspeise bekommt. Das geht mit diesem Preis eigentlich gar nicht."
Qualität und Quantität unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach. Allerdings werde oft vergessen, dass der Preis von drei Euro subventioniert sei, erklärt Michael Thun von der Bremer Vernetzungsstelle Schulverpflegung. "Der eigentliche Wert des Essens liegt zwischen fünf und sechs Euro. So viel kostet auch ein normaler Mittagstisch in der Stadt." Man dürfe die drei Euro also nicht als alleinigen Maßstab für die Qualität der Schulessen nehmen.
Hintergrund:
Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung im Land Bremen fungiert seit dem Jahr 2009 als Ansprechpartner für alle Akteure, die an den Schulen an der Ernährung der Schüler beteiligt sind. In enger Zusammenarbeit mit der Bremer Bildungsbehörde werden unter anderem verschiedene Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Finanziert wird die Einrichtung zu 90 Prozent aus Bundesmitteln.
Auch Anna Kadolph ist überzeugt davon, dass das Essen an Bremer Schulen von guter Qualität ist. Sie ist im Schulamt Bremerhaven für die Koordinierung der Schulverpflegung zuständig. "Es muss den Schülern schmecken und es muss bezahlbar sein. Das ist nicht immer leicht zusammenzubringen. Aber es ist möglich."
Viele Eltern sind darauf bedacht, dass ihre Kinder eine gesunde Ernährung bekommen. In Zeiten der Ganztagsschulen, in denen Eltern bestenfalls nur am Morgen und am Abend gemeinsam essen, wollen Mütter und Väter häufig genau wissen, was die Kleinen in der Schule auf den Tisch bekommen. Das sei auch aus psychologischer Sicht verständlich, meint Kadolph. "Wenn Eltern bis zur Grundschule für das Essen der Kinder sorgen, dann ist das ja auch eine Art Bindung. Auf einmal übernimmt jemand anderes diese Aufgabe. Das kann schon zu Komplikationen führen." Das sei wie bei der Fütterung im Tierreich, wenn der Regenwurm plötzlich nicht mehr von der Mama kommt.
Einen Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu ziehen sei schwierig, meint Michael Thun. Alle Länder hätten in Bezug auf das Schulessen Stärken und Schwächen. Ein kurioser Fall aus England ist aber überaus erwähnenswert. Ein junges Mädchen fotografiert dort seit Monaten ihr Schulessen und stellt die Bilder in ihrem Blog online. Schon nach nur zwei Wochen verfolgten über 700.000 Menschen den Blog der Neunjährigen. Vielleicht, weil die meisten Bilder nicht allzu appetitlich aussehen.
Foto-Blog " über britisches Schulessen
Welche Erfahrungen haben sie oder ihre Kinder mit Schulessen gemacht? Erzählen Sie es uns in unserem Gästebuch:
Gästebuch: Lust oder Frust beim Schul-Essen?
Lecker oder noch Luft nach oben?
"Es muss schmecken und bezahlbar sein"
Interview mit Anna Kadolph, Schulamt Bremerhaven
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