Seit 40 Jahren stetig gewachsen
Im Oktober 1971 begann das allererste Semester für Studenten und Professoren an der Universität Bremen. Seitdem gibt es darüber ebenso wechselvolle wie spannende, bisweilen turbulente Geschichte zu erzählen: von den basisdemokratischen Versuchen des so genannten "Bremer Modells" bis hin zu den jüngsten Erfolgen in der "Exzellenz-Initiative für Spitzenforschung an Hochschulen".
Video: 40 Jahre Uni Bremen
Einstellungen, Infos und Kommentare
Nach zäher, zehnjähriger Gründungdebatte gab es keine gesicherte Finanzlage für die Bremer Universität. Der Druck des rechten politischen Lagers war zunehmend stärker geworden. Drei Tage vor der offiziellen Gründung der Universität am 14. Oktober 1971 standen noch die Bürgerschaftswahlen an, deren Ausgang ungewiss gewesen sei, berichtet der einstige Gründungsrektor der Bremer Uni, Thomas von der Vring. Die SPD siegte aber klar mit 56 Prozent der Stimmen, und damit stand der Universitätsgründung nichts mehr im Wege.
Von Anfang an stand die Idee einer Reformuniversität, die von interdisziplinärer Forschung und Lehre mit speziellem Praxisbezug geprägt sein sollte. Dabei richtete sich die Lehre stark auf die Bedürfnisse der Studierenden und ihrer angestrebten beruflichen Vorhaben aus. Damals lautete der Betreuungsschlüssel 1:10, das heißt auf zehn Studierende kam eine Lehrperson. Das Modell der "Drittelparität" rief seinerzeit heftige Kritik hervor. Hier waren Hochschullehrer, Studierende und Dienstleister im Mitbestimmungsprozess gleichberechtigt integriert. Das Schlagwort von der "roten Kaderschmiede", wurde geprägt, das nach Meinung von Thomas von der Vring erst recht dazu geführt habe, Kräfte freizusetzen, um die Universität zu einem guten Gesamturteil zu führen.
Das Buch "Universität Bremen – 40 Jahre in Bewegung" von Peter Meier-Hüsing.
Einer, der diese Entwicklung als Student miterlebt hat und später oft im Hörfunk darüber berichtet hat, ist Radio-Bremen-Redakteur Peter Meier-Hüsing. Er hat rechtzeitig zum 40-jährigen Jubiläum ein Buch darüber geschrieben.
Gespräch mit Peter Meier-Hüsing, [4:21]
11. Oktober 2011, Nordwestradio
Rückblickend findet auch er es beachtlich, dass sich aus dem Bremer Modell eine wissenschaftliche Institution mit rund 18.000 Studenten entwickelt hat. Mittlerweile entstanden dort viele Institute, die vor allem mit Drittmitteln wirtschaften. Aus der so genannten roten Kaderschmiede ist eine international anerkannte Forschungs- und Lehruniversität geworden. Die basisdemokratische Universität, in der jeder mitentscheiden darf, habe sich mittlerweile verändert, aber für Meier-Hüsing ist der revolutionäre Geist nicht ganz verschwunden. Denn hier wurde und wird gesellschaftlich verantwortliche Forschung betrieben, die die Probleme der Gesellschaft wahrnimmt. Zum Beispiel darüber, wie sich das Klima entwickeln wird. "Damals gab es schon ungewöhnliche Ansätze, die aber heute nicht mehr so viel politische Brisanz haben“, schätzt Meier-Hüsing ein. Dafür werde nun um Stiftungsprofessoren gestritten, die von der Rüstungsindustrie finanziert werden.
Die zunehmenden Drittmittel seien in den letzten Jahren immer stärker als Gradmesser der Akzeptanz genommen worden. Einen kleinen Teil schießt die private Wirtschaft zu und zum Großteil sind es EU-Gelder und Bundesmittel. Diese Zuschüsse zeigen, wie die Forschungsleitungen und Qualifikationen der Bremer Wissenschaftler anerkannt werden.
Die Bremer Uni ist ständig gewachsen.
Für Meier-Hüsing war es eine Sensation, dass die Bremer Universität gegen die Schwergewicht im Süden und Südwesten so deutlich punkten konnte. Als einzige norddeutsche Uni konnte die Bremer das so genannte Zukunftskonzept einreichen und gehört damit schon jetzt zu den besten in Deutschland. Unterstützt werden damit Projekte etwa aus den Bereichen der sozialwissenschaftlichen Graduiertenschule "Bigsss", der marinen Umweltwissenschaften (Marum) und der meereswissenschaftlichen Graduiertenschule "Glomar".
Sendungen zum Jubiläum:
Sendung "Glauben und Wissen"
30. Oktober 2011, Nordwestradio
Gesprächszeit mit Peter Meier-Hüsing
28. Oktober 2011, Nordwestradio
Diskussion um Auseinandersetzungen von gestern - Lehren für morgen
28. Oktober 2011, Nordwestradio
Sendung mit Prof. Dr. Johannes Feest
21. Oktober 2011, Nordwestradio
Die Universität Bremen kommt in die besten Jahre
14. Oktober 2011, Nordwestradio
Universitäres Spitzengespräch
9. September 2011, Nordwestradio
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