50 Jahre Verbraucherzentrale
Am 2. Januar 1962 öffnete die erste Verbraucherberatung in Bremen ihre Türen. Seitdem hat sich einiges getan: Nach anfänglicher Beratung für Hausfrauen beschäftigt sich die Zentrale heute mit weitaus komplexeren Themen und berät ihre Kunden zu Energie- und Urheberrechtsfragen sowie zu Finanzprodukten. Wir blicken auf die letzten 50 Jahre Verbraucherzentrale in Bremen zurück.
Wie koche ich gut und günstig – das war es wohl, was die Hausfrau damals, Anfang der 60er Jahre, interessierte. So jedenfalls glaubten es die Gründungsmitglieder der Bremer Verbraucherzentrale und versorgte die Frauenwelt mit reichlich Informationen über Vorratshaltung, Tiefkühlkost und Küchenplanung: "Die Verbraucherzentrale hat fast wie eine hauswirtschaftliche Beratungsstelle angefangen. Es gab Kurse zum Thema Mode, zum Thema Kosmetik, zum Kochen. Also Dinge, die wir heute nicht mehr vermitteln.
Aber das war der Anfang", erinnert sich Regina Aschmann, die seit über 30 Jahren bei der Verbraucherzentrale für Ernährungsfragen zuständig ist. Die heutige Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale, Irmgard Czarnecki, ergänzt: "Die Hausfrau sollte den Umgang mit modernen Küchengeräten lernen. Dazu hat die Verbraucherzentrale auch Kurse veranstaltet und was eine ganz zentrale Rolle spielte: Preistransparenz zu schaffen. Damals hat die Verbraucherzentrale regelmäßig wöchentliche "Preisspiegel" erstellt, wo sie wirklich auf die Märkte und in die Läden gegangen ist und Preise für Lebensmittel erhoben hat". In den Siebzigern wurde die Beratung mehr und mehr nach draußen verlagert. Ein Verbraucherbus war auf den Wochenmärkten unterwegs, an den Schulen wurde Unterricht in 'Verbraucherkunde' erteilt.
In den Achtzigern sollte, mit Hilfe von Telefonansagen der Verbraucherzentrale Bremen, über diverse Fragen des Alltags informiert werden. In dieser Zeit begann auch die Ära der Lebensmittelskandale, die bis heute andauert: Verunreinigtes Flüssigei in Nudeln, Cadmium in Schokolade, Frostschutzmittel im Wein. Die Verbraucherzentrale geriet in diesem Zusammenhang auch mal mit den Lebensmittelunternehmen aneinander.
Ernährungsberaterin Regina Aschmann kämpfte mit den Firmen und erinnert sich an eine konkrete Situation: "Klar haben sie immer wieder Ärger gemacht oder sich geärgert, wenn wir Dinge kritisch dargestellt haben. Es hat zum Beispiel mal einen Ratgeber zum Thema "Fischeinkauf" gegeben. Auch da ist die Fischindustrie aufgestanden, hat aufgeschrien, weil sie gedacht haben, wir machen ihnen das Fischgeschäft kaputt. Wir haben das damals mit dem WWF (World Wildlife Fund) zusammen gemacht und haben davor gewarnt, oder eher empfohlen, bestimmte Fischsorten nicht zu kaufen. Einfach weil die so überfischt sind. Und da kann das schon passieren, dass ein Industriezweig sagt 'Ihr macht uns das Geschäft kaputt', obwohl das natürlich übertrieben ist".
Aber vor allem die Folgen der Reaktorkatastrophe Tschernobyl, Mitte der 80er Jahre, führten zu einem Ansturm auf die Beratung: "Das war so furchtbar! Das war unvorstellbar, was wir am Telefon erleben mussten. Die Leute waren panisch. Wir hatten aus ganz Deutschland die Bequerel-Werte der Lebensmittel immer vorliegen und es riefen ich weiß nicht wieviele Menschen ununterbrochen bei uns an, die die Strahlenwerte wissen wollten. Da lagen die Nerven sehr blank, sowohl bei den vielen Menschen, die bei uns angerufen haben, aber bei uns selber eben auch", erzählt Aschmann.
Die Nerven lagen auch blank, als die Verbraucherzentrale in den neunziger Jahren erstmals vor dem Konkurs stand. Danach wurde die Beratung kostenpflichtig. Außerdem entwickelte sich der Bereich der Finanzdienstleistungen zum größten Beratungsangebot. Heute lassen sich rund 25.000 Menschen im Jahr telefonisch von der Zentrale helfen. 20.000 kommen persönlich in die Beratung. Und auch wenn es seit über zehn Jahren ein Verbraucherministerium gibt, die Verbraucherzentrale hat ihren Stellenwert nicht verloren, sagt Irmgard Czarnecki. Ganz im Gegenteil: "Ich denke, dass die Verbraucherzentrale auch in Bremen ein Machtfaktor ist", sagt sie.
Das konnte man vor allem 2004 sehen, als sie zum Widerstand gegen die Gaspreise des Energiekonzerns SWB aufrief. "Das war bestimmt eine der größten Auseinandersetzungen, die wir in Bremen hatten. Wir haben es damals geschafft, dreimal vor dem Bundesgerichtshof Recht zu bekommen und im Ergebnis hat das für die Verbraucher richtig viel Geld gebracht", erzählt die Geschäftsführerin. Darüber ist auch Marion Remlinger froh. Sie war während des Gaspreis-Kampfes Kundin der Verbraucherzentrale. In einer Bürgerinitiative hat sie gemeinsam mit den Verbraucherschützern gegen den Energieversorger gekämpft: "Wenn es die Verbraucherzentrale nicht gegeben hätte, die ganz nah am Kunden und an den betroffenen Leuten war, wäre das so in der Form nicht passiert und das schätze ich auch sehr".
Obwohl die Bremer Verbraucherzentrale in Deutschland die Kleinste ihresgleichen ist, hat sie in den letzten 50 Jahren Millionen von Verbrauchern beraten und informiert und viele innovative Projekte angestoßen.
Festakt für Verbraucherschützer , [3:48]
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