Vor 100 Jahren
Video: 100 Jahre Plattentektonik
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Dass dieser 6. Januar des Jahres 1912 in die Wissenschaftsgeschichte eingehen sollte, zeichnete sich damals nicht unbedingt ab. Alfred Wegener, ein junger Professor aus Marburg, sprach vor der Geologischen Vereinigung über die Entstehung der Kontinente. Seine These: Landbrücken, die nach der damals herrschenden Lehrmeinung die Kontinente in Urzeiten verbanden und das Vorkommen ähnlicher Tier- und Pflanzenarten auf den verschiedenen Kontinenten erklärten, habe es nie gegeben.
"Und die einfachste Erklärung ist natürlich die, dass die einzelnen Kontinente früher zusammengehangen haben und einen Urkontinent gebildet haben, den er Pangaea nannte", sagt Reinhard Krause, Physiker und Wissenschaftshistoriker am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.
Alfred Wegener schrieb später in seinem Buch "Die Entstehung der Kontinente und Ozeane" dazu: "In unserer Rekonstruktion… werden die Teilstücke gerade zur Berührung aneinandergefügt. Dieser Beweis für die Richtigkeit unserer Zusammensetzung ist sehr auffallend und erinnert an die durchgerissene Visitenkarte als Erkennungszeichen."
100 Jahre Plattentektonik-Vortrag, [3:30]
Catharina Spethmann erinnert an den 6. Januar 1912.
Wegener zufolge kommen auf der Erdoberfläche zwei Stoffe vor, die er Sima und Sial nannte: Sima steht für Silicium und Magnesium und beschreibt die Zusammensetzung des Meeresbodens. Sial bezeichnet Silicium und Aluminium – die Stoffe, aus denen nach Wegeners Meinung die Kontinente bestehen."Das Sial, also die Kontinente, sind spezifisch leichter als das Sima. Das heißt: Die Kontinente, so war seine Vorstellung, schwimmen mehr oder weniger wie Eisschollen im Wasser auf dem Sima."
Wegeners Theorie hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler: Er konnte sie nicht beweisen."Wegener konnte keine Kraft angeben, die hinreichend war, um diese Kontinentdrift zu etablieren, geschweige denn, um hinreichend zu sein, einen großen Urkontinent zu zerbrechen."
Plattentektonik
Nach der Theorie der Plattentektonik ist die Lithosphäre keine durchgehende Schale, sondern sie ist in Teile auseinander gebrochen: in ca. 20 starre Platten, die sich in mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten relativ zueinander bewegen.
Die Zeitgenossen blieben dann auch skeptisch. Auch Hohn und Spott der Fachwelt musste Wegener erdulden. Ihn schien das aber nicht weiter anzufechten: Bald nach seinem Frankfurter Vortrag verschwand er erst einmal in die Arktis, auf eine Grönland-Expedition. Seine Rückkehr fiel mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zusammen. Er wurde eingezogen, verwundet – und begann danach, seine Theorie in einem Buch weiter auszuarbeiten. Erst als seine Schriften auf Englisch erschienen, wurden sie breiter diskutiert – wenn auch nicht unbedingt gebilligt:
"Zu Beginn der 20er Jahre verhärtet sich also die Front derjenigen, die das ablehnen. Dann gibt’s speziell 1926 eine Tagung in New York, in Amerika, und die haben im Grunde diese Theorie in Bausch und Bogen verbannt. Das Ganze wird als Chimäre gesehen. Bis in die 1970er Jahre hinein ist in den USA auch an Universitäten und so weiter diese Theorie gar kein Thema."
In den sechziger Jahren, rund 30 Jahre nach Wegeners Tod, nahmen allerdings amerikanische Wissenschaftler Bohrungen und magnetische Vermessungen des Ozeanbodens vor. Sie zeigten, dass an den mittelozeanischen Rücken ständig neuer Meeresboden entsteht und an den so genannten Subduktionszonen wieder verlorengeht, wenn sich eine Kontinentalplatte unter eine andere schiebt. Wegener selbst hatte immer mit dem Durchbruch seiner Theorie gerechnet:
Arten der tektonischen Plattengrenzen
"Man braucht wohl nicht zu besorgen, dass er ganz ausbleiben werde. Die Theorie ist noch jung und wird heute noch vielfach angezweifelt, und man kann es schließlich dem Theoretiker nicht verübeln, wenn er zögert, Zeit und Mühe an die Aufklärung eines Gesetzes zu wenden, über dessen Richtigkeit noch keine Einigkeit herrscht."
Das war damals. Heute ist Wegeners Theorie unbestritten – und längst geologisches Allgemeinwissen.
Die Geschichte des Alfred-Wegener-Instituts
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