Architektur
Eine Wohnung - Ausdruck der Persönlichkeit?
Nirgendwo sonst nimmt die Frage nach dem richtigen Wohnen einen derart hohen Stellenwert ein wie in Deutschland. Einrichtungspropheten, eine Flut an Ratgeberliteratur oder die argwöhnischen Blicke der Nachbarn locken uns in die Baumärkte und Einrichtungshäuser dieses Landes. Doch wie steht es dabei um unsere Individualität? Kann man sich in der Gestaltung der eigenen vier Wände noch immer selbst verwirklichen? Und welche Rolle spielt das richtige Wohnen für unsere Vorstellung vom Glück?
Umfrage: Wie möchten sie gerne wohnen?, [0:59]
Ins Netz gegangen: Über das Wohnen, [4:00]
An der Ausstattung des eigenen Zuhauses lässt sich der Zustand einer ganzen Gesellschaft ablesen, meint der Autor Peter Richter. Tobias Lehmkuhl hat einen Blick in die Wohnzimmer der Experten zu geworfen, um der deutschen Seele ein wenig auf den Puls zu fühlen. Zu Gast beim Psychoanalytiker Dieter Funke wandelt sich das Wohnen gar zur "Dritten Haut" des Menschen. Wohnen als Wegbereiter der menschlichen Individualität? Gleichzeitig erreicht der inszenierte Wohnungskult aber immer mehr den Rang einer Ersatzreligion. Anschaffen, Angeben, Austauschen. Die Schriftstellerin Ulrike Dräsner versucht mit einem privaten Baupilotprojekt, einem Holzhaus über sieben Stockwerke im Herzen Berlins, diesen Widersprüchlichkeiten des deutschen Wohn-Lifestyles zu entkommen.
Über die Psychologie des Wohnens (eine Reportage von Tobias Lehmkuhl), [24:41]
Literaturtipps:
- Richter, Peter: Deutsches Haus. Von einem, der auszog, das Wohnen zu lernen, Goldmann Verlag, München 2008, 224 Seiten, 7,95 Euro
- Richter, Peter: Deutsches Haus. Eine Einrichtungsfibel, Goldmann Verlag, München 2006, 228 Seiten, 12 Euro
- Funke, Dieter: Die Dritte Haut. Psychoanalyse des Wohnens, Psychosozial-Verlag, Gießen 2006, 29,90 Euro
Auf die Frage nach architektonischen Meisterwerken würden die meisten wahrscheinlich instinktiv die üblichen Verdächtigen ins Feld führen - etwa den Markusplatz in Venedig oder die Pariser Innenstadt. Weitaus schwieriger gestaltet sich die Suche nach den Beurteilungskriterien von Schönheit in der Architektur. Der in London lebenden Philosoph Alain de Botton widmet sich diesem Thema im Gespräch. Seine Definition vom Schönen berücksichtigt die unterschiedlichen Lebensverhältnisse der Menschen. Dabei hat er festgestellt, dass viele Menschen das Verlangen nach Ordnung, Harmonie und Balance miteinander teilen. De Botton zieht daraus eine interessante Parallele von der Ethik zur Architektur.
Thorsten Jantschek im Gespräch mit Alain de Botton, [16:24]
"Kleine, passgenaue Stadtbausteine" gilt es in einem innovativen Wohnformat zu entwerfen. So lautet das Credo eines bundesweit einzigartigen Architekturwettbewerbs in Bremen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA hat es sich zur Aufgabe gemacht neue Formen des Zusammenlebens zu erproben. Als Zielgruppe wurden Mieter mit mittleren und schwachen Einkommen auserkoren - ein im städtischen Wohnungsneubau eher unterrepräsentiertes Segment. Mittlerweile stehen die fünf Preisträger unter den 15 eingereichten Entwürfen bereits fest. Gemeinsam fallen ihre unkonventionellen loftartigen Räume und die gelungene Kombination von Arbeit und Gewerbe ohne Zweifel in die Rubrik "ungewöhnliches Wohnen". Im Gespräch erläutern Martin Paßlack von der Gewoba und Franz-Josef Höing, Senatsbaudirektor der Stadt Bremen, Hintergründe.
Ungewöhnlich Wohnen: Gespräch mit Martin Paßlack und Franz-Josef Höing, [9:31]
Ausführliche Informationen zu den Gewinnern des Gewoba-Wettbewerbs
Modellentwurf der Bar-Architekten für die Arndtstraße.
Entwürfe für die Arndtstraße
Wird die Dachterrasse zur Standardausstattung der Wohnung im innerstädtischen Kernbereich? Ja, und das sei nicht einem übertriebenen Luxusbedürfnis geschuldet, meint Jürgen Patzak-Poor. Er ist gehört zu den BAR Architekten in Berlin und ist einer der Gewoba-Preisträger. Ihm zufolge diktieren räumliche Enge, eine mit den Lebensabschnitten verträgliche variable Nutzung und die Herausforderungen der Mobilität dem urbanen Gebäudetyp von heute die Bedingungen. Die moderne Architektur muss auf diese Veränderungen angemessen reagieren, aber zu erschwinglichen Preisen. In ihrem Projekthaus im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg haben die BAR Architekten eine überzeugende und kreative Antwort gefunden.
Ungewöhnlich Wohnen: Gespräch mit dem Architekten Jürgen Patzak-Poor, [15:33]
Hinweis:
Sie können den Sitz der Bar-Architekten in Büro in der Oderberger Straße 56 in Berlin besichtigen.
Das ehemalige Tüv-Gelände an der Hermine-Berthold-Straße.
Sucht man nach Alternativen zum klassischen "Einfamilienhaus", dem Wohnungsdinosaurier aus den 1960er Jahren, ist man bei Arno Brandlhuber genau an der richtigen Adresse. Er hat ein Architekturbüro in Berlin gehört ebenfalls zu den Gewinnern des Gewoba-Wettbewerbs. Ihm zufolge soll die Wohnung von heute nutzungsneutral und anpassungsfähig sein. Ausgehend von einem Standardangebot können die Bewohner in seinen Gebäuden je nach finanziellen Bedürfnissen und Lebenssituation die Wohnungseinheiten individuell erweitern. Im Gespräch erläutert er, wie man sich das praktisch vorzustellen hat.
Ungewöhnlich Wohnen: Gespräch mit dem Architekten Arno Brandlhuber, [17:52]
Spätestens seit der Smartphone-Schwemme auf dem Markt für Mobiltelefone hat sich das anglizistische Adjektiv in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingenistet. In der Architektur erhebt man mit dem Smart House vor allem in der privaten Wohnsphäre den Anspruch auf intelligentes Wohnen. Ob sich hinter der Worthülse tatsächlich die Steigerung von Komfort und Wirtschaftlichkeit verbirgt ist jedoch umstritten. Clemens Bonnen, Professor für Architektur an der Universität Bremen, verrät mehr.
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