20 Jahre SMS
Seit 20 Jahren kommunizieren wir mit kurzen Textbotschaften von Handy zu Handy. Der neue Service war nicht nur günstiger als ein Telefonat, sondern auch eine ungewohnt schnelle Art der Nachrichtenübermittlung: Bis heute ist eine SMS ist so schnell verfasst wie gesendet und ebenso zügig gelesen wie beantwortet. Wir sprechen mit dem Journalisten Hellmuth Karasek darüber, wie SMS unsere Kommunikation verändert haben.
Hellmuth Karasek schreibt gern SMS
Radio Bremen: Herr Karasek, wann haben Sie die letzte SMS verschickt?
Hellmuth Karasek: Letzte Woche, glaube ich. Mir ist die SMS sehr dienlich, weil ich viel im Zug unterwegs bin zu Lesungen und Vorträgen. Und wenn im Zug irgendwelche Komplikationen auftreten, dann kann man dem Veranstalter eine SMS schicken "Komme zehn Minuten später", oder meistens "zwei Stunden später". Damit kann man sozusagen auch in Funklöchern Nachrichten übermitteln.
Radio Bremen: Das heißt, Sie haben auch schonmal etwas wirklich Wichtiges über die SMS geklärt. Viel öfter werden aber ja auch Informationen über SMS verschickt, die gar nicht wichtig sind ...
Hellmuth Karasek: Naja, man kann über SMS herumblödeln, man kann sich unterhalten – es ist eine neue Form der Zwiesprache, der schriftlichen Zwiesprache. Ich bin kein junger Benutzer, ich bin ja ein alter Mann, und ich benutze keine Smileys und keine Abkürzungen und nicht das ganze System, dass dahinter steht, sondern ich benutze sie relativ nüchtern.
"Von hdl bis dubidodo", der SMS-Duden im März 2009.
Radio Bremen: Würden Sie denn sagen, die SMS verändert trotzdem unsere Kommunikation?
Hellmuth Karasek: Auf jeden Fall! Das Handy hat ja schon eine revolutionäre Veränderung gebracht, indem wir immer erreichbar waren. Wir konnten uns nicht mehr unerreichbar stellen. Wir merkten aber auch, wenn uns niemand erreichen wollte. SMS ist nun wieder eine Form, dem anderen zu zeigen "Ich will mit Dir kommunizieren" oder "Ich will nicht mit Dir kommunizieren". Und das gibt immer Kränkungen und Freuden.
Radio Bremen: Aber es verändert ja auch die Art, wie wir kommunizieren: Wer viele SMS schreibt, wird zum Meister der Abkürzungen.
Hellmuth Karasek: Nun, ich bin kein Meister der Abkürzungen, aber die SMS wird ja begleitet von einem anderen Element, nämlich der E-Mail.
Die gibt es ja inzwischen auch im digitalen Verkehr. Wenn Sie nur daran denken, dass amerikanische Generäle ihr Amt verlieren, wegen SMS oder E-Mails, weil das Geheimste auf einmal allen zugänglich ist und man es anzapfen kann.
Radio Bremen: Würden Sie sagen "simsen" ist ein schönes neues Wort, das durch die SMS entstanden ist?
Hellmuth Karasek: Genau, und es wurde in den Duden aufgenommen. Ich habe inzwischen ein Smartphone, in das spreche ich etwas rein und ein Programm verwandelt das in Schrift – in "Sims-Schrift". Toll!
Radio Bremen: Haben Sie eigentlich manchmal Sorge, wenn Sie unsere Politiker – allen voran die Kanzlerin – im Bundestag sitzen sehen, und dann tippen die ihre SMS, anstatt Politik zu machen oder sich mal zuzuhören?
Hellmuth Karasek: Naja, ich meine, die Leute haben früher in Akten geblättert oder Kreuzworträtsel unterm Tisch gelöst. Menschen auf Konferenzen beschäftigen sich irgendwie. Ich habe das sehr schön in Erinnerung, wie Frau Merkel der Frau Schavan mit einem Grinsen ihre SMS zeigt.
Radio Bremen: Herr Karasek, wie würden wir uns per Kurznachricht verabschieden? BB – Bis bald – oder so ähnlich?
Hellmuth Karasek: Ich würde Ihnen einen Smiley schicken.
Radio Bremen: Gut, dann schicken wir Ihnen auch einen Smiley :-)
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