20 Jahre SMS
"Merry Christmas" lautete am 3. Dezember 1992 der Text der ersten privaten Kurzmitteilung, die von einem Mitarbeiter einer britischen Telekommunikations-Firma an einen Kollegen verschickt wurde. Zuvor hatten die Netzbetreiber den "Short Message Service" nur benutzt, um Kunden über Störungen zu informieren. Inzwischen ist klar: SMS sind perfekt, wenn wir mal schnell etwas loswerden wollen, ohne zu sprechen.
"Simsen" kann man immer...
160 Zeichen ist eine deutsche SMS maximal lang und erscheint meist als kleiner Umschlag auf dem Handy-Display. Vor 20 Jahren wurde die erste SMS versendet. Inzwischen kann man sich gar nicht mehr vorstellen, was man ohne sie gemacht haben.
Audios und Videos zum Thema:
20 Jahre SMS: Buchstaben in Telefone tippen, [2:51]
20 Jahre SMS, [2:52]
Es gab Zeiten, in denen eine Nachricht noch tagelange, beschwerliche Wege in Kutschen und auf Pferden zurücklegen musste. Die Nachricht musste also wirklich wichtig sein, damit man diesen Aufwand auf sie nahm. Zum Beispiel, dass das Land vom Feind attackiert wird oder dem König ein Volksaufstand droht. Man stelle sich mal vor, ein Bote wäre zu Pferd mit Nichtigkeiten wie "Komme gleich", "oder "HDGDL" (Hab Dich ganz doll lieb) unterwegs gewesen.
Doch je kürzer die Wege, desto profaner die Nachricht. Das sieht man sehr deutlich an vielen Mitteilungen, die seit 20 Jahren via Short Message Service verschickt wurden. Der Service hat einmal als Fehlermeldung angefangen: Wenn in einem System ein Fehler festgestellt wurde, wurde der zuständige Techniker automatisch per Kurzmitteilung benachrichtigt. Aber schon die erste SMS war sehr persönlich: Der Software-Entwickler Neil Papworth hat sie noch von seinem PC aus geschrieben.
"Merry Christmas" – kurz, knackig und zugegebenermaßen am 3. Dezember 1992 ein bisschen zu früh. Der Siegeszug der SMS war damit nicht mehr aufzuhalten: Sie lässt sich einfach bedienen und kann mit allen Mobiltelefonen geschrieben und empfangen werden. In Zeiten vor dem mobilen Internet war die unmittelbare Zustellung außerdem ein echter Pluspunkt.
Heute gehen die Nachrichten blitzschnell und massenhaft von einem Handy zum anderen. Sie sind für viele unverzichtbar geworden – auch für Bundeskanzlerin Merkel.
Was wichtig ist, landet sofort und in aller Kürze auf ihrem Handy, per SMS – sagt Andreas Brücher vom Bundespresseamt: "Die Kanzlerin schätzt diesen Dienst sehr – diese schnelle, knappe Information, weil sie das bei jeder Gelegenheit schnell aufnehmen kann", begründet Brücher. Die SMS stört nicht. Man kann sie lesen, wann man will – und man kann sich mitteilen, ohne zu sprechen.
Das kommt an: Im vergangenen Jahr haben die Deutschen nach Schätzungen der Bundesnetzagentur etwa 55 Milliarden SMS verschickt. Rund 58 Milliarden werden es 2012 sein, erwartet der IT-Branchenverband Bitkom.
Damit komme jeder Deutsche im Schnitt auf rund zwei SMS täglich, auf das Jahr gerechnet seien es etwa 700. Aber nicht jeder kann sich mit dem "Simsen" anfreunden. Zu kompliziert, zu unpersönlich, zu wenig aussagekräftig, bemängeln sie.
Trotz des rapiden Wachstums (noch 1999 kam jeder Deutsche auf lediglich 44 SMS pro Jahr) lässt die wirtschaftliche Bedeutung der Kurznachrichten für die Mobilfunkanbieter langsam nach. So ist der Anteil von SMS am Umsatz mit mobilen Datendiensten nach Bitkom-Angaben seit Jahren rückläufig. 2009 machte er noch mehr als 50 Prozent aus, in diesem Jahr werden es voraussichtlich noch etwa 37 Prozent sein.
Eines steht auf jeden Fall fest: Die SMS ist viel mehr als eine pragmatische Mitteilung. Natürlich ist sie praktisch – aber auch romantisch. Viele Leute speichern SMS sogar über mehrere Jahre und nehmen sie von einem Handy zum nächsten mit. Ein lieber Gruß, eine Liebes-Erklärung, ein schmutziger Witz zum Feierabend: Es gibt so gut wie nichts, was sich nicht im 160 Zeichen schnell verschicken lässt. Aber es gibt zum Glück noch Dinge, die sich auch per SMS nicht gehören: Schlussmachen. Dieter Bohlen und Lothar Matthäus taten es trotzdem.
"Wir können uns nicht unerreichbar stellen"
Hellmuth Karasek im Interview über die Kommunikation per Kurzmitteilung
Trotzdem ist die Zukunft der SMS ausgerechnet im Jubiläumsjahr mehr als ungewiss. Durch die Verbreitung der internetfähigen Smartphones und Tablets gibt es auch neue Konkurrenz durch Onlinedienste wie "Whats App", "Twitter" oder die sozialen Netzwerke. Zudem bieten in Deutschland neuerdings auch Telekommunikationsanbieter wie Vodafone und die Telekom ihren Kunden mit "Joyn" einen neuen internetbasierten SMS-Nachfolger an. Der entscheidende Vorteil ist, dass sie nahezu kostenfrei sind. Eine herkömmliche SMS dagegen kann je nach Anbieter bis zu 30 Cent kosten.
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Gibt es in fünf Jahren noch SMS?
"Die neuen Dienste werden dem SMS-Verkehr erheblich zusetzen", sagt Friedhelm Hillebrand, der als einer der SMS-Erfinder gilt und das technische Konzept vor rund 20 Jahren (damals für die Deutsche Bundespost) entwickelt hatte. Dennoch hält er einen Abgesang auf die Kurznachricht für zu früh. Immerhin gebe es weltweit derzeit rund sechs Milliarden Handys, mit denen SMS verschickt werden können. Nur eine Milliarde davon seien Smartphones, auf denen die neuen Onlinedienste funktionieren.
Hinzu komme die sogenannte Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. So könnten etwa bei Autos bei einem Unfall automatisch eine Notruf-SMS verschicken und Windkraftanlagen per Kurznachricht die Einspeisung von Energie in andere Netze anbieten.
Dies seien Märkte, in denen die herkömmliche SMS künftig eher noch stärker nachgefragt sein könnte. "Es ist dann allerdings möglich, dass langfristig mehr Maschinen simsen werden als Menschen", prognostiziert Hillebrand.
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