Ausprobieren, ignorieren, mitnehmen
Ein wiederkehrendes Bild im Bremerhavener Klimahaus: Ausstellung geschlossen!
Seit rund drei Monaten ist das "Klimahaus Acht Grad Ost" in Bremerhaven jetzt für das Publikum offen. Über 250.000 Besucherinnen und Besucher haben sich bereits auf die interaktive Reise durch die verschiedenen Klimazonen der Erde gemacht. Mitmachen, selbst ausprobieren und anfassen - darum geht es zwar in dieser erlebnisorientierten Ausstellung. Doch manche Gäste nehmen dies allzu wörtlich und machen dabei Exponate auch mal kaputt. Diese müssen dann schnell wieder instand gesetzt - oder funktionsfähig gemacht werden. Deshalb gehen jeden Tag regelmäßig Techniker durchs die Ausstellung. Radio Bremen-Reporter Tobias Nagorny hat den "Klimahaus-Rettern" bei ihrem Rundgang über die Schulter geschaut:
Mit den Technikern durchs Klimahaus, [2:48]
Acht Uhr morgens. Noch eine Stunde bis die ersten Besucher vor den Türen stehen. Der Techniker Michael Lenuck macht seinen täglichen Rundgang durch die Ausstellung. Sicherheitschecks, Software hochfahren und Exponate kontrollieren. Vor einem kleinen Einkaufsladen im Ausstellungsbereich Alaska bleibt er stehen und schüttelt den Kopf.
Das Museum als Selbstbedienungsladen. Deutlich zu sehen: Spuren im Regal.
Klimahaus-Techniker Michael Lenuck sagt: "Hier kommt es leider immer wieder vor, dass Besucher tatsächlich die Verpackung aufreißen, um nachzusehen, ob da wirklich Schokoriegel drin sind - oder andere Artikel - und dadurch muss man halt erstmal gucken, ist alles noch da - oder sind irgendwelche Sachen so stark beschädigt, dass wir es austauschen oder zumindest mitnehmen müssen.
Vandalismus im Klimahaus Bremerhaven
Obwohl das Klimahaus in seiner gesamten Konzeption sehr stark auf "selbst ausprobieren", "anfassen" und "entdecken" ausgerichtet ist, sind einige Besucher ein bisschen zu interaktiv in der Ausstellung unterwegs. Zum Beispiel im Antarktisbereich. Hier kontrolliert Lenuck die Eisfläche: "Leute sind einen Weg gegangen Richtung Kältekammer - und auf dem Rückweg meistens direkt vorne am Eisberg vorbei, haben dann da noch ein paar schöne Bilder gemacht und daraufhin sah das Eis dann nach einiger Zeit schon nicht mehr ganz so weiß aus. Aber auch hier jetzt - Hinweisschilder, dass das Eis nicht zu betreten ist, und von unserer Seite regelmäßig aufgefrischt wird.
Klimahaus-Techniker Michael Lenuck hat alle Hände voll zu tun.
Vor allem auf den Ausstellungsebenen der "Perspektiven" und der "Elemente" - da wo viele Knöpfe, Hebel und Schalter von tausenden Menschen in der Woche ausprobiert werden, geht einiges zu Bruch. Weil es sich bei den meisten Ausstellungsstücken um Einzelanfertigungen handelt, kann es schon mal ein bisschen dauern, bis diese ersetzt werden. Das bemerken auch die Besucher des Klimahauses. Eine Besucherin ist verwundert, sieht es aber gelassen: "Also, das ist ein ganz normaler Verschleiß. Mich wundert, das jetzt, nach ein paar Monaten... dass einiges schon wieder quasi repariert werden muss. Aber das ist vielleicht die Anfälligkeit von Technik.?!" Ein anderer Besucher bemerkt: "Ich habe nicht gesehen, das was zu Bruch gegangen ist - aber ich habe gesehen, das einige Exponate nicht zugänglich sind."
In der Tat - an Schildern mit der Aufschrift: "Dieses Exponat steht Ihnen in Kürze wieder zur Verfügung" läuft man nicht selten vorbei auf seiner Reise durch die Klimazonen. Doch neben den großen Ausstellungsstücken, die hier regelmäßig gewartet und repariert werden, gibt es auch ganz andere Verschleißerscheinungen. Gelegentlich werden sehr skurrile Dinge, quasi als "persönliches Souvenir", von den Besuchern einfach mitgenommen, so Sebastian La Motte, der Pressesprecher des Klimahauses: "Eine Sache, die verschwunden ist - auf mysteriöse Art und Weise - ist nachgebildeter Kamelmist, den haben einige Besucher da wohl eingesteckt. Ich hoffe nicht, dass die den für echten Mist gehalten haben!"
Seit dies passiert ist, haben die Techniker vom Klimahaus ein großes Schild mit der Aufschrift "Nicht Betreten" vor die Wüstenfläche im Niger gestellt. Und dahinter liegt jetzt wieder künstlicher Kamelmist.
25. September 2009
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